Wegen Frühstart disqualifiziert

05.07.1991

Mit der mißglückten Premiere ihres D1-Netzes liefert die Telekom wieder ein negatives Musterbeispiel vorausschauender Unternehmenspolitik. Etwas zu voreilig hat der deutsche Carrier für den Geschmack vieler Beobachter und der übrigen europäischen PTTs die Vorreiterrolle für das digitale, paneuropäische Funknetz übernommen. Über die Gründe läßt sich nur spekulieren: Sei es, weil sich die Telekom mit dem Lorbeer der Liberalisierung schmecken oder die Extrawurst, die sie mit dem deutschen Standard im C-Netz brät, vergessen machen wollte.

Jedenfalls stehen die Bonner mit ihrem Beschluß, zum 1. Juli das digitale Zeitalter in der Bundesrepublik einzuläuten, zunächst einmal nur einsam im Regen. Warum? Vor wenigen Wochen erst wurden die letzten GSM-Normen für das paneuropäische Mobilfunknetz festgelegt, etwas zu spät, um schon ein betriebsbereites Netz mit tauglichen Endgeräten vermerkten zu können. Kopfschütteln und Verwunderung daher bei den übrigen europäischen Betreibergesellschaften. Die gehen frühestens im Laufe des nächsten Jahres oder sogar noch später ans Mobilfunk-Netz.

Verwunderung aber auch bei den Endgeräte-Herstellern. Die hielten sich mit der Fertigung der Mobilfunk-Telefone bisher zurück, weil sie ihre Endgeräte natürlich nach einheitlichen, europaweiten Richtlinien produzieren wollen. Deutschland mit seiner noch geringen Flächendeckung des Mobilfunk-Netzes und deshalb auch schwer kalkulierbaren Nachfrage, rechtfertigt allein die hohen Produktionskosten aus Sicht der Hersteller nicht. Auch für den Mobilfunk gilt: Hohe Stückzahlen = geringerer Endgerätepreis = mehr Anwender.

Mit Kosten zwischen 2000 und 5000 Mark, wie sie derzeit gehandelt werden, lockt die Telekom, aber auch Mannesmann, keinen Anwender hinter dem Ofen hervor, und bliebe der digitale Mobilfunk zwangsläufig das, was er seit 1. Juli ist, nämlich ein Projekt für wenige hundert "friendly user" gh