Was Mittelständler für Mitarbeiter tun

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen finden Ausnahmefirmen kreative und glaubwürdige Lösungen, um ihre Mitarbeiter zu motivieren.

"Personalarbeit ist schön, solange es dem Unternehmen gut geht." Das klang schon fast resignativ, was Christian Scholz, Personal-Management-Experte und Betriebswirtschaftsprofessor an der Universität Saarbrücken zu Beginn der Verleihung des Best Pers Award 2006 sagte. Dieser Preis zeichnet die mittelständischen Unternehmen mit der besten Personalarbeit aus. 39 Firmen wurden in diesem Jahr in einer vergleichenden Studie auf ihre Aktivitäten in Sachen Personal-Management geprüft (siehe Kasten "Best Pers Award 2006"). Die Betriebe wurden unter anderem nach den Kriterien Personalbeschaffung, Kommunikation, Vergütung, Vision und Strategie, Personalentwicklung, - führung und -einsatz sowie Work-Life-Balance bewertet.

Hier lesen Sie ...

  • was erfolgreiche Mittelständler in puncto Personalarbeit auszeichnet;

  • wo eine Vergleichsstudie der Universität Saarbrücken Schwächen sieht;

  • welche Unternehmen überdurchschnittlich gute Arbeit geleistet haben.

Christian Scholz, Universität Saarbrücken: 'Sobald es um Entlassungen geht, sind alle tollen Instrumente, die sich Personaler ausdenken, vergessen.'
Christian Scholz, Universität Saarbrücken: 'Sobald es um Entlassungen geht, sind alle tollen Instrumente, die sich Personaler ausdenken, vergessen.'

Der Saarbrücker Wissenschaftler beobachtet eine Professionalisierung der Personalarbeit, fügte aber in Walldorf, wo die Preise verliehen wurden, auch gleich hinzu: "Sobald es um Entlassungen geht, sind alle tollen Instrumente, die sich Personaler ausdenken, vergessen."

Defizite bei der Personalersatzplanung

Scholz ist überzeugt, dass die große Herausforderung aller Human-Resource-Manager, also nicht nur derer aus kleinen Betrieben, die Personaleinsatzplanung sein wird. Dass es in diesem Punkt Defizite gebe, zeigen ihm die immer häufigeren Entlassungen. "Kommt der Auftrag, werden neue Leute eingestellt, ist er abgearbeitet, müssen wieder ein paar gehen." Das müsse sich besser organisieren lassen, das sei ein "Feld, da können alle was tun".

Obwohl laut seiner Benchmark-Untersuchung Mittelständler in einigen Punkten wie etwa der Entlohnung nicht so gut abschneiden (siehe Tabelle "Wo Mittelständler gut sind"), will er vor allem anhand positiver Beispiele zeigen, was kleine Unternehmen in Sachen Personalarbeit leisten können und dass es ein Vorurteil sei, dass nur die Großen mit viel Geld tolle Mitarbeitermotivations-Programme auflegen könnten.

Best Pers Award 2006

Der Best Pers Award ermittelt jährlich, welche mittelständischen Firmen gute, also "stimmige" Personalarbeit praktizieren und wie sie im Vergleich zu ihren Wettbewerbern dastehen. Mitmachen können Unternehmen mit bis zu 5000 Mitarbeitern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Teilnahme ist kostenlos. Der Startschuss für die nächste Runde fällt im März 2006. In der Jury sitzen Personalprofis wie Christian Scholz, Betriebswirtschaftsprofessor und Personal-Management-Spezialist an der Universität Saarbrücken, Monika Rösler, Vorstandsvorsitzende der PPM AG, Commerzbank-Personalchef Bernhard Heye sowie Werner Fröhlich, Professor an der Donau-Universität in Krems.

Gesamtsieger des Wettbewerbs 2006 wurden die Vereinigten Sparkassen im Landkreis Weilheim. Platz zwei belegten die Multimedia Solutions GmbH, eine Tochtergesellschaft der T-Systems, und die DDS, Dresdner Direktservice GmbH. Platz drei wurde nicht vergeben. Alle drei Gewinner schnitten in sämtlichen Bewertungskategorien von der Personalbeschaffung bis hin zu Vision und Strategie gut ab. In den einzelnen Kategorien wurden ebenfalls Preise verteilt. Dabei fielen vor allem Vertreter der Dienstleistungsbranche positiv auf.

So lobt er den Sieger in der Kategorie "Entlohnung", die T-Systems Multimedia Solutions GmbH, dafür, dass sie "mit einem fairen und transparenten System der Leistungserfassung sowie -bewertung" arbeite. Eine Leistungsbeurteilung finde für alle Mitarbeiter, inklusive Manager, statt. Darüber hinaus würden die Zielvereinbarungen systematisch kontrolliert und beinhalteten finanzielle und sonstige Konsequenzen.

Guter Draht zum Betriebsrat

Das Mitarbeitergespräch und die IT-gestützte Personalverwaltung gehören bei vielen Mittelständlern zum Standard Schwächen gibt es eher in der Entlohnungspolitik und in der Organisation des Mitarbeitereinsatzes.
Das Mitarbeitergespräch und die IT-gestützte Personalverwaltung gehören bei vielen Mittelständlern zum Standard Schwächen gibt es eher in der Entlohnungspolitik und in der Organisation des Mitarbeitereinsatzes.

Besonders zufrieden ist der Professor mit den Fortschritten in puncto Kommunikation und Computerisierung. Im ersten Fall bedeutet dies, dass die Unternehmen die klassischen Instrumente wie das Mitarbeitergespräch, aber auch die neuen wie Intranet und E-Mail gut in die Personalarbeit integriert haben. Der diesjährige Sieger in dieser Kategorie, Tele Atlas, Entwickler von Autonavigationssystemen, legt Wert auf eine Politik der offenen Türen und der "All Hands Meetings", in denen Mitarbeiter immer von höchster Stelle über alle wichtigen Entwicklungen informiert werden. Stolz ist Personalerin Isabell Krone auch auf den guten Draht zum Betriebsrat, mit dem sie Kompromisse auch zu schwierigen Themen aushandelt, etwa wenn es darum geht, den Tarif mittelstandsfreundlich auszulegen.

Was den Computereinsatz im Personalwesen angeht, haben die meisten Kleinen die wichtigsten Prozesse automatisiert. So geben fast alle Teilnehmer an, dass ihre Lohn- und Sozialverwaltung IT-gestützt läuft, über 80 Prozent betreiben die Fehlzeitenkontrolle und die Arbeitszeitverwaltung am Computer. Es fällt auf, so Scholz, dass Betriebe sich nun stärker den Themen IT-gestützte Leistungsbeurteilung und Personal-Controlling widmen. Der Spartensieger wird allerdings erst im März auf der Cebit bekanntgegeben.