Weiterbildung: Auch über 40 geht noch was

Michael Schweizer ist freier Autor in München.
Es gibt geizige Arbeitgeber, schlechte Kurse, träge Mitarbeiter – und eindrucksvolle Gegenbeispiele in Sachen Weiterbildung.

Rolf Vogel hat in der Weiterbildung gute Erfahrungen gemacht. Die Acadon AG, Krefeld und Erftstadt, für die der gelernte Nachrichtentechnik-Ingenieur Kunden zur betriebswirtschaftlichen Software Microsoft Navision berät, leistet sich fast durchweg externe Schulungen. Vier Fünftel von Vogels Kursen drehten sich um Produkt-, die anderen um Vertriebsthemen. Programm und Trainer waren "in allen Fällen" gut. Überwiegend ging die Initiative vom Arbeitgeber aus. Wenn der 53-Jährige selbst Fortbildungsbedarf anmelden würde, schätzt er die Chance, dass Acadon dafür aufkäme, auf 80 Prozent.

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  • wie es in virtuellen Klassenzimmern zugeht;

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Glaubt man Statistiken, so zählt Vogel zu den Ausnahmen. Die Online-Jobbörse Stepstone befragte 12.800 Besucher aus acht europäischen Ländern, ob ihre Unternehmen Weiterbildung betrieben. Das deutsche Ergebnis war überdurchschnittlich, aber nicht gut: 33 Prozent der hiesigen Befragten nehmen "regelmäßig an Fortbildungen teil", 35 Prozent "eher selten", und 32 Prozent wählten die Antwort: "Nein, Fortbildungen gibt es bei uns gar nicht."

Weiterbildung: Initiative 50 plus

Bei den Älteren sieht es noch schlechter aus. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ermittelte für 2003 unter den 55- bis 64-jährigen Berufstätigen eine Weiterbildungsquote von neun Prozent. Um hier gegenzusteuern, kann die Bundesagentur für Arbeit seit 1. Mai 2007 die Weiterbildungskosten für Festangestellte übernehmen, die mindestens 45 Jahre alt sind, wenn das Unternehmen höchstens 250 Mitarbeiter hat (siehe Kasten "Was Ihnen zusteht"). Die neue Regelung ist Teil der Ministeriums-"Initiative 50 plus".

Die schlechten Weiterbildungszahlen sind nicht IT-spezifisch. Dass jedoch auch auf diesem Feld ein Defizit besteht, geht aus der von vielen Unternehmen beklagten Schwierigkeit hervor, entsprechende Stellen zu besetzen. Laut dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) ist derzeit für jedes zweite ITK-Unternehmen "der Fachkräftemangel ein großes Problem". Wie schon des Öfteren verlangt der Verband zweierlei Abhilfe: Das Informatikstudium solle kürzer und praxisnäher werden, und das Zuwanderungsgesetz solle so geändert werden, dass wesentlich mehr ausländische IT-Spezialisten eine Niederlassungserlaubnis erhalten.

Weiterbildung: Was Ihnen zusteht

Wenn Sie selbst zahlen: Direkte und indirekte Weiterbildungskosten, also auch Reisen und Verpflegung, sind steuerlich absetzbar. Voraussetzung ist die berufliche Notwendigkeit. Die Finanzämter definieren sie unterschiedlich. Sprachkurse werden oft abgelehnt.

Wenn der Staat zahlt: Anspruch auf von der Agentur für Arbeit geförderte Weiterbildung haben Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Arbeitsuchende. Voraussetzung ist, dass die Maßnahme Arbeitslosigkeit abwenden oder der Wiedereingliederung dienen kann. Je nach Agentur kann diese Bewertung unterschiedlich ausfallen.

Wenn Sie der Arbeitgeber schickt: Seit 1. Mai 2007 übernimmt der Staat die Weiterbildungskosten für ungekündigte Arbeitnehmer ab 45 (vorher: 50) Jahren, wenn das Unternehmen maximal 250 (vorher: 100) Mitarbeiter hat. Der Arbeitgeber muss den Lohn während der Weiterbildung weiterzahlen.

Bildungsurlaub: Gesetzlich garantierte Bildungsfreistellung gibt es in allen Bundesländern außer Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen (in diesen vier Ländern nur im öffentlichen Dienst). Der Anspruch beläuft sich in der Regel auf zehn Tage bezahlten Urlaub zusätzlich zum Tarifurlaub in zwei Kalenderjahren. Der Arbeitnehmer muss die Weiterbildung dem Arbeitgeber sechs Wochen vorher "mitteilen" (Berlin) beziehungsweise sie bei ihm "beantragen" (Brandenburg) und selbst bezahlen. Die Weiterbildung muss nicht berufsbezogen, sondern kann auch kulturell oder politisch orientiert sein oder auf ein Ehrenamt vorbereiten. Ein Klassiker sind Sprachreisen.