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Wegwerf-Handy aus Papier für rund zehn Dollar

13.03.2001
Eine Amerikanerin hat ein Handy erfunden, das größtenteils aus Papier besteht, in den Geldbeutel passt und so billig ist, dass der Verlust nicht weh tut. Das Gerät könnte künftig Telefonkarten ersetzen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Man stelle sich ein Handy vor, das so groß wie eine Kreditkarte ist, hauptsächlich aus Papier besteht und nur um die zehn Dollar kostet. Geht es einmal verloren, ist eine Neuanschaffung nicht aufwendig und kostengünstig. Das ist keine Utopie, sondern könnte bereits Ende dieses Jahres Wirklichkeit werden: Die Amerikanerin Randice-Lisa Altschul hat einen entsprechenden Prototypen entwickelt, der kurz vor der Massenproduktion steht.

Die Idee kam der Kinder- und Brettspiel-Entwicklerin beim Autofahren, als sie mit einem herkömmlichen Handy telefonierte. Sie verlor ihre Verbindung und wurde so wütend, dass sie das Gerät am liebsten aus dem Fenster geworfen hätte. Der hohe Anschaffungspreis des Mobiltelefons hinderte sie jedoch daran. Hätte es sich hingegen um ein günstigeres Produkt gehandelt, wäre es ohne Zweifel ihrem Wutausbruch zum Opfer gefallen. Altschul spann den Faden weiter: Gäbe es billige Wegwerf-Handys, könnte man diese zuhauf anschaffen, sie im Handschuhfach und der Geldbörse aufbewahren und müsste sich keine Gedanken über den Verlust machen.

Sie beauftragte einige Ingenieure mit der Umsetzung ihres Einfalls. Heraus kam ein Papierstreifen, auf den mit magnetischer Tinte elektronische Schaltkreise gedruckt sind. Das Papier wiederum lässt sich wie eine Ziehharmonika zusammenfalten und besitzt dann die Größe einer Kreditkarte. Über ein Mini-Headset lässt sich damit telefonieren. Der aktuelle Prototyp enthält eine kleine Platine mit zwei traditionellen Computerchips. Die nächste Generation soll nur noch mit einem Prozessor bestückt sein, die dritte soll sogar ohne Chips auskommen.

Die Erfindung ließe sich letztendlich als Telefonkarte mit integriertem Handy einsetzen. Sie könnte mit einem Gesprächsguthaben von beispielsweise 60 Minuten angeboten werden. Nach dem Ablauf der Gesprächszeit habe man die Möglichkeit, das Konto neu aufzuladen oder das Telefonkarten-Telefon einfach zu entsorgen.

Altschul hat nach eigenen Angaben bereits weltweit Aufträge für 100 Millionen Wegwerf-Handys erhalten. Sobald die US-Kommunikationsbehörde FCC (Federal Communications Commission) ihrer Erfindung grünes Licht erteilt, könnte sie mit der Produktion loslegen. Drei Fabriken seien bereits auf die Fertigung eingestellt.