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Wechselt Global Crossing zum Schnäppchenpreis?

06.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die asiatischen Investoren Hutchison Whampoa und Singapore Technologies Telemedia stehen laut Presseberichten kurz davor, einen Großteil der Vermögenswerte des insolventen US-Carriers Global Crossing zu übernehmen. Nach einem Bericht des "Wallstreet Journal", der sich auf Insider-Informationen beruft, beläuft sich das aktuelle Gebot für 62 Prozent des neuorganisierten TK-Konzerns lediglich auf 250 bis 300 Millionen Dollar in bar und rund 200 Millionen in Form von Schuldverschreibungen. Damit wollen die beiden Firmen nur einen Bruchteil der insgesamt rund zwölf Milliarden Dollar Schulden oder des einstigen Börsenwertes von rund 48 Milliarden Dollar zahlen. Die Gläubigerbanken, denen Global Crossing 2,55 Milliarden Dollar schuldet, erhalten dabei fast die

komplette Barsumme sowie Wechsel im Wert von 175 Millionen Dollar und eine sechsprozentige Beteiligung an dem Unternehmen. Die Halter von Firmenanleihen im Gesamtwert von zehn Milliarden Dollar sollen mit insgesamt 32 Prozent an dem Konzern und Wechseln über 25 Millionen Dollar abgespeist werden. Die Anteilshalter gehen leer aus.

Insgesamt liegt das Angebot deutlich unter der ersten Offerte, kurz nachdem Global Crossing Ende Januar Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursrechts beantragt hatte. Damals wäre den beiden asiatischen Investoren ein 79-prozentiger Anteil an dem Carrier noch 750 Millionen Dollar wert gewesen. Die geplante Transaktion scheiterte jedoch im Mai, nachdem einige Gläubiger der Meinung waren, dass das Unternehmen mit dem Angebot unterbewertet sei.

Auch dieses Mal müssen die Gläubiger und das Konkursgericht dem Angebot zustimmen. Außerdem könnte die Regulationsbehörde aufgrund von Sicherheitsbedenken nach den Ereignissen von 11. September Einspruch erheben. Daneben laufen noch immer die Ermittlungen der Börsenaufsicht SEC und des US-Justizministeriums. Die Frist für das Bieterverfahren endet am heutigen Dienstag. Nachdem der Termin allerdings bereits einige Male verlängert wurde, könnte es zu einer weiteren Verschiebung kommen. Gegenangebote haben nach aktuellem Kenntnisstand die kalifornische Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity und der ehemalige Finanzchef von Global Crossing, David Walsh, mit Unterstützung von Bank One abgegeben. (mb)