CeBIT

Was jetzt Banken in der Krise machen müssen

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Trotz Liquiditätsproblemen und unsicherer Märkte dürfen Finanzhäuser nicht untätig bleiben. Ein besserer Vertrieb und systematisches Risiko-Management sind Gebot der Stunde.

Dies forderten jetzt IBM-Experten auf der CeBIT. Um die Finanzkrise zu überleben oder gar von ihr profitieren zu können, müssen Banken ihr Geschäftsmodell (Target Operating Model) überdenken, die aktuellen Probleme im Kosten-, Liquiditäts- und Finanz-Management angehen sowie ein leistungsfähiges Risiko-Management aufbauen, skizzierte Eckhard Bilitewski. Leiter Financial Services Industry Business Development bei IBM, die Kernprobleme der Branche.

Man dürfe sich nicht nur um die unmittelbaren Folgen der Finanzkrise und den damit verbundenen steigenden gesetzlichen Anforderungen kümmern, sondern auch Entwicklungen wie die fortschreitende Globalisierung und Industrialisierung sowie die Nachhaltigkeit des eigenen Geschäfts (Green IT, Reputations-Management) einbeziehen.

Die Finanzkrise, die Bilitewski als Folge eines "systemisches Fehlverhaltens" bezeichnet, habe gezeigt, dass es bei Banken einen akuten Nachholbedarf bei der Risikominimierung gebe. Dieser betreffe vor allem:

  • In der fehlenden organisatorischen Umsetzung von Risiko im Target Operating Model;

  • Im langsamen und ungenauen Meldewesen;

  • Der mangelhaften Datenqualität und Data Governance;

  • Der fehlenden Transparenz und Redundanz in Organisation und Anwendungen;

  • Signifikanten Lücken im Operational Governance;

  • Der Anpassungsfähigkeit an neue regulatorische Anforderungen.

Laut Bilitewski habe zudem die institutsübergreifende Kontrolle versagt. Risiken seien auf der Ebene der Zentralbanken nicht ausreichend bei den Zentralbanken erfasst und konsolidiert, Risikofaktoren nicht korreliert worden. "Es fehlen ein globale Frühwarnsystem und globale Standards für Risiko-Reporting und Meldewesen." Der IBM-Manager forderte daher den Aufbau übergreifender Lösungen, die mit Hilfe etablierter Risiko-Management-Methoden makroökonomische Zusammenhänge erfassen helfen und den an ihnen beteiligen Instituten Handlungsempfehlungen geben könnten (weitergehende Informationen zum Risiko-Management finden Sie hier).

Voraussetzung sei aber eine standardisierte und konsolidierte Datenbasis, die heute aber oft auch innerhalb der Unternehmen noch fehle. Bisher sei das Risiko-Management von den Banken sehr unterschiedlich und angegangen worden. Abteilungsübergreifende Lösungen gibt es praktisch nicht. Ebenso fehlen Prozesse, um die Auswertungen und Kennzahlen aus dem Risiko-Management in das operative Geschäft einzubinden (im letzten Jahren hatten beispielsweise Controller eine engere Zusammenarbeit mit dem Risk-Management vorgeschlagen).