Ersatz für Blackberrys

Weißes Haus steigt auf iPhones um

Peter Müller ist der Ansicht, dass ein Apple täglich den Arzt erspart. Sei es iMac, Macbook, iPhone oder iPad, was anderes kommt nicht auf den Tisch oder in die Tasche. Seit 1998 beobachtet er die Szene rund um den Hersteller von hochwertigen IT-Produkten in Cupertino genau. Weil er schon so lange dabei ist, kennt er die Apple-Geschichte genau genug, um auch die Gegenwart des Mac-Herstellers kritisch und fair einordnen zu können. Ausgeschlafene Zeitgenossen kennen und schätzen seine Beiträge im Macwelt-Morgenmagazin, die die Leser werktags pünktlich um acht Uhr morgens in den nächsten Tag mit Apfel und ohne Doktor begleiten. Privat schlägt sein Herz für die Familie, den FC Bayern, sechs Saiten, Blues-Skalen und Triolen im Shuffle-Rhythmus.
Neun Monate vor dem Ende der Amtszeit von Präsident Barack Obama modernisiert das Weiße Haus seine IT-Infrastruktur. Das ist auch bitter nötig.
Altes Haus, veraltete IT: Obama will seinem Nachfolger eine bessere Infrastruktur hinterlassen.
Altes Haus, veraltete IT: Obama will seinem Nachfolger eine bessere Infrastruktur hinterlassen.
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Liest man den Bericht der New York Times über die längst überfälligen und nun in Angriff genommenen Modernisierungsmaßnahmen der IT des Weißen Hauses in Washington, muss man sich fragen, wie der Staat in den letzten Jahren überhaupt hatte funktionieren können. Mitarbeiter müssen sich noch immer sich im Amtssitz des Präsidenten mit uralten Maschinen und Kommunikationssoftware herumschlagen, die aus der Steinzeit der digitalen Ära zu stammen scheinen. So ist die Rede von langsamen schwarz-weiß-Druckern, die nicht einmal beidseitig bedruckte Kopien zustande brächten. Der Internetzugang ist in den Büroräumen des Weißen Hauses teilweise so schlecht, dass damit vertraute Mitarbeiter bestätigen, sogar in der Präsidentenmaschine Air Force One - einer umgebauten Boeing 747 - sei der Satelliten gestützte Internetzugang schneller und zuverlässiger als am Boden, wo noch alte Modems aus den Neunzigern fröhlich vor sich hinpfiffen.

Als Mobiltelefone seien bisher veraltete Blackberries im Einsatz gewesen, nun steige aber die Belegschaft im Zuge der Modernisierungsmaßnahmen auf iPhones und lediglich der POTUS verwende aus Sicherheitsgründen ein speziell abgeschirmtes Blackberry. Die Technik, iPhones so zu sichern, dass sie auch den Anforderungen der Regierung genügen, steht jedoch bereit, die Bundesregierung will wohl noch in diesem Jahr inklusive ihrer Chefin auf das iPhone umsteigen.

Ein Teil des Problems der veralteten Infrastruktur liegt laut New York Times auch in den bürokratischen Strukturen begründet: Nicht weniger als vier Agenturen sind für die Sicherheit des Präsidenten und seines Amtssitzes zuständig. Obama habe dies im Sommer 2014 in seinem Sommersitz auf Matha's Vineyard erfahren müssen, als die dort zuständige Behörde sich nicht auf sein defektes Laptop einloggen konnte, um es zu reparieren.

Langwieriger Umbau kommt in Gang

Seit März 2015 bringt jedoch der IT-Experte David Recordon das Weiße Haus wieder auf den aktuellen Stand der Technik, zuvor war er für Facebook in ähnlicher Funktion tätig. In einer ersten Maßnahme identifizierte er in seinem Team Kilometerweise überflüssig gewordene Verkabelungen, mehr als sechs Tonnen überflüssiges Kupferkabel wurde dabei entfernt. Über Jahre sei ein Widlwuchs zusammen gekommen, da jede der Agenturen unterschiedliche Standards nutzte, wenn eine neue Lösung erforderlich war. Neben neuen Rechnern mit modernen Prozessoren und SSD-Speichern seien auch nun neue Telefone installiert, die erste Renovierung an der Telefonanlage seit Bill Clinton der Hausherr in 1600 Pennsylvania Avenue war. Ebenso neu ist eine Web-basierte Zugangskontrolle für die Besucher des Weißen Hauses, die man nun von jedem Computer des Amtssitzes aus bedienen könne.

Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt - Foto: ArtFamily - shutterstock.com

Datenzugriff mobil - aber bitte geschützt

Zuletzt hatte das Weiße Haus in den Jahren der Präsidentschaft von George W. Bush wesentliche Renovierungen vorgenommen, unter der Leitung des stellvertretenden Stabschefs Joe Hagin wurde seinerzeit das damals schon veraltete E-Mail-System von Lotus Notes abgeschafft und die Intel-486er-Kisten aus den frühen Neunziger zum Alteisen gebracht. Rund um 9/11 hatten die US-Behörden auch wegen ihrer in die Jahre gekommenen Werkzeuge massive Kommunikationsprobleme erfahren. Aber seither hat sich die IT nochmals bedeutend weiter entwickelt.

Obamas stellvertretende Stabschefin Anita Decker Breckenridge gibt der Zeitung gegenüber der Hoffnung Ausdruck, Obama werde seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin ein Haus auf einem technischen Niveau übergeben, das den Anforderungen der Facebook- und Twitter-Ära gerecht werde. Das Wi-Fi im Roosevelt-Raum sei schon jetzt so stark, Veranstaltungen live auf Facebook übertragen zu können. (Macwelt.de/mb)