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Was passiert mit Cabletron?

07.06.1999
Neuer CEO Patel im Interview

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Unmittelbar nach Bekanntwerden des Rücktritts von Cabletron-CEO Craig Benson am vergangenen Freitag (CW Infonet berichtete) hatte die CW-Schwesterpublikation "Computerworld" die Möglichkeit zum Interview mit seinem Nachfolger Piyush Patel. Der einstige Chef der 1997 von Cabletron geschluckten Company Yago Communications will das Unternehmen künftig stärker auf die Breitbandkommunikation (Kabel, DSL) hin ausrichten und den "Routing Switch" mit Servern zu einem Web-Hosting-Paket kombinieren. Außerdem wolle Cabletron verstärkt beim Policy Based Networking aktiv werden. Auf die Frage, ob sich das Unternehmen auch weiterhin vornehmlich als Hersteller von Netzwerk-Ausrüstung sehe, erklärte Patel: "Wir haben zwar in der Vergangenheit viel in die Hardware-Entwicklung gesteckt, wollen aber mittelfristig in den Bereichen

Netzwerk-Management und Service expandieren. Dazu suchen wir Partner, die auf Basis unseres ´Spectrum´-Pakets Anwendungen entwickeln. Außerdem denken wir an die Übernahme oder zumindest eine Mehrheitsbeteiligung an einer Service-Company, um hier eine kritische Masse zu erreichen."

Mancher Analyst betrachtet den Führungswechsel bei Cabletron allerdings mit ganz anderen Augen. "Benson ist ein klassisches Beispiel für einen Firmenchef, der das Ruder zu lange nicht abgeben will", meint etwa Charles Rutstein von Forrester Research gegenüber dem Brancheninformationsdienst "Computerwire". "Benson an der Spitze war eines der letzten Hindernisse für einen Verkauf von Cabletron." Selbst aus dem Unternehmen kommen Töne in diese Richtung. Robert Travis, Director of Analyst Relations, verwies auf die Tatsache, daß Ericsson, Nokia und auch der deutsche Siemens-Konzern sich allesamt noch nicht mit einer Company aus dem Bereich der Datenkommunikation verstärkt hätten, "obwohl sie bis Ende des Jahres in diesen Markt hinein müssen".