Web to Host

08.05.1998

Da vielerorts der Web-Browser als universelles Zugangssystem verstanden wird, wollen Mainframe-Anwender auch ihre Rechnerboliden ins Internet integrieren. So ist es möglich, diese Systeme besser in die Abwicklung der Geschäftsprozesse einzubinden. Jeder Benutzer eines Web-fähigen PCs oder Netzcomputers ist dann in der Lage, auf Mainframe-Daten zuzugreifen. Dadurch erschließen sich neue Benutzergruppen sowohl innerhalb der Organisation als auch außerhalb, etwa bei Kunden oder Partnerunternehmen.

Die Einführung von Web-Techniken macht die DV-Landschaft homogen. Daten und Anwendungen sind über das standardisierte Netzprotokoll TCP/IP sowie die Seitenbeschreibungssprache Hypertext Markup Language (HTML) zugänglich. Außerdem läuft Java-basierte Software auf einer Vielzahl von Computersystemen.

Seitens der Anwender erhöht sich die Akzeptanz durch die einheitliche Oberfläche des Web-Browsers. Gleichzeitig wird neuen Mitarbeitern der Einstieg erleichtert, und das Unternehmen muß weniger für Schulungsmaßnahmen ausgeben. Der wohl größte Vorteil dürfte jedoch die Integration und Konsolidierung der Informationen auf heterogenen Systemen sein.

Ein Unternehmen muß sich entscheiden, ob lediglich die terminalorientierte Benutzerführung auf den Web-Client übertragen oder ob der Mainframe ins Internet integriert werden soll. Tools gibt es sowohl für die reine Emulation eines Host-Terminals als auch für die Integration. Über eine "GUI-fizierung" erhält der Web-Benutzer ein WWW-typisches grafisches User-Interface (GUI) zum Host. Statt Funktionstasten auf einem Terminal-Keyboard zu drücken, klickt der Anwender mit der Maus auf Schaltflächen, die der Großrechner dann entsprechend interpretiert.

Wünscht ein Unternehmen die vollständige Einbindung des Großrechners ins Internet oder Intranet mittles Objekttechniken wie Corba oder DCOM, muß die Altanwendung modular sein. Ein monolithisches Cobol-Programm mit 300000 Codezeilen läßt sich nicht per Objektkapselung in die Neuzeit überführen. Hier muß die Anwendung abgeändert oder sogar neu entwickelt werden. Da viele dieser Applikationen ohnehin wegen des Jahr-2000-Problems auf dem Prüfstand stehen, bietet sich dazu eine gute Gelegenheit.