Von der Forschung bis zu HR

Was Industrie 4.0 für einzelne Unternehmensbereiche bedeutet

Ankit Jamwal ist Director bei ISG Germany und leitet den Bereich Engineering Services und Product Lifecycle Management (PLM) in der Region DACH. Zusätzlich beschäftigt er sich mit IoT, Digitalisierung und Software Automation. Er ist ein Outsourcing Pionier, der das Servicegeschäft sehr gut kennt, und gründet seine Expertise auf langjährige Erfahrungen in den Branchen Stromerzeugung, Maschinenbau, Fertigung, Telekommunikation und Pharma.
Inwiefern verändern personalisierte Produkte die Forschung? Muss der CIO auf mehr externe Skills setzen? Welche Jobs fallen weg, welche entstehen neu? Die vierte industrielle Revolution setzt zahlreiche Veränderungen in Gang - und zwar unternehmensweit.

Die dritte Industrielle Revolution war seit Mitte des 20. Jahrhunderts im Wesentlichen durch die „Computerisierung“ der Wirtschaft geprägt. Nun, im Zeitalter der vierten Industriellen Revolution verbinden sich die Konzepte der klassischen Informationstechnik mit sehr schnellen und disruptiven Technologieentwicklungen Beispiele dafür sind das Internet der Dinge, das industrielle Internet, Prozessautomationen mithilfe von Robotern, sich autonom bewegende Fahrzeuge, künstliche Intelligenz, 3D-Drucker, cyber-physikalische Systeme und sogenannte „Wearables“, die untereinander vernetzt sind. Indem diese Technologien beginnen zusammenzuwachsen, sind immer mehr Branchen und Unternehmen von der vierten Industriellen Revolution betroffen.

Dies führt zunächst zu einiger Verwirrung, denn Unternehmen und ihren einzelnen Bereichen stellen sich viele neue und grundlegende Fragen. Welche Unternehmensbereiche sind also betroffen und wie wirkt sich die vierte Industrielle Revolution auf sie aus?

Forschung & Entwicklung

Egal ob in der Medizin oder bei Mobilitätsdienstleistungen – Kunden verlangen nach Personalisierung. Selbst bei Massenprodukten wird eine individuelle Ansprache erwartet. So hat zum Beispiel ein Hersteller von Kaffeemaschinen einen Web-Konfigurator programmiert. Dieser sammelt reale Verkaufsdaten und analysiert sie hinsichtlich der Bereitschaft, wofür Kunden bereit sind mehr zu zahlen. Die Ergebnisse führen dann zu einer stärkeren Anpassung der Produkte an diese Kundenbedürfnisse – mithilfe von 3D-Druckern.

Auch lassen sich angefeuert durch Big Data und eine individualisierbare Massenfertigung aus Kundenpräferenzen neue Produkte und Services generieren. Unternehmen müssen diese neue Art des Denkens in alle Aspekte ihrer Forschung und Produktentwicklung einfließen lassen – sei es bei internen Teams oder bei externen Partnern. In der Tat ist dabei Selbstentwickeln und Selbstmachen nicht immer die richtige Option. Oft müssen externes Know-how und externe Dienstleistungen zugekauft werden, um früher als der Mitbewerb am Markt zu sein. Der richtige Mix aus eigenen Ressourcen und externen Partnern ist deshalb oft erfolgskritisch.

Engineering

In komplexen und miteinander verbundenen Produktionsnetzwerken ist ein bereichsübergreifender und gemeinschaftlicher Engineering-Ansatz ein Muss. Das auf seiner Basis formierte Ökosystem verläuft sowohl entlang der Wertschöpfungskette, als auch quer durch die verschiedenen Produkt- und Kundenlebenszyklen. Da sich Rollen und Schnittstellen der Designer, Service-Provider, Lieferanten und Kunden fortlaufend ändern, wird das Engineering zukünftig nahtlos mit dem Design, der Entwicklung und der Herstellung neuer Produkte und Services verknüpft sein.
Der unmittelbare Austausch wird neue Synergien zwischen der Produktentwicklung und den Produktionssystemen schaffen. Aus technischer Sicht setzt das neue Zusammenarbeitsmodell voraus, dass alle produktionsbezogenen Daten und Informationen jederzeit im gesamten Produktlebenszyklus verfügbar sind.

Fertigung

Um eine nachhaltige Fertigung zu erzielen, verbinden Unternehmen ihre virtuelle und reale Produktion mithilfe von innovativer Software, Automatisierung und Datenintegration. Dies gilt sowohl für die Produktion als auch für Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette. Die Produktionsprozesse und Produktionsautomatisierungen werden als integrierte Prozesse in enger Zusammenarbeit mit den Lieferanten und Partnern gestaltet und in Auftrag gegeben. Eine Erhöhung der Produktionsflexibilität, die wirtschaftliche Produktion kleiner Losgrößen, eine automatisierte Logistik sowie intelligente Maschinen und Produkte helfen dabei, die Markteinführungszeit zu reduzieren und damit Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Auch können zum Beispiel Pumpenhersteller oder andere Maschinenbauer virtuelle Werkzeuge einsetzen, um Produktionsprozesse und den aktuellen Standort einzelner Bauteile kontinuierlich transparent zu machen. Dies wiederum ermöglicht kürzere Lagerzeiten und eine höhere Produktivität.

Inhalt dieses Artikels