RoI greift zu kurz

Welchen Wert hat ein Service in der SOA?

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Ein Argument für den Aufbau einer Service-orientierten Architektur ist die Chance zur Wiederverwendung ihrer Dienste. Doch das gilt nur bedingt.

Viele SOA-Verfechter wollen den Wert von Softwarediensten daran messen wie oft sie sich für neue Anforderungen gebrauchen lassen. Dementsprechend steht dieser Aspekt bei vielen Betrachtungen über den Return on Investment (RoI) von SOA-Services im Mittelpunkt. Nach Ansicht von Richard Watson, Analyst der Burton Group, greift dieser Ansatz jedoch zu kurz (Missverständnisse über SOA beklagen auch die Analysten von Forrester Research). Vielmehr hätten Gespräche mit CIOs aus Fortune-500-Konzernen bestätigt, dass man keine zu hohen Erwartungen haben sollte: "Bezüglich der Wiederverwendung wird immer viel zu viel versprochen", ließ sich ein IT-Manager zitieren (auch gibt es weitere Mythen über SOA).

Wie dereinst bei der objektorientierten Programmierung sei auch beim Aufbau von Softwarediensten gemäß den Designprinzipen Service-orientierter Architekturen eine Wiederverwendung alles andere als garantiert. Organisatorische und technische Faktoren machten ein solches Ansinnen zu einer komplexen Aufgabe. Fakt sei vielmehr, dass selbst ein elegant und optimal entworfener SOA-Dienst nur dann noch einmal gebraucht wird, wenn die IT-Mitarbeiter beziehungsweise Architekten:

  • überhaupt eine Ahnung haben, dass es ihn gibt;

  • genau wissen, wie man ihn verwenden kann und

  • überzeugt davon sind, dass der vorhandene Dienst besser ist als einer, den man eigenhändig erstellt hat.

Vorteile von SOA-Diensten

Doch selbst wenn ein vorhandener SOA-Service nur einmal verwendet werden sollte, kann sein Wert erheblich sein. Dies zeige sich laut Watson darin, dass sich der Dienst an neue Anforderungen anpassen lasse und dadurch die Wartungs- und Entwicklungskosten in der IT verringert. Ferner würden Services die funktionale Redundanz in Softwarearchitekturen reduzieren helfen und Sicherheits- und Compliance-Vorgaben in die Architektur einbringen, immer vorausgesetzt, es gibt klare Designrichtlinien und -kontrollen (Policies).

Wer dennoch den genauen RoI einzelner Service aufstellen wolle, bewegt sich auf schwierigem Terrain. So würden sich erzielte Einsparungen durch Wiederverwendung nicht unbedingt im IT-Budget widerspiegeln, erinnert Watson. Ebenso können Dienste im Laufe ihres Lebenszyklus an Bedeutung und damit Wert einbüßen, unter bestimmten Umständen (zum Beispiel aufgrund gesetzlicher Vorgaben) an Wert gewinnen oder durch Netzeffekte für zusätzliche Einsparungen und Gewinne sorgen. Doch wie will man dies genau berechnen?

Es sei daher auf jeden Fall sinnvoller, sich mit dem geschäftlichen Nutzen eines SOA-Service zu beschäftigen, als dessen Wert zu sehr an einer möglichen Wiederverwendung zu bemessen.

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