Sourcing-Strategie

"Was man in der Cloud macht ist anders als in der traditionellen IT"

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Alles aus der Cloud zu beziehen ist genauso wenig sinnvoll wie die Cloud komplett außen vor zu lassen. Werner Schutheis, Director IT bei Randstad Deutschland, ermuntert seine CIO-Kollegen, genau hinzusehen, was die Provider besser können und was nicht. Außerdem weist er auf ein paar Stolpersteine hin.

CW: Wie beurteilen Sie als Kunde das Thema Cloud im Licht der "NSA-Affäre"?

Schultheis: Diese Vorfälle haben Unternehmen und private Anwender gleichermaßen aufgeschreckt. Derzeit herrscht einige Unsicherheit. Aber davon abgesehen ist Cloud Computing ein nach wie vor interessanter Gedanke. Und der Markt dafür wird über kurz oder lang wieder deutlich wachsen.

Aufgrund seiner Praxiserfahrung und dedizierten Ansichten ist Randstad-CIO Werner Schultheis einer der Beiräte des diesjährigen "Sourcing Day", den die COMPUTERWOCHE am 5. Juni in München veranstaltet.
Aufgrund seiner Praxiserfahrung und dedizierten Ansichten ist Randstad-CIO Werner Schultheis einer der Beiräte des diesjährigen "Sourcing Day", den die COMPUTERWOCHE am 5. Juni in München veranstaltet.
Foto: Randstad

CW: Ein interessanter Gedanke, aber auch ein neuer?

Schultheis: Neu ist vor allem die Vielzahl der unterschiedlichen Services auf der Hardware-, Netzwerk- und Anwendungsebene. Es geht nicht mehr nur darum, Rechenleistung oder den Betrieb einer Applikation, sondern die gesamte Unterstützung für einen Prozess von außen zu beziehen. Und nach Spezialanbietern wie Salesforce.com steigen jetzt auch die großen Provider in das Cloud-Geschäft ein. Ein immenser Unterschied liegt auch in der Beziehung zwischen Abnehmer und Anbieter: Früher fragten die Kunden bei den Providern an, ob diese eine bestimmte Leistung übernehmen wollten. Heute kommen die Anbieter von selbst und suchen Kunden für ihre Services.

CW: Das ist eine neue Situation für den Einkauf. Und wie ändert sich die Situation für die IT durch das Cloud Computing?

Schultheis: Zunächst einmal kommt der Druck hier aus dem Business. Und die IT muss diesem Druck standhalten. Ihre Rolle besteht darin, zu analysieren, wo der Mehrwert einer Geschäftsanwendung liegt und ob er durch Cloud Computing erhöht werden kann. Wenn die Antwort darauf ja lautet, die Cloud-Anwendung also einen Wettbewerbsvorteil bringt, dann sollte das Unternehmen diese Chance nutzen. Falls aber die eigene Lösung besser ist, dann sollte sie vor dem Wettbewerb geschützt und unter eigener Regie weiterbetrieben werden.

CW: Was für Lösungen sind denn das?

Schultheis: In vielen Unternehmen gibt es Prozesse, die das angebotene Produkt oder den Service am Markt differenzieren und einen hohen Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens haben. Dies gilt dann natürlich auch für die Anwendungen, die diese unterstützen. Ich nenne sie Kernprozesse. Ihnen gegenüber stehen die Support-Prozesse, die nicht wettbewerbsentscheidend sind. Die kann ein externer Anbieter meist effektiver abbilden, weil sie für ihn Kernprozesse sind.

CW: Wie kann ein IT-Bereich den Unterschied zwischen beiden zweifelsfrei feststellen?

Schultheis: Die Unterschiede sind keineswegs immer offensichtlich. Dafür braucht man schon ein tiefes Wissen um die Unternehmensprozesse und deren Wertbeitrag. Zudem lassen sich die Support-Prozesse auch nicht von heute auf morgen von eigenen Anwendungen auf Cloud-Applikationen umstellen. Das muss man vielmehr planen. Man muss wissen, wohin die Reise geht und man braucht eine Roadmap.

CW: Welche Kompetenzen sind dafür notwendig?

Schultheis: Was man in der Cloud macht, ist anders als das, was man aus der traditionellen IT gewohnt ist. Davon ist das gesamte Team betroffen. Es geht nicht nur darum, Best-of-Breed-Lösungen zu finden, sondern auch darum, sie zusammenzufügen. Dafür sind also Analyse- und Architekturkompetenzen notwendig. Wie tief soll man integrieren? Wie organisiert man die Datenhaltung, damit nicht an unterschiedlichen Stellen widersprechende Informationen gespeichert werden? Solche Fragen gewinnen an Bedeutung.

CW: Das gehört wohl zur viel zitierten Cloud-Readiness des Unternehmens.

Schultheis: Cloud-Readiness geht noch einen Schritt weiter. Sie betrifft das Zurverfügungstellen von Anwendungen im Ganzen. Es geht darum, den Mitarbeitern die von ihnen benötigten Anwendungen an jedem Punkt innerhalb oder auch außerhalb des Unternehmens auf jedem Endgerät zur Verfügung zu stellen. Die Barrieren dafür müssen so niedrig wie möglich sein - auch wenn es sich um kritische Anwendungen handelt.

CW: Inwieweit machen Sie sich Gedanken um die rechtliche Seite?

Schultheis: In der Public Cloud ist das immer ein Thema. Wir müssen halt zusehen, dass sich die Provider an die Vorschriften halten, seien es die EU Model Clauses oder die deutschen Bestimmungen zur Auftragsdatenverarbeitung. Wenn die Cloud-Anbieter künftig noch Geld in Europa verdienen wollen, müssen sie solche Voraussetzungen erfüllen. Außerdem sollten wir IT-Recht in unseren Rechtsabteilungen implementieren.

CW: Und wie gehen Sie mit der "Schatten-IT" sowie dem ByoD-Thema um?

Schultheis: Schatten-IT kann man nur direkt beim User verhindern. Dazu ist gute Aufklärung notwendig. Außerdem zäumen wir das Pferd von der richtigen Seite auf, indem wir den Anwendern alle Arbeitsmittel inklusive der mobilen Devices zur Verfügung stellen.

Sourcing Day: 5. Juni in München
Sourcing Day: 5. Juni in München