Zu lange Lebenszyklen

Was heute ein Smart-TV ist, ist morgen schon dumm

28.11.2012
Smart-TVs werden einer aktuellen Prognose zufolge im Jahr 2017 weltweit in 64 Prozent aller Haushalte stehen.
Fernseher haben zu lange Lebenszyklen, um mit der rapiden technischen Entwicklung Schritt zu halten.
Fernseher haben zu lange Lebenszyklen, um mit der rapiden technischen Entwicklung Schritt zu halten.
Foto: Sony

Doch die neue Funktionsvielfalt durch Netzanbindung wird die Verbraucher kaum erreichen. Mehr als die Hälfte der dann 800 Millionen Smart-TVs würden trotzdem nur als "dumpfe Mattscheibe" genutzt werden, sagte Andrew Ladbrook, Analyst von Informa Telecoms & Media am Mittwoch. Auch wenn die Zahl der mit dem Netz verbundenen Fernsehgeräte steigt, werden sie weiter hinter Geräten wie Spielekonsolen oder Streaming-Boxen wie Apple TV zurückbleiben, schätzen die Marktbeobachter. Einen Grund dafür sieht Ladbrook in den langen Lebenszyklen der Geräte.

"Während jedes 2011 oder 2012 gekaufte Smart-TV einige Jahre für das Streamen von Online-Videos genutzt werden kann, wird ihnen die Prozessor-Leistung und die nötige Hardware am Ende fehlen, um Funktionen zu bieten, die 2015 Standard sein werden." Generell werde jedes in diesem Jahr gekaufte Smart-TV bereits im Jahr 2015 überholt sein. Mit ihren langen Lebenszyklen seien Smart-TVs generell nicht die richtigen Geräte für das Zentrum der digitalen Unterhaltung. Speziell Smartphones mit ihren kurzen Lebenszyklen und rapide wachsender Prozessor-Leistung würden weiterhin definieren, was "Smart" wirlich bedeute.

Weltweit werden in diesem Jahr 54 Millionen Smart-TVs mit Internet-Anschluss verkauft, 2017 dürften es nach Schätzungen von Informa Telecoms & Media über 220 Millionen sein. In fünf Jahren gehen die Beobachter von durchschnittlich 31 Prozent der Haushalte weltweit aus, die ein Smart-TV besitzen. Der Anteil werde in Nordamerika (63 Prozent) und Westeuropa (64 Prozent) deutlich höher liegen.

Der Entwicklung der Smart-TVs stehe weiterhin die Fragmentierung der Plattformen und Standards im Wege. Anwendungen könnnten nicht einfach über verschiedene Geräte hinweg genutzt werden. Und wollen TV-Geräte wirklich "smart" werden, müssten sie mehr bieten als eine Auswahl von Online-Video-Services, sagte Ladbrook. "Stattdessen müssen sie verbesserte Funktionalitäten bieten wie Sprach- und Bewegungssteuerung, neue Werbeformen, attraktive Bedienungen und Zwei-Wege-Kommunikation mit anderen Smart-Geräten - sogenannten zweiten Bildschirmen." (dpa/tc)