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Infografiken, HTML5, Videos schneiden & mehr

Web-Tools für Dinge, die Sie nie zuvor konnten

Stefan von Gagern ist diplomierter Medientechniker (FH) und war als Redakteur und Ressortleiter bei den Fachtiteln "Screen Busines Online" und "Page" tätig. Später lehrte er als Dozent für Medienkonzeption im Master-Studiengang "Multimedia Production" an der Fachhochschule Kiel. Heute schreibt er als freier Fachjournalist und Autor über Themen wie Publishing, Internet, Social Media und Digital Lifestyle. Parallel berät er Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung von Social-Media-Auftritten.
Youtube-Videos untertiteln, HTML5-Sites gestalten, Infografiken erstellen und vieles mehr: Es gibt eine Menge Dinge, von denen Sie bestimmt nie gedacht hätten, dass Sie das können. Können Sie aber - mit unseren zumeist kostenloses Web 2.0-Tools, die auch Einsteigern tolle Ergebnisse hinzaubern - zur Verblüffung des Chefs, der Kollegen oder Ihres Teams.

Jeder nutzt fast täglich Web 2.0-Applikationen, zum Filme schauen auf YouTube oder zur Routenplanung auf Google Maps. Doch das ist längst nicht alles, was Web-Tools heute alles können. Meistens sind sie nicht nur kostenlos - oder preisgünstig - sondern sehr einsteigerfreundlich und erledigen ihren Job meist auf Knopfdruck. Denn im Gegensatz zu Desktop-Software müssen Sie den Besucher in nur wenigen Sekunden überzeugen. Und oft stecken in allgemein bekannten Websites, wie zum Beispiel YouTube, noch erstaunliche, etwas versteckte Funktionen, die nicht jeder kennt. Vorhang auf für Beispiele, die Sie Dinge schaffen lassen, die Sie bisher nicht konnten.

Videos schneiden, verbessern, untertiteln

Wer mehrere Clips mit oder ohne Übergangs-Effekten versehen, schneiden sowie mit Standbildern mischen und vertonen möchte, nutzt den YouTube-Video-Editor.
Wer mehrere Clips mit oder ohne Übergangs-Effekten versehen, schneiden sowie mit Standbildern mischen und vertonen möchte, nutzt den YouTube-Video-Editor.
Foto: Stefan von Gagern

YouTube kennt jeder, doch nur wenige wissen, dass das Portal nicht nur Videos abspielen kann, sondern auch die gängigsten Videobearbeitungsaufgaben beherrscht - und das direkt im Webbrowser. Einzige Voraussetzung: Sie brauchen ein YouTube- beziehungsweise Google-Konto und laden dann die zu bearbeitenden Clips hoch. Rufen Sie die Clips dann auf, erscheinen diverse Bedienelemente über und unter dem Clip. Von Farboptimierungen über Effekte, Soundtrack, Anmerkungen und Untertiteln, Verpixelung zum Unkenntlichmachen von Personen bis hin zu einfachen Grundfunktionen wie dem Abschneiden unerwünschter Partien: Youtube erledigt direkt im Browser alle Pflichtaufgaben eines Videoeditors mit wenigen Klicks. Dazu erfordert es keine großen Vorkenntnisse und ist dank Rückkehr-Funktion zum Original ohne großes Risiko. Wer ein ausgewachsenes Schnittprogramm braucht, startet mit dem Button unten rechts den YouTube-Video-Editor. Fertige Video-Projekte landen schließlich direkt dort, wo sie meistens sowieso hin sollen: auf YouTube selbst.

Infografiken auf Knopfdruck

Visua.ly zaubert aus Social-Media-Statistiken geniale Infografiken.
Visua.ly zaubert aus Social-Media-Statistiken geniale Infografiken.
Foto: Stefan von Gagern

Jeder kennt inzwischen diese unglaublich schicken Infografiken, die aus langweiligen Studien, komplexen Daten oder Sachverhalten eine spannende Geschichte zaubern - die nicht nur super aussieht, sondern sich auch noch in wenigen Minuten lesen und verstehen lässt. Optimal also für viele Zwecke, aber braucht man dafür nicht einen begnadeten Grafiker? Nicht unbedingt, den es gibt so etwas wie Visual.ly. Unter "Create" finden sich dort im typischen Stil der Infografiken fertig gestaltete Vorlagen, die sich mit eigenen Daten füttern lassen. Die kommen aus der Anmeldung bei verknüpften Social Media-Accounts: Zum Beispiel kann visual.ly aus Ihrem Linkedin-Konto einen grafischen Lebenslauf kreieren oder zwei Twitter-Accounts zum Duell antreten lassen. So lassen die Statistiken des Facebook oder Twitter-Auftritts spaßiger und effektvoller präsentieren.

