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Web-Content-Management - ein zweiter Frühling naht

17.02.2006
Die Analysten von Forrester Research erwarten, dass Anbieter komplexer WCM-Pakete wie Vignette oder Interwoven mit einem Comeback rechnen können.

Mit den Entwicklungen im Markt für Web Content Management (WCM) haben sich die Marktforscher von Forrester Research beschäftigt. Sie gehen davon aus, dass auf Produktebene ein Generationswechsel bevorsteht. Viele Unternehmen hätten heute einfache, billige und funktional unzureichende Teillösungen im Einsatz, die oft auf Open-Source-Programmen basierten. Diese Firmen seien zunehmend daran interessiert, nun für kommerzielle Produkte Geld auszugeben. Dahinter verbirgt sich die Hoffnung, Kundenbedürfnisse besser adressieren und Multichannel-Aktionen adäquat unterstützen zu können. Profitieren dürften Anbieter wie Vignette (siehe: "Vignette schreibt schwarze Zahlen und wechselt den CEO") und Interwoven, die ihre WCM-Architekturen in den vergangenen Jahren modernisiert haben.

Auch die Notwendigkeit, gesetzliche Vorgaben im Sinne der diversen Compliance-Richtlinien (Sarbanes Oxley, Basel 2 etc.) einzuhalten und rechtliche Risiken zu mindern, wird Unternehmen laut Forrrester zu den ausgereifteren Lösungen greifen lassen (siehe: "Vier WCM-Produkte im Test"). Bislang wurden im Zusammenhang mit Compliance vor allem der E-Mail-Verkehr und die Aufbewahrung von Dokumenten thematisiert. Ab diesem Jahr dürfte das anders werden: Unternehmen müssen nachweisen können, was auf ihrer Site wann und von wem publiziert wurde. Produkte wie Vignettes "Web Capture" können dabei helfen.

Forrester erwartet, dass sich die Anbieterlandschaft im WCM-Markt mit steigendem Interesse an diesen Produkten ändern wird. Microsoft und IBM könnten derzeit lediglich Basisprodukte liefern (siehe: "IBM bringt Content Management für den Mittelstand" und "Microsofts Wege im Content-Management"), Oracle habe hier noch gar nichts zu bieten. Mit Zukäufen würden diese Anbieter ihre Produktlücken füllen. Kandidaten für eine Übernahme seien etwa Day Software, FatWire oder Tridion.

Einen weiteren Trend sieht Forrester darin, dass Webdesign-Büros und Anbieter von WCM-Software enger zusammenrücken werden. Bislang war es so, dass Webagenturen das Design der Sites übernommen und die Implementierung ihrer Vorschläge weitgehend den IT-Abteilungen der Kunden oder anderen Dienstleistern überlassen hätten. Unternehmen hätten oft nicht bekommen, was sie erwarteten, außerdem habe es bei der Implementierung oft Probleme gegeben. Nun suchten sie nach ganzheitlichen Lösungen: Softwarehaus und Webdesigner sollen zusammenarbeiten, damit die Website kundengerecht gestaltet und die Inhalte überzeugend herübergebracht werden.

Forrester weist weiter darauf hin, dass WCM-Anbieter Social-Networking-Technologien wie Weblogs, RSS oder Wikis in künftigen Lösungen stärker berücksichtigen werden. Diese Techniken seien für Unternehmen von zunehmend wichtiger Bedeutung, wenn es darum gehe, Kunden-Feedback zu sammeln und mit der Klientel in Kontakt zu kommen. Auf der Basis solcher Daten könnten etwa Multichannel-Marketing-Initiativen zielgenauer angelegt werden.

Wer das Geld für große WCM-Suites nicht erübrigen kann, wird nach Einschätzung der Marktforscher zu On-Demand-Lösungen (Software as a Service) greifen. Deshalb hätten Anbieter wie Clickability, CrownPeak Technology, iUpload und WebSideStory gute Chancen, doch auch größere Anbieter dürften schon bald ihre Hosting-Päckchen schnüren. (hv)