Gartner und WWF testen

Welche Hersteller wirklich grün sind - und welche nur über Green IT reden

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Die Unternehmensberatung Gartner und der World Wide Fund for Nature (WWF) haben ITK-Hersteller auf ihre Umwelttauglichkeit getestet. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Die Unternehmensberatung und der WWF haben auf dem von Gartner abgehaltenen "Symposium/ITxpo 2008" im französischen Cannes die Resultate einer von Gartner abgehaltenen und vom WWF beratend begleitenden Untersuchung in Sachen Umweltengagement von ITK-Herstellern vorgestellt.

Gartner bat 24 bekannte Hersteller in einem 84 Fragen langen Fragebogen, darzulegen, wie sie das Thema Umweltschutz in ihrer eigenen Firma bewältigen. Zudem sollten die Unternehmen nachweisen, ob sie Lösungen entwickeln, die ihnen und ihren Kunden helfen, die Kohlendioxidbelastung der Umwelt zu verringern.

Nicht alle antworteten. Von 24 Herstellern blieben neun eine Antwort schuldig.

Vernichtendes Urteil: Kaum Umweltbewußtsein

Insgesamt, so das vernichtende Urteil von Gartner und dem WWF, bewege sich die ITK-Branche nur langsam, wenn es um die Umsetzung von Green IT geht. Das sei umso kritikwürdiger, als es genügend Möglichkeiten gibt, wie Firmen umweltbewusst agieren können. Hierzu zählt Gartner zum einen "intelligente" Gebäudetechniken. Auch Grid-Applikationen, Cloud-Computing-Anwendungen, also im Internet abrufbare Lösungen, seien geeignet, die Energiebilanz positiver zu gestalten. Auch öko-relevantes Reiseverhalten wie etwa Videokonferenzsysteme anstelle von Dienstreisen, wäre eine gute Möglichkeit, die Umweltbelastung durch Kohlendioxid zu verringern.

Simon Mingay, Research Vice President von Gartner und "Erfinder" des Begriffs Green-IT, von dem er sich mittlerweile eher distanziert, stellte die Ergebnisse der Untersuchung vor.

Wenig ermutigende Ergebnisse

Die Resultate waren insgesamt nicht sehr ermutigend und oft widersprachen dem selbstbewusst zur Schau getragenen Umweltbewusstsein vieler Hersteller. Einige wenige ITK-Firmen konnten sich als umweltbewusst agierende Hersteller profilieren. Sie sind in Sachen Umwelt- und Klimaschutz innovativ tätig. Andere Anbieter hingegen, schreibt Gartner, haben diesbezüglich so gut wie nichts zu bieten.

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Die Untersuchung zeigte, dass so mancher selbst erklärter Umwelt-Champion nicht einmal grundsätzliche Anforderungen an solch einen Anspruch erfüllt. Mingay zählt zu den Minimalerwartungen, dass ein Unternehmen sich selbst ein Ziel gesetzt hat, bis wann es wie viel zur Abnahme der Kohlendioxidbelastung beitragen will. "Solch eine Vorgabe ist eine der ganz grundsätzlichen Anforderungen an ein taugliches Umweltprogramm. Wenn ein Hersteller nicht einmal dieses Ziel vorweisen kann, dann sollten seine Kunden sehr skeptisch sein, ob solch ein Anbieter überhaupt eine Umweltstrategie besitzt."

Gartner nennt die Firmen, die zum Zeitpunkt der Studienerhebung solch ein Ziel zur Verringerung der Kohlendioxidbelastung nicht vorweisen konnten: Nokia, Ericsson, Google, Nortel, Cisco, SAP und Wipro. Lenovo und Cisco haben allerdings nach Abschluss der Untersuchung solch eine Selbstverpflichtung formuliert.

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