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IT-Branche wird von Rezession eingeholt

"Web 2.0" im Überlebenstest

17.12.2008
Was waren das für schöne Visionen: Schnelle Internet-Verbindungen überall auf kleinen, leistungsstarken Geräten als Massenmarkt. Unzählige nützliche Dienste im "Web 2.0".

Neue Geschäftsmodelle durch boomende Online-Werbung. Filme und Spiele in hoher Auflösung auf großen Fernsehgeräten fürs breite Publikum. Kurzum, eine vernetzte, schnelle, verbraucherfreundliche digitale Welt für alle. Der Boom schien unaufhaltsam, selbst als die Finanzkrise die Banken schon in den Würgegriff nahm.

Doch als aus dem Beben auf dem US-Immobilienmarkt eine weltweite Rezession wurde, fingen spätestens im Herbst auch die IT-Visionen an, auf breiter Front zu bröckeln. Lauter Große der High-Tech-Welt - ob Intel, AMD oder Sony - mussten reihenweise die Absatzprognosen stutzen, der Handy-Weltmarktführer Nokia sogar zweimal binnen nur drei Wochen. Hinzu kamen Pläne für immensen Stellenabbau. Die Höhepunkte: 16.000 Jobs bei Sony, 12.000 beim US-Telekomriesen AT&T.

Der Bodycount bei TechCrunch läuft gnadenlos.
Der Bodycount bei TechCrunch läuft gnadenlos.

Der Branchendienst TechCrunch, der akribisch mitzählt, sah kürzlich die Marke von 100.000 Arbeitsplätzen erreicht, die von mehr als 300 Unternehmen gestrichen werden. Und während bei den Riesenkonzernen der Verlust auch tausender Mitarbeiter nur ein paar Prozent ausmacht, braucht manches Web-2.0-Start-up nur drei, vier Leute zu feuern, um schon die Belegschaft halbiert zu haben.

Die Start-ups, als Wegbereiter der neuen Internet-Ökonomie gefeiert, waren als erste dran. Risiko-Kapitalgesellschaften wurden in der Finanzkrise knauseriger, Unternehmen kürzten ihre Werbeausgaben, ob in alten Medien oder im Internet. Entlassungen und Geschäftsaufgaben in Serie waren die Folge. "Get real or go home", forderte der renommierte Technologie-Investor Sequoia Capital im Oktober wenig diplomatisch seine Schützlinge auf. Frei übersetzt: Wacht auf oder es ist aus.

Ob Computer, Server, Handys, Fernseher oder Spielekonsolen - überall schwächt sich das Wachstum ab. Und 2009 wird, wie es aussieht, kein gutes Jahr. Das Problem: Verbraucher und Unternehmen halten in der Konjunkturkrise ihr Geld zusammen - sofern sie noch welches haben. Was nicht unbedingt sein muss, wird nicht gekauft. Das Marktforschungsunternehmen IDC erwartet, dass sich das Wachstum der IT-Ausgaben halbiert. In konkreten Zahlen: Dem Markt würden dadurch 35 Milliarden Dollar entzogen.

Die Handy-Hersteller bereiten sich nun darauf vor, bis zu fünf Prozent Geräte weniger zu verkaufen als in diesem Jahr. Es wäre das erste Schrumpfen des Marktes seit 2001 - und eigentlich erst das zweite überhaupt. Beim PC-Absatz rechnet IDC 2009 nur noch mit einem weltweiten Wachstum von 3,8 Prozent - bei einem Umsatzrückgang von 5,3 Prozent. 2007 waren die Verkäufe noch um satte 15 Prozent gestiegen.

Bei den Computern prescht die neue Klasse der sogenannten Netbooks in den Markt vor - Mini-Notebooks zum Preis zwischen 200 und 400 Euro. Eine neue Geschäftsmöglichkeit, freuen sich die Hersteller einerseits. Doch zugleich verdienen sie mit einem solchen Billiggerät trotz aller Preisstürze bei den Bauteilen deutlich schlechter als mit klassischen Computern. (dpa/tc)