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Weiterhin Unsicherheit bei KPNQwest

10.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Beim insolventen Kabelnetzbetreiber KPNQwest ist weiterhin alles offen - momentan zumindest: Der IP-Dienstleister hatte vergangene Woche einen Appell an säumige Kunden gerichtet, ihre Rechnungen für Mai und Juni zu begleichen und auf ein Treuhandkonto zu überweisen (Computerwoche online berichtete). Am heutigen Montag Abend entscheidet sich, ob das Geld ausreicht, um den Netzbetrieb in den nächsten Wochen aufrechtzuerhalten. KPNQwest verspricht sich davon bessere Karten bei den Verhandlungen mit Interessenten und Gläubigern. Außerdem haben die Kunden mehr Zeit, zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

Sollten weniger als die erhofften 50 Millionen Euro eintreffen, müsste der Netzbetrieb unverzüglich eingestellt werden, warnte das Unternehmen. Allein der niederländische TK-Konzern KPN, Muttergesellschaft und gleichzeitig Großkunde, steht bei KPNQwest offenbar mit 23 Millionen Euro in der Kreide. KPN hatte der Tochtergesellschaft jedoch in der Vergangenheit mit mehreren Finanzspritzen ausgeholfen und in der vergangenen Woche bis zu einer Million Euro pro Tag ausgegeben, um den Netzbetrieb bei KPNQwest sicherzustellen. Nach Angaben eines KPN-Sprechers sei der Konzern aber bereit einen Beitrag zu leisten, wenn andere Kunden ebenfalls zahlen.

Während der Countdown läuft, bemühen sich weiterhin einige entlassene Mitarbeiter im Brüsseler Network Operation Center (NOC), das Ebone-Netz am Leben zu erhalten. So lange das Netz noch in Betrieb ist, besteht die Hoffnung - etwa bei einer Übernahme - ihre Jobs wieder zu erhalten. Unterdessen verbuchen Konkurrenten wie BT Ignite, Telia, Worldcom oder Colt laut Presseberichten eine rege Nachfrage nach IP-Diensten. (mb)