Web

 

Was Sie schon immer über Quartalsberichte wissen wollten ...

20.07.2001
... und sich nie zu fragen trauten, sprechen die Analysten inzwischen offen an. Sie fühlen sich offenbar von vielen Unternehmen verschaukelt, die zunächst ihre Quartalsprognosen senken, um diese dann wiederum bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse zu übertrumpfen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - ... und sich nie zu fragen trauten, sprechen die Analysten inzwischen offen an. Sie fühlen sich offenbar von vielen Unternehmen verschaukelt, die zunächst ihre Quartalsprognosen senken, um diese dann wiederum bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse zu übertrumpfen. Fest das Ziel vor Augen, eine positive Analystenbeurteilung zu kassieren oder eine Schlagzeile nach dem Muster "Firma XYZ übertrifft Erwartungen" zu generieren.

Nach Angaben von First Call/Thomson Financial zählt es zu den so genannten positiven Überraschungen, wenn eine Firma den Analystenkonsens zum Zeitpunkt der Ergebnisveröffentlichung übertrifft - unabhängig davon, ob das Unternehmen seine Prognosen erst kurz zuvor gesenkt hat. Allerdings sehen das die Marktexperten inzwischen sehr kritisch. "Die Berichte der in dem Standard&Poors-Index geführten IT-Firmen haben allgemein die Analystenschätzungen übertrumpft, aber meistens nur deshalb, weil sie durch Vorabwarnungen die Erwartungen gebremst haben", erklärte Merrill-Lynch-Strategin Christine Callies in einem Schreiben an Kunden. "Wenn ein Unternehmen die Latte tiefer legt, das Ergebnis aber unter dem des vergleichbaren Vorjahresquartals liegt, dann ist es kein Held, nur weil es die Erwartungen übertroffen hat", kommentierte ein anderer Marktexperte.

Noch verwirrender wird es nach Meinung der Analysten, wenn Firmen den Akzent auf ihre Pro-Forma-Ergebnisse legen, die mehrere Sonderbelastungen und Abschreibungen verschiedener Art ausklammern. Dadurch lese sich die Summe unterm Strich positiver. Als eines der prominentesten Beispiele nennen viele den Halbleiterhersteller Intel, der im zweiten Fiskalquartal einen Gewinn von zwölf Cent je Aktie veröffentlichte, während die Analysten mit zwei Cent weniger gerechnet hatten. Ein Cent sei dabei jedoch wegen der geringeren Steuerrate von 20 Prozent gewonnen worden, während die Marktforscher in ihren Prognosen von 30 Prozent ausgegangen waren. Nur deshalb sei es Intel gelungen, den Analystenkonsens zu übertreffen, erklärte ein Sprecher von SG Cowen Securities.

Aufgrund der inzwischen weit verbreiteten Praxis von Erwartungssenkungen kommen die Marktexperten zunehmend davon ab, die Zahlen mit den First-Call-Umfragen zu vergleichen. "Wir untersuchen jetzt Trends und weniger die Gewinnerwartungen", erklärte ein Analyst. "Wir sind weniger überempfindlich gegenüber den Prognosen und konzentrieren uns jetzt auf die Gesundheit des Unternehmens."