Enterprise-Features

Was Windows 8 für den Business-Einsatz bietet

10.02.2013 | von 
Eric Tierling
Eric Tierling, Master in Information Systems Security Management (Professional), blickt auf über 25 Jahre Erfahrung im IT-Bereich zurück. Neben Hunderten an Fachbeiträgen hat er über 50 Bücher veröffentlicht. Er ist Spezialist für Themen rund um die Informationssicherheit sowie einer der bekanntesten Experten Deutschland für Windows Server und Microsoft-basierte Infrastrukturen.
Schon in der Betaphase ließ Microsoft keinen Zweifel daran, dass Windows 8 zunächst einmal ein Betriebssystem für Privatanwender sei. IT-Verantwortliche fragen sich nun, ob und warum sie das System auf dem Schirm haben müssen.
Windows To Go, das bootfähige Live-Betriebssystem, ist eines der Business-Highlights des Windows-7-Nachfolgers – aber nur aus Windows 8 Enterprise heraus erstellbar.
Windows To Go, das bootfähige Live-Betriebssystem, ist eines der Business-Highlights des Windows-7-Nachfolgers – aber nur aus Windows 8 Enterprise heraus erstellbar.
Foto: Microsoft

Microsoft hat in den vergangenen Jahren manches deutlich bewusster als früher gemacht und dabei stark auf die Außenwirkung geachtet. Das zeigte sich jetzt auch während der Entwicklung von Windows 8: Die erste öffentlich verfügbare Betaversion, die am 29. Februar 2012 erschien, trug nicht zufällig die Bezeichnung "Consumer Preview". Schon damals fragten sich aufmerksame Beobachter, wie es denn um eine mögliche "Business Preview" stehe oder ob Unternehmen das Nachsehen hätten. Inzwischen ist es Gewissheit: Mit Windows 8 zielt Microsoft in erster Linie auf den Consumer ab, um der Tablet-Konkurrenz Paroli zu bieten und Kunden von Alternativen im Windows-Gewand zu überzeugen.

Die richtige Edition nutzen

Für Windows To Go hat Microsoft bisher nur schnelle USB-3.0-Sticks von Kingston...
Für Windows To Go hat Microsoft bisher nur schnelle USB-3.0-Sticks von Kingston...
Foto: Kingston

Bei oberflächlicher Betrachtung scheint Windows 8 für den Geschäftsalltag in der Tat kaum etwas zu bringen. Auf den zweiten Blick offenbart sich aber an mancher Stelle, dass Windows 8 auch für Unternehmen die eine oder andere interessante Funktion aufweist. Wie viele Business-Features Windows 8 jedoch im Gepäck hat, ist maßgeblich eine Frage der Edition: Sie entscheidet darüber, was das Betriebssystem kann und was nicht.

Grundlegende Geschäftsfunktionen bietet Windows 8 Pro, der Nachfolger von Windows 7 Professional und Ultimate. Diese Edition unterstützt den Domänenbeitritt, die zentrale Konfiguration über ActiveDirectory-Gruppenrichtlinien sowie die BitLocker-Laufwerksverschlüsselung für Festplatten und Wechseldatenträger. Mit Windows 8 Pro ausgestattete stationäre oder mobile PCs sind daher für den Arbeitsalltag rudimentär gerüstet.

Client-Hyper-V

... und von Super Talent freigegeben. Andere Sticks unterstützt das Unternehmen offiziell noch nicht.
... und von Super Talent freigegeben. Andere Sticks unterstützt das Unternehmen offiziell noch nicht.
Foto: Super Talent

Außerdem ist die Virtualisierungstechnik Hyper-V in Windows 8 Pro bereits enthalten. Während das für normale Benutzer untergeordnete Bedeutung hat, kann dieses Merkmal für Administratoren, Entwickler und Techniker ein echtes Plus (beispielsweise zum Austesten von Konfigurationen) bedeuten. Denn damit kann der Windows-8-PC als Host agieren, auf dem Gäste in Form von virtuellen Maschinen laufen - ohne dass dazu ein teures Zusatzprodukt wie VMware Workstation 9 zu erwerben ist.

Die Funktionalität dieser "Client-Hyper-V"-Implementierung entspricht weitgehend der von Windows Server 2012, was die Mitnahme sowie den Austausch virtueller Maschinen erleichtert. Beim Funktionsumfang kann die Client-Implementierung von Hyper-V jedoch nicht mit der marktführenden Konkurrenz von VMware mithalten. Wer beispielsweise auf eine USB-Unterstützung für Gäste angewiesen ist, muss auf Client-Hyper-V verzichten und stattdessen zu VMware Workstation 9 greifen - das bei Verwendung von Windows 8 als Gast-Betriebssystem sogar die Verwendung von USB 3.0 unterstützt.

Generell auf Client-Hyper-V verzichten muss derjenige, dessen PC-Prozessor die neuere Hardwaretechnik SLAT (Second Level Address Translation) nicht beherrscht - eine Systemanforderung, die Windows Server 2012 Hyper-V übrigens nicht stellt. Unter Umständen muss also ein neuer Desktop- oder Notebook-PC gekauft werden, um Hyper-V auf einem Windows- 8-PC einsetzen zu können. Oft ist es da einfacher und preiswerter, VMware Workstation 9 anzuschaffen.

Windows 8 Enterprise

Wer alle Business-Features nutzen möchte, die Microsoft für den Windows- 7-Nachfolger vorgesehen hat, muss zur Windows 8 Enterprise Edition greifen. Nur darin sind Funktionen wie Direct Access zum VPN-losen Remote-Zugriff, das für den Zweigstellen-einsatz interessante BranchCache sowie AppLocker zur Einschränkung der Ausführung von Client-Anwendungen enthalten.

Außerdem lassen sich bislang nur mit Windows 8 Enterprise die mit Windows Server 2012 eingeführten Remote-Desktop-Neuerungen nutzen. Allen voran ist an dieser Stelle die RemoteFX-Unterstützung für WAN-Verbindungen zu nennen. Sie ermöglicht es, grafikintensivere Anwendungen auch über Verbindungen mit geringer Bandbreite und hoher Latenz zu verwenden. Die Multitouch-Unterstützung innerhalb von RemoteDesktop-Sitzungen - vorausgesetzt, der Windows 8-PC ist mit entsprechendem Eingabegerät ausgestattet - steht ebenfalls nur in dieser Edition zur Verfügung.

Unternehmen, die auf eines dieser Merkmale Wert legen, kommen also nicht umhin, Windows 8 Pro außen vor zu lassen und gleich zur Enterprise-Variante zu greifen.Genau das macht Microsoft seinen Kunden jedoch gar nicht so leicht. Denn Windows 8 Enterprise steht ausschließlich Unternehmenskunden zur Verfügung, die mit Microsoft ein Volumenlizenzabkommen geschlossen und zusätzlich die "Software Assurance" gewählt haben.