Was Technikchefs erwarten

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Mit Programmierkenntnissen und speziellem Tool-Know-how lässt sich der Technikchef eines Softwarehauses nicht mehr beeindrucken. Er erwartet von Mitarbeitern konzeptionelles Denken, Verständnis für Prozesse und Wissen um IT-Architekturen.

Die Ansprüche sind hoch: "Wir stellen fast nur noch Hochschulabsolventen ein", sagt Achim Weiß, Technikvorstand der 1&1 Internet AG in Montabaur. Selbst für die eigentliche Programmierung kämen Quereinsteiger kaum noch in Frage - allenfalls für die Systemwartung und das Verfassen von Skripts.

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  • warum sich die Chancen der Quereinsteiger in der Softwareentwicklung so verschlechtert haben;

  • worauf Technikchefs von Softwarehäusern besonderen Wert legen;

  • welche Karriereperspektiven sich für Programmierer anbieten.

Ähnlich äußert sich René Gawron, Geschäftsführer von Software Quality Services (SQS), einem Unternehmen, das sich auf das Testen von Software spezialisiert hat. "Für die Jahr-2000- oder die Euro-Umstellung waren die Unternehmen nicht wählerisch, das konnte man mit Umschülern problemlos machen", blickt er zurück. "Heute aber sind andere Qualifikationen notwendig. Softwareentwickler müssen in der Lage sein, die Entwicklung so zu gestalten, dass Fehler erst gar nicht auftreten." Qualität resultiere nicht nur aus der Umsetzung, sondern fange beim Design an, so Gawron.

Achim Weiß, 1&1: 'Die Leute müssen das Produkt im Ganzen verstehen und konzeptionelle Arbeit leisten können.'
Achim Weiß, 1&1: 'Die Leute müssen das Produkt im Ganzen verstehen und konzeptionelle Arbeit leisten können.'

Gefragt sind deshalb Grundlagen und Methodenwissen und besonders die Fähigkeit und Bereitschaft, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten. "Wir suchen vor allem Hochschulabgänger mit einem IT-Abschluss mit dem Schwerpunkt Programmierung, am liebsten aus dem Java-Umfeld", sagt 1-&-1-Vorstand Weiß. Die Fähigkeit zum Programmieren reicht aber bei weitem nicht mehr aus, um in der Softwareentwicklung erfolgreich zu sein. Das reine Programmieren wird zunehmend ausgelagert, denn das reine Codieren wird weniger. "Die Softwareprodukte werden immer komplexer und die Entwickler müssen mehr können als das Codieren von Quellcode." 1&1 etwa unterhält für die Programmierung eine Filiale in Bukarest. Von seinen hiesigen Mitarbeitern erwartet Weiß mehr: "Die Leute müssen das Produkt im Ganzen verstehen und konzeptionelle Arbeit leisten können."

Georg von der Ropp, sd&m: 'Entwickler brauchen Verständnis für Prozesse und sollten sich mit IT-Architekturen auskennen.'
Georg von der Ropp, sd&m: 'Entwickler brauchen Verständnis für Prozesse und sollten sich mit IT-Architekturen auskennen.'

Georg von der Ropp, Mitglied der Geschäftsleitung beim Münchner Software- und Beratungshaus sd&m, sieht das ähnlich: "Softwareentwickler brauchen vor allem Sinn für Prozesse, sie müssen die gesamte Anwendungslandschaft verstehen und sich gut mit IT-Architekturen auskennen." Auch sein Unternehmen betreibt eine Niederlassung mit 50 Mitarbeitern in Polen, die die Codierarbeiten übernehmen. Die Fähigkeit zum Programmieren, darauf legt von der Ropp Wert, sei allerdings auch in Deutschland unverzichtbar. "Softwareentwicklung ist elementar - ohne gründliche Erfahrung geht es nicht. Man muss das schon selbst gemacht haben, um beurteilen zu können, welche Ziele überhaupt erreichbar sind, und um Projektziele und -laufzeiten einschätzen zu können." Seit etwa zwei Jahren beobachtet auch von der Ropp wieder eine zunehmende Nachfrage nach Entwicklern. "Nach dem Hype standen viele Unternehmen bei ihrer Personalpolitik auf der Bremse. Die jetzige verstärkte Nachfrage hat eine breite Basis und geht über alle Branchen."