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Weiterer Aderlass bei Mozilla

14.01.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Mozilla, die Open-Source-Entwicklergemeinde für den Netscape-Browser "Communicator", muss sich nach einem neuen Leiter umsehen. Nach nicht einmal zwölf Monaten kehrt der Kanadier Mike Shaver dem von AOL finanzierten Projekt den Rücken. Damit setzt sich die seit Monaten andauernde Abwanderungswelle auch im neuen Jahr fort.

Shaver hatte im April 1999 die Nachfolge des Mozilla-Gründers Jamie Zawinski angetreten. In den folgenden Monaten kümmerte er sich insbesondere um die Beziehungen zu den Entwicklern und engagierte sich bei der Verbreitung des Open-Source-Gedankens. Anders als sein frustrierter Vorgänger, gehe er nun mit dem Gefühl, das Projekt auf eine nächste Stufe getragen zu haben. So konnte Mozilla vor gut einem Monat unter dem Codenamen "M12“ erstmals eine Testversion des neuen Browsers vorstellen. Shaver will deshalb der Entwicklergemeinde erhalten bleiben und habe nach eigener Aussage seinem neuen, nicht genannten Brötchengeber abverlangt, auch künftig stundenweise am Projekt mitarbeiten kann.

Allerdings steht Shavers Haltung im Gegensatz zu einer wachsenden Schar an ehemaligen Netscape-Mitarbeitern und Entwicklern, die Mozilla seit der Gründung 1998 den Rücken gekehrt haben. So hatte etwa Zawinski seinen Rücktritt mit dem schleppenden Fortgang der Entwicklungsarbeiten und der konfusen Produktstrategie Netscapes und dessen neuen Besitzers AOL begründet. Es sei dadurch nicht gelungen, Boden im Browser-Krieg gegen Microsoft gut zu machen.