Phil Codling, Ovum

Was hat HP mit der Consulting-Unit vor?

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
HP integriert die Outsourcing-Aktivitäten in die von EDS geführte neue Geschäftseinheit. "Aber was geschieht mit den Beratern?", fragt Phil Codling von Ovum.

Phil Codling, Principal Analyst bei Ovum: "Zuallererst: Hut ab vor einer so schnellen und geräuschlosen Aktion. Statt wochenlanger Gerüchte und offizielle Stellungnahmen gab es eine erste Ankündigung der Pläne und eine Bestätigung der Übernahme innerhalb von 24 Stunden.

HP wird EDS unter dem bekannten Namen fortführen und den Standort einer eigens gegründeten Geschäftseinheit am Firmensitz von EDS in Texas betreiben. In diese neue Division bringt HP die eigenen Outsourcing-Aktivitäten ein. Die Leitung übernimmt der bisherigen EDS-CEO Ronald Rittenmeyer. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass HPs Beratungs- und Systemsintegrations-Einheit eigenständig bleibt. Bemerkenswert ist, dass EDS-Consultants nicht in HPs Consulting- and Integration-Unit wechseln. Diese Entscheidung ist HPs produktzentrierter Sichtweise geschuldet. Für den reibungslosen Servicebetrieb wäre jedoch eine enge Zusammenarbