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Was wird aus UnitedLinux?

26.09.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das United-Linux-Konsortium, im Mai 2002 mit dem Ziel gegründet, eine standardisierte Linux-Distribution auf den Markt zu bringen, verhält sich in letzter Zeit außerordentlich still, obwohl nicht zuletzt aufgrund der drei-Milliarden-Dollar-Klage seitens SCO gegen IBM lautere Töne zu erwarten wären.

Marktforscher stellen nun die Frage nach der Zukunft der Organisation, die von Suse, Turbolinux, Connectiva und SCO ins Leben gerufen wurde, zumal SCO bereits seit Mai dieses Jahres die Entwicklungsarbeit im Rahmen des Konsortiums eingestellt hat (Computerwoche online berichtete).

Suse, Connectiva und Turbolinux warten ab, bis der Streit zwischen SCO und IBM entschieden ist, glaubt IDC-Analyst Dan Kusnetzky. Hinter den Kulissen entwickeln die drei Distributoren jedoch weiter. Das bestätigte Joseph Eckert, der für Suse die United-Linux-Aktivitäten koordiniert. Die technischen Projekte werden demnach fortgeführt. Der Rückzug SCOs aus der Zusammenarbeit beeinflusse die Arbeiten kaum.

Der Eindruck, UnitedLinux verhalte sich ruhig, wäre auch ohne die SCO-Aktionen entstanden, sagte Eckert. Dies habe damit zu tun, dass mit dem Erscheinen der UnitedLinux-Version 1.0 im November 2002 und der Zertifizierung durch Hersteller wie Hewlett-Packard, IBM und Oracle die meisten Arbeiten an der Standardisierung abgeschlossen wurden. Nun beschränke sich die Rolle des Konsortiums auf Support und Wartung. Außerdem sei sicherzustellen, dass Zertifizierungen aktualisiert werden. Die Kooperation habe von vornherein vorgesehen, dass Suse solche Aufgaben erledigt.

Es sei deswegen verfrüht, darüber zu spekulieren, ob sich UnitedLinux auflösen werde, so Eckert. Zunächst werde angestrebt, bis Mitte 2004 die nächste Version des Betriebssystems herauszubringen. Danach könne man eventuell über die Zukunft des Konsortiums beraten. Suse werde die standardisierte Linux-Distribution in jedem Fall weiter unterstützen.

Anwender wie Joe Pool, Technischer Direktor der US-Handelskette Boscov´s zeigen sich wenig besorgt: "Solange sich Suse um das System kümmert, ist alles in Ordnung." Boscov´s setzt in einigen Bereichen "Suse Enterprise Server 8" ein und plant, einen z900-Mainframe im Zuge eines "WebSphere-Commerce"-Upgrades auf UnitedLinux zu migrieren. (lex)