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Web 2.0: Chancen und Risiken für die Musikbranche

22.01.2007
Die Musikindustrie hofft, den Boom der neuen Web-Portale in klingende Münze umzuwandeln. Häufig müssen Gerichte Überzeugungsarbeit leisten.

Das Phänomen Web 2.0 als "Internet zum Mitmachen" zieht hunderte Millionen Menschen in seinen Bann. Nun hofft die Musikbranche auf "Musik 2.0" und klingelnde Kassen mit den Internetmassen. Der Boom von Web-Portalen wie YouTube und MySpace könnte die krisengeschüttelte Plattenindustrie beflügeln, wenn sie nur Geld dafür bekommen würde, dass Nutzer in ihren Internet-Privatvideos millionenfach urheberrechtlich geschützte Songs verwenden. "Derzeit werden weltweit pro Monat zehn Milliarden selbstproduzierte Videos von Internetnutzern abgespielt. Die meisten davon enthalten Musik, für die wenigsten fließen allerdings Lizenzgebühren an Plattenfirmen oder Verlage", sagte Michael Downing, Geschäftsführer des US-Portals GoFish am Samstag auf dem Branchentreff Midemnet Forum in Cannes.

"Es gibt rund 200 größere solcher Mitmach-Webseiten, aber nur eine Hand voll bezahlt für die Musik, die die Nutzer in ihren eigenen Videos einsetzen." Dazu gehört auch YouTube, das ebenso wie GoFish einen Vertrag mit dem Plattenriesen Universal geschlossen hat, wie Larry Kenswil von der Web-Abteilung des Labels erläuterte. "Wir stellen den YouTube-Nutzern unsere Aufnahmen zur Verfügung. Diese können damit ihre eigenen Videos unterlegen oder sie bearbeiten. Für die Nutzer ist das kostenlos, YouTube zahlt direkt an uns."

Ein Problem sei allerdings die Kontrolle der Inhalte der Laien-Videos. "Wir können technisch sehr genau feststellen, welcher Song wo verwendet wird. Es gibt aber derzeit keine funktionierende Technik, Videos auf verbotene Inhalte wie Kinderpornografie zu scannen", sagte Downing. Gerade erst haben vier US-Familien, deren minderjährige Töchter nach Kontaktaufnahmen über MySpace sexuell missbraucht wurden, die Internet-Plattform verklagt. "Und diese Unsicherheit bei den Portalen schreckt häufig auch potenzielle Sponsoren und werbetreibende Firmen von größeren Engagements ab", sagte Downing. Allerdings funktioniere die Internetgemeinschaft selbst sehr gut als Filter und Kontrolleur, meinte Mika Salmi, beim Musiksender MTV zuständig für digitale Inhalte: "Unsere Nutzer weisen uns häufig auf illegale oder moralisch anstößige Inhalte hin. Der überwiegende Anteil will selbst nicht mit solchen Dingen in Berührung kommen."

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