Wenn es nicht nur um Daten aus Social-Media-Accounts geht, hilft ein weiterer Dienst namens Infogr.am. Auch hier stehen hübsch gestaltete Vorlagen bereit, etwas allgemeiner, aber dafür universeller einsetzbar für alle möglichen Geschäftsberichte, Präsentationen und Charts. Die Bedienung ist auch hier selbsterklärend.

HTML5-Website im Baukastensystem

Im "Add"-Menü stecken spannende Dinge, wie zum Beispiel die typischen Funktionen eines Online-Shops.
Im "Add"-Menü stecken spannende Dinge, wie zum Beispiel die typischen Funktionen eines Online-Shops.
Foto: Stefan von Gagern

Von Wordpress & Co. haben Sie sicher gehört - und die Blogplattformen sind auch von Nicht-Webdesignern bedienbar, wie wir schon gezeigt haben, doch es geht noch ein Stück einfacher. Baukastensysteme wie Wix.com bieten gut gemachte Vorlagen für Management, Berater, Foto-Studios und vieles mehr an - und viele davon gratis. Ein Klick auf "Bearbeiten" startet den beeindruckenden HTML5-Editor. Mit simplen Menüs lässt sich zum Beispiel in Minuten eine animierte Diashow auf der Startseite erstellen. Bilder hochladen, Reihenfolge und Dauer bestimmen, fertig. Ebenso leicht lassen sich Seiten, Menüs, Bilder, Texte, Social Buttons, Apps und sogar ein kompletter Webshop mit Produktgalerie, Shopping Cart und allem Zipp und Zapp hinzufügen - wirklich beeindruckend. Auch um die Standardausstattung wie Google-Optimierung, Favicon für die Adressleiste im Browser und Buttons für die Verknüpfung mit Facebook kümmert sich Wix fast vollautomatisch. Das Gleiche gilt für die Veröffentlichung: Einmal Speichern reicht, und die Site ist unter meinname.wix.com/namedersite verfügbar. Wer ein bisschen investiert, kauft sich natürlich noch einen eigenen Domainnamen und weitere Extras dazu. Fazit: Wer keine allzu ausgefeilten und individuellen Speziallösungen braucht, wird mit diesem Baukasten weit kommen.

Farben wie ein Profi auswählen

Designer brauchen oft harmonierende Farben: egal ob für die eigene Homepage, ein Werbebanner, die Einladung zur Firmenparty oder die Gestaltung der neuen App. Wenn noch kein dicker Styleguide für alle Fälle vorliegt, brauchen Sie oft ein Farbschema, also eine Kombination aus ein paar Farben, die nicht nur harmonieren, sondern die richtige Botschaft vermitteln, Stichwort "modern" und "freundlich". Eigentlich ein Designer-Job und eine Wissenschaft für sich.

Aus Fotos lassen sich eigene Muster generieren - oder völlig frei mit einfachen Werkzeugen und Hilfen wie „Moods“.
Aus Fotos lassen sich eigene Muster generieren - oder völlig frei mit einfachen Werkzeugen und Hilfen wie „Moods“.
Foto: Stefan von Gagern

Häufig sind aber Nicht-Gestalter mit diesen Aufgaben betraut - sie greifen dann meist ziemlich planlos in den digitalen Farbtopf. Das muss nicht sein: Der Adobe-Dienst Kuler hilft beim Finden von Farbmustern. Er sammelt populäre und praxiserprobte Kombinationen in der kreativen Adobe-Community, die mit treffenden Namen öffentlich abgespeichert wurden. Mit "Create" lassen sich Muster hier schnell zusammenklicken. Wer es eher monochromatisch braucht, wird ebenso fündig wie Fotografen, die realistische harmonische Farbkombinationen benötigen. Im letztgenannten Fall genügt bereits der Upload eines Bildes, um durch Kuler automatisch Farbmuster ableiten zu lassen. Das Tool pickt die Farben aus dem Foto heraus und verändert sie je nach gewünschter Stimmung mit "Moods". Wer sich mit einem kostenlosen Adobe-Account anmeldet, kann die Farbschemata dann direkt als Swatch-Datei, also Palette für Photoshop und andere Adobe-Programme, herunterladen. Ebenso möglich ist die Verwendung der HTML-Farbwerte innerhalb einer Wordpress- oder Wix-Website - hier genügt es dann, die Werte einfach abzutippen und an anderer Stelle wieder einzupflegen.

Soundtracks oder Loops komponieren

Die Performance, also jede Veränderung an irgendwelchen Knöpfen, lässt sich mit dem roten Record-Knopf aufnehmen.
Die Performance, also jede Veränderung an irgendwelchen Knöpfen, lässt sich mit dem roten Record-Knopf aufnehmen.
Foto: Stefan von Gagern

Oft braucht man einen Soundloop oder Hintergrundmusik für die Website, das Firmenvideo oder Präsentationen. Gute Musik kostet aber meist, lizenzfreie Werke sind oft zu beliebig. Wer nicht mit Gema oder Online-Rechten ins Schlingern kommen möchte, kann sich eines simplen "Tricks" bedienen: einfach selbst komponieren. Das schaffen heutzutage sogar völlig unmusikalische Anwender - zumindest, solange sie sich mit elektronischen Klängen anfreunden können. Ein Werkzeug für Einsteiger ist die kostenlose Online-Music-Workstation audiotool.com. Mit "Launch App" startet die Arbeitsumgebung und bietet auf Wunsch verschiedene Vorlagen. Weiter geht es mit Mischpult, Drummaschine, Effekten und Synthies, die nur auf den ersten Blick abschrecken mögen. Es genügt schon, auf den Play-Knopf am unteren Fensterrand zu klicken und ein wenig an den verschiedenen Knöpfen zu drehen, um mit etwas Glück ein nettes Musikstück zu zaubern, das mit "Creative Commons" oder anderen Lizenzen veröffentlicht (und als MP3) heruntergeladen werden darf. Nett: Es lassen sich natürlich auch "Creative Commons"-Stücke anderer Nutzer herunterladen und in Form von Remixes weiterverarbeiten.

Logos gestalten

Der Logoeditor ist sehr einfach zu bedienen.
Der Logoeditor ist sehr einfach zu bedienen.
Foto: Stefan von Gagern

Ein gutes Logo ist viel wert und sollte wenn irgendwie möglich von einem Profi gestaltet werden. Wer aber schnell einen coolen Schriftzug für eine App, eine Microsite oder einen Entwurf beliebig anderer Art benötigt (oder sich einfach keinen Logo-Designer leisten kann), kann sich auch ein Web-Tool wie Logotypemaker als Helfer ins Boot holen. Die Logo-Maschine spuckt auf Knopfdruck Firmenlogos im modernen App und Web-2.0-Stil mit schicken Verläufen und Icons aus.

Beim Klick auf "Generate Logo" erzeugt die Site Firmenlogos nach dem Zufallsprinzip. Unter "Examples" finden sich Vorlagen, die sich über "Modify & Download" in den Editor zum Anpassen laden lässt. Wer lieber bei Null beginnt, wählt den "Logo Generator", gibt den Namen seines Unternehmens an, stellt die Farben für die Hintergründe ein und bearbeitet nötige Symbole. Auch hierfür gibt es verschiedene Vorlagen aus Themengebieten wie "Industrial" oder "Internet".

Mit einem Klick können die Logos dann für den Download exportiert werden. Einige sind kostenlos zu haben - für ausgefeiltere, die sich beispielsweise aus den vorgestalteten Templates speisen, werden Gebühren fällig. Mit rund 20 Euro für eine Lizenz samt druckfähiger Exportdatein sind aber auch diese noch sehr günstig. Fazit: Logotypemaker kann sicher keinen fähigen Logodesigner ersetzen, spuckt aber für viele Anlässe brauchbare Qualität in Sekunden aus - das Logo für die kommende Weltmarke können Sie aber natürlich nicht erwarten. (sh)