IBM verhandelt mit Sun

Was wird aus Java, MySQL und StarOffice?

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Sun Microsystems unterhält ein breites Softwareportfolio, das sich nach einer Fusion mit IBM-Systemen überschneiden würde.

Sollte IBM den Konkurrenten Sun Microsystems übernehmen, wäre auch die Zukunft etlicher Softwareprodukte ungewiss (siehe auch: "IBM kauft sich die Macht im Server-Geschäft").

An der New Yorker Technologiebörse Nasdaq firmiert Sun Microsystems unter dem Kürzel JAVA. Der Name kommt nicht von ungefähr. Das Management der Kalifornier will damit die Bedeutung der eigenentwickelten und inzwischen weltweit verbreiteten Programmiersprache unterstreichen. Doch trotz der hohen Akzeptanz schaffte es Sun nie, den Erfolg in klingende Münze zu verwandeln. IBM könnte dies möglicherweise besser gelingen, mutmaßen Analysten. Der IT-Konzern gehört seit jeher zu den bedeutendsten Unterstützern von Java und ist einer der großen Treiber im Java Community Process. Trotzdem hat Sun Microsystems bisher das letzte Wort, da Java sein geistiges Eigentum ist. Mit dem Zukauf würde IBM die Kontrolle gewinnen. Das könnte anderen Softwareanbietern wie Oracle oder SAP durchaus sauer aufstoßen.

In der Diskussion um die Programmiersprache wird indes leicht übersehen, dass die in der Branche gerne als Java-Company bezeichnete Technikschmiede Sun eine ganze Reihe weiterer Softwareprodukte für Unternehmenskunden offeriert, die zum Teil mit IBM-Systemen in Konkurrenz stehen. Dazu gehören vor allem Infrastrukturprodukte wie der Application Server Glassfish oder die Java Composite Application Platform Suite (Java CAPS) für Service-orientierte Architekturen (SOA). Unterm Strich offeriert Sun einen kompletten Middleware-Stack, der direkt mit IBMs breitem Websphere-Portfolio konkurriert. Gleiches gilt für Directory-, Identity-Management- und diverse Softwareentwicklungs-Tools.

Geteiltes Echo in der Java-Szene

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass der Deal in der Java-Community ein geteiltes Echo findet. Einige Entwickler befürchten etwa, dass IBM Suns NetBeans IDE (Integrated Development Environment) nicht ausreichend unterstützen und stattdessen das eigene Eclipse-basierende Toolkit bevorzugen könnte. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten würde es aus Sicht von IBM kaum Sinn geben, zwei einschlägige Entwicklungsumgebungen zu pflegen, lautet ein oft vorgebrachtes Argument.