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Web-Agentur Blue Pier (ehemals Divine Deutschland) ist insolvent

22.06.2004

Auch der sechste Namenswechsel seit 1993 hat der Web-Agentur Blue Pier GmbH, ehemals bekannt als Divine Deutschland, Marchfirst, US Web, CKS oder Digital World, wenig geholfen: Der Hamburger Internet-Dienstleister beantragte am Donnerstag vergangener Woche die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Das Unternehmen hatte erst im November 2003 von Namen der ehemaligen US-Muttergesellschaft Divine abgelegt und sich in Blue Pier GmbH umbenannt. Mit der Umfirmierung wollte Geschäftsführer Thomas Notemann den "abschließenden Schritt der Neuausrichtung vollziehen", nachdem man bereits im Juli in einem Management-Buyout die Anteile am Unternehmen von der insolventen Divine Inc., Chicago, übernommen hatte. Mit ins Boot stieg dabei der strategische Partner C1 Group als Mehrheitsgesellschafter. Neben der C1 Group und Notemann beteiligten sich auch weitere führende Mitarbeiter des Unternehmens an Blue Pier.

Die neue Ära nach zehn Jahren in der Internet-Branche, die Blue-Pier-Chef Notemann damals euphorisch ausrief, dauerte indes nicht lange. Zwar konnte das Unternehmen prominente Klienten wie Audi, Lexus oder Lufthansa vorweisen. Wie Marketing-Direktor Sebastian Sauter auf Anfrage der COMPUTERWOCHE erklärte, kam das Geschäft aber trotz guter Gespräche mit potenziellen Neukunden, insbesondere im Bereich Content-Management, nicht so richtig in Schwung: So seien 2003 gerade einmal 6,5 Millionen Euro Einnahmen erwirtschaftet worden. Im laufenden Jahr zeichne sich zudem ab, dass das für 2004 anvisierte deutliche Wachstum ausbleiben wird. Blue Pier entschloss sich daher, die Kostenstruktur der Umsatzentwicklung anzupassen. Da eine dafür erforderliche Kapitalerhöhung der Gesellschafter (C1 Group und Management-Team) jedoch nicht zustande kam, blieb als letzter Ausweg nur der Gang zum Insolvenzrichter.

Als gebranntes Kind der New Economy wirft das Unternehmen die Flinte aber nicht gleich ins Korn: Laut Sauter laufen seit Donnerstag nachmittag Gespräche mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Burckhardt Reimer über eine mögliche Restrukturierung von Blue Pier. Die Bestandskunden wurden bereits über die neue Situation informiert. Alle laufenden Projekte werden uneingeschränkt fortgeführt, so das Unternehmen. (mb)