Weniger Fachwissen, mehr Management

Was IT-Manager im Mittelstand können müssen

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Weg von Bits und Bytes, hin zum Manager mit strategischen Aufgaben, so definieren Personalexperten das zukünftige Job-Profil eines IT-Leiters in mittelständischen Unternehmen.

Die Position des EDV-Leiters verschwindet in vielen Firmen. Vorbei sind die Zeiten, in denen die IT-Abteilungen in mittelständischen Unternehmen in einem abgelegenen Gebäudetrakt untergebraucht waren und hauptsächlich an den Rechnern ihrer Kollegen schraubten, neue bestellten und alle paar Jahre einen besseren Drucker installierten. Heute rückt in vielen mittelständischen Firmen die IT-Mannschaft zum strategischen Business-Partner auf. Ihr Chef sitzt bei allen wichtigen Besprechungen mit am Tisch. Ganz egal ob ein neues ERP-System eingeführt wird oder eine Software, mit der sich Geschäftsprozesse vereinfachen lassen, die Projektleitung für diese Themen übernimmt meistens die IT-Abteilung.

Jürgen Rohrmeier, Personalberater sowie Senior Partner und Mitglied des Vorstandes der Pape Consulting Group in München.
Jürgen Rohrmeier, Personalberater sowie Senior Partner und Mitglied des Vorstandes der Pape Consulting Group in München.
Foto: Pape Consulting Group

Kein Wunder, dass sich auch die Stellenbeschreibung eines IT-Leiters immer mehr verändert. "Idealerweise sind IT-Leiter heute Teil der erweiterten Geschäftsleitung", sagt Jürgen Rohrmeier, Personalberater sowie Senior Partner und Mitglied des Vorstandes der Pape Consulting Group in München. Gerade in kleineren, mittelständischen Firmen berichten die leitenden IT-Manager oftmals direkt an den Geschäftsführer. Rohrmeier unterteilt das Anforderungsprofil von Kandidaten in drei Säulen. Wer eine solche Position anstrebt, sollte umfassende fachliche, persönliche und soziale Kompetenzen mitbringen. "Bewerber sollten über mehrjährige Berufserfahrung verfügen sowie fundiertes Fachwissen erworben haben." Dazu zählt der Spezialist beispielsweise Kenntnisse über ERP-Systeme, Server-Architekturen oder auch Projekt-Management-Erfahrung und Verhandlungsgeschick.

Gerade mittelständische Anwenderunternehmen, deren Geschäftsfeld nicht die IT ist, brauchen IT-Leiter, die verständlich und mit einfachen Worten erklären können, was beispielsweise der Nutzen einer Software ist und weshalb ein ERP-System die Abläufe im Unternehmen beschleunigt. "Auch Service- und Kundenorientierung sind im Mittelstand entscheidend, denn vielen Firmen wachsen und internationalisieren ihr Geschäft", beobachtet Rohrmeier. Damit steigen auch die Anforderungen an die Kandidaten. Zu den persönlichen Stärken eines IT-Leiters zählt der Berater auch, dass fachliche Aspekte mehr in den Hintergrund rücken und Bewerber stattdessen bereit sein sollten, Führung- und Management-Aufgaben zu übernehmen.

Systematische, auf den Mittelstand zugeschnittene Weiterbildungsangebote gibt es nur wenige. Einige Bachelor- und Master-Studiengänge führen zwar den Begriff "Mittelstand" im Titel, doch Stephan Pfisterer, Bereichsleiter Bildung und Personal beim Branchenverband Bitkom in Berlin, hält solche Angebote für die Ausnahme. "Manche mittelständische Firmen integrieren in ihren Personal-Entwicklungsprogrammen auch Managementkurse für ihre angehenden Führungskräfte, doch viele buchen solche Kurse erst, wenn sie sich auf Führungsaufgaben vorbereiten", erläutert Pfisterer. Gerade Management-Wissen lasse sich gut nach dem Baukastenprinzip in unterschiedlichen Modulen berufsbegleitend erarbeiten. Dagegen entscheiden sich die wenigsten für einen Master als Vorbereitung auf die Führungsaufgaben. "Meistens fehlt dafür schlichtweg die Zeit. Mit gezielten Kursen lassen sich Lücken gut schließen", sagt Pfisterer.

Der IT-Leiter als Eigengewächs

Das Recruiting von IT-Führungskräften erfolgt im Mittelstand oft in den eigenen Reihen. "Viele IT-Leiter sind Eigengewächse der Unternehmen", beobachtet Personalberater Ulf Andresen von HSC Personal-Management aus Hamburg. "Viele kommen aus der Anwendungsentwicklung und sind ausgesprochene Spezialisten", so der Direktor des Deutschlandgeschäfts von HSC und Leiter des Competence Center Consulting. Die Nähe zum Tagesgeschäft bewahren viele dieser Manager, auch wenn sie Führungsaufgaben übernehmen. "Oftmals sind die Ressourcen in der IT-Abteilung begrenzt und ein IT-Leiter muss selbst mitarbeiten", so Andresen. Doch darin bestehe für viele Kandidaten auch der besondere Charme des Jobs. Viele möchten sich nicht von der Technik verabschieden, darüber hinaus aber auch Personal- und Budget-Verantwortung übernehmen.

Auch Andresen weiß von Anfragen mittelständischer Firmen, die viel Wert auf die fachliche Qualifikation der Bewerber legen, sowie ein möglichst breit angelegtes Wissensprofil fordern. Gerade wenn es um neue Technologien und IT-Lösungsszenarien für das Unternehmen geht, erwarten Mittelständler, dass sie die IT-Profis im eigenen Haus umfassend beraten können. Selbstständig Themen auf die Agenda des Unternehmens setzen und Impulse für IT-Strategien liefern, auch das wird von IT-Managern erwartet. Deshalb sollten IT-Leiter beides können, nämlich die eigene Passion für Technik pflegen, gleichzeitig aber auch in der Lage sein, den Nutzen dieser Errungenschaften für die IT-Laien und Entscheider im Unternehmen verständlich zu erklären. Schließlich agieren Mittelständler pragmatischer und kostenbewusster. Technische Spielereien haben keinen Platz, vielmehr soll das Unternehmen davon profitieren.

Argumente für bessere Geschäftsprozesse liefern

Sich und seine Ideen präsentieren und vermarkten nennt Rohrmeier deshalb als eine wichtige Qualität eines IT-Leiters. Gerade wenn es in strategischen Gesprächen mit der Geschäftsleitung um IT-Kompetenzen geht, brauchen Kandidaten diplomatisches Fingerspitzengefühl. "Ich empfehle IT-Managern, nicht mit IT-Argumenten in die Verhandlungen zu gehen und keinesfalls zu forsch oder besserwisserisch aufzutreten?, sagt Rohrmeier, der auch als Coach arbeitet. Gerade wenn die Informationstechnologie nicht das Kerngeschäft des Unternehmens ist, sondern Mittel zum Zweck, sollten IT-Leiter sich in ihrer Argumentation an den Geschäftsprozessen orientieren. "IT-Leiter sollten nicht zu Feature-verliebt sein und stattdessen den Nutzen der Technik in den Mittelpunkt stellen", empfiehlt der Personalberater.

IT-Entscheider mit Mut zum Risiko

Ulf Andresen von HSC Personal-Management.
Ulf Andresen von HSC Personal-Management.
Foto: HSC Personal-Management

Umfassendes Wissen erwarten die Arbeitgeber von ihren IT-Managern auch im Arbeitsalltag. "Während in einem Konzern Aufgaben wie Sales und Delivery-Management von unterschiedlichen Abteilungen bearbeitet werden, kann es sein, dass in mittelständischen Firmen ein IT-Leiter durchaus den Verkauf unterstützen und gleichzeitig Projekte leiten muss, mit denen die Lieferkette optimiert werden soll", erklärt Andresen. Der Hamburger Headhunter nennt noch weitere Aspekte des Job-Profils eines IT-Manager im Mittelstand. "Geeignete Kandidaten zeichnen sich durch Entscheidungsfreude sowie eine gewisse Risikobereitschaft aus. Das kann auch mal heißen, sich im Sinne des Unternehmenserfolges über Instanzen hinwegzusetzen. Ein IT-Manager im Mittelstand sollte mutig sein und sich mit einer Entscheidung auch mal aus dem Fenster lehnen", erläutert Andresen. Zu den Aufgaben zählt oftmals auch das Controlling, denn gerade mittelständische Firmen gelten als kostenbewusst.

IT-Manager statt EDV-Leiter

Rohrmeier sieht die Position eines IT-Leiters im Mittelstand vor ganz neuen und interessanten Herausforderungen. Weg vom EDV-Leiter hin zum IT-Manager und strategischen Partner. "Das größte Problem für viele Kandidaten ist es, dass sie bereit sein müssen, sich von der Technik zu lösen und sich mehr auf die Geschäftsprozesse zu konzentrieren." Das setze voraus, dass sie gut qualifizierte IT-Mitarbeiter im Team haben, denen sie vertrauen und die das Tagesgeschäft erfolgreich managen. Dann eröffnen sich auch neue Perspektiven für den IT-Chef. Doch der Münchner Personalberater weiß auch, dass solche Aufgaben erst für größere Mittelständler mit einer eigenen IT-Abteilung mit mindestens zehn Mitarbeitern eine Rolle spielen. In kleineren Firmen heißt es für die IT-Leiter oftmals: Ärmel hochkrempeln.

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