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Web 2.0 für Verstorbene ist der letzte Schrei

18.10.2007
Von pte pte
Soziale Netze unter Lebenden sind passé - nun werden die verblichenen Vorfahren ins digitale Mitmach-Web gehoben. Investoren freut es, Website-Betreiber und Nachkommen auch.

Der ökonomisch irrational anmutende Run der Finanzinvestoren auf die Internetbranche treibt neue Blüten. Wie die Salt Lake Tribune berichtet, hat die Private-Equity-Gesellschaft Spectrum Equity Investors die Mehrheit an der Ahnenforschungsseite Ancestry.com gekauft. Die Investoren legen für den Großteil des nicht börsennotierten Unternehmens rund 300 Millionen Dollar auf den Tisch. "Angesichts der starken Performance der vergangenen 18 Monate und der rosigen Zukunftsaussichten war es nun an der Zeit verschiedene Optionen zu prüfen", erklärt Tom Sullivan, Chef der Ancestry-Mutter The Generations Network. Mit dem Deal habe das Unternehmen den maximalen Wert für seine Aktionäre herausgeholt. Im vergangenen Jahr hat The Generations Network einen Umsatz von 150 Millionen Dollar erwirtschaftet. Zum Gewinn hüllt sich das Unternehmen, das rund 500 Mitarbeiter beschäftigt, aber in Schweigen.

Ancestry.com zählt zu den größten Vertretern einer Branche, die in den vergangenen Monaten das Interesse zahlreicher Internetuser angezogen hat. Der Ahnenforschungs-Dienstleister ermöglicht es, in einer gewaltigen Datenbank zu forschen und Stammbäume zu erstellen, und verfügt nach eigenen Angaben bereits über fünf Milliarden eingetragene Namen. Ein Teil der Datenquellen ist gratis zugänglich, für andere muss der Nutzer zahlen. Seit Anfang der Woche hat Ancestry zusätzlich einen DNA-Test im Angebot, mit dem genealogische Verbindungen aufgedeckt werden können.

In Deutschland ist The Generations Network seit einem Jahr mit der Website Ancestry.de aktiv. Dort ist es etwa möglich, in Hamburger Passagierlisten von Auswandererschiffen zu recherchieren oder die Volkszählungsdaten von Mecklenburg-Schwerin von 1819 bis 1900 einzusehen. Die deutsche Website habe sich bereits gut etabliert und trage kräftig zum weltweiten Wachstum bei, zeigt sich Brett Bouchard, Chef von The Generations Network in Deutschland, überzeugt.

"Was in den USA beinahe zum Volkssport avanciert ist, ist auch hier mittlerweile ein extrem populäres Thema geworden", sagt Ancestry-Sprecher Reinhardt Altmann gegenüber pressetext. Dabei sei das Thema für die breite Masse interessant - auch für junge Menschen, so Altmann. Seit dem Deutschland-Start kann Ancestry.de auf 70.000 Familienstammbäume und 1,7 Millionen Namen verweisen. Zum Vergleich: Rund um den Globus hat Ancestry seit der Einführung neuer Familienstammbaum- und Community-Tools Ende Juli 2006 nach eigenen Angaben drei Millionen neue Stammbäume und 275 Millionen neue persönliche Profile registriert. (pte)