Linux, Apache, Eclipse

Was kostet Open Source?

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
An der Frage, wie sich Kosten und Nutzen quelloffener Software messen lassen, scheiden sich die Geister.

Praxisbeispiele für Einsparungen durch Open-Source-Software gibt es genug. Schon seit Jahren gehen Anbieter wie Novell, Red Hat oder IBM mit einschlägigen Erfolgsgeschichten auf Kundenfang. Doch nur selten erläutern die gerne zitierten Referenzanwender, wie sie beim Ermitteln der Kosten- und Nutzeneffekte vorgegangen sind. Allzu oft bleibt es bei allgemeinen Angaben zu den tatsächlichen oder auch nur erwarteten Kostenvorteilen.

Kostenvergleiche binden Ressourcen und sind deshalb oft nicht besonders beliebt, sagt Carlo Velten von der Experton Group.
Kostenvergleiche binden Ressourcen und sind deshalb oft nicht besonders beliebt, sagt Carlo Velten von der Experton Group.

Die Gründe für diese Zurückhaltung sind vielfältig: "Kostenvergleiche binden Ressourcen und sind deshalb oft nicht besonders beliebt", beobachtet Carlo Velten von der Experton Group. Viele Unternehmen gäben sich mit dem Argument zufrieden, dass mit Open-Source-Systemen die Lizenzkosten wegfielen. Dem Management genüge dies häufig als Rechtfertigung für einen Einsatz. In Großunternehmen mit einem professionellen IT- und Lizenz-Management stellten Kostenanalysen in der Regel ein geringeres Problem dar.

Ein Patentrezept für fundierte Kostenbetrachtungen gibt es nicht. Dafür sind die Einsatzszenarien und die vorhandenen IT-Strukturen in den Unternehmen zu unterschiedlich. Gartner-Analyst Phil Dawson verweist auf eine Reihe von Problemen, die IT-Verantwortliche dabei lösen müssten: "In der Praxis werden oft Äpfel mit Birnen verglichen", so seine Einschätzung. Beispielsweise setzten Unternehmen häufig viele verschiedene Open-Source-Komponenten ein. Damit verbunden sind unterschiedliche Nutzungs- und Lizenzmodelle, die genau geprüft werden müssten. Das treibe den Aufwand für seriöse Kalkulationen in die Höhe.

Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Organisationen gemischte IT-Umgebungen aus quelloffenen und Closed-Source-Produkten aufbauen. Das amerikanische Marktforschungs- und Beratungshaus Saugatuck Technology sieht in solchen "Mixed-Source"-Szenarien ein großes Wachstumspotenzial. Open-Source-Software hält demnach immer stärker Einzug in traditionelle IT-Systeme der Anwender. Ähnliches gelte für Softwarelösungen kommerzieller Anbieter, die ebenfalls Open-Source-Komponenten enthalten. Diese "versteckte Präsenz" quelloffener Software führe zu einer allmählichen Veränderung der Unternehmens-IT insgesamt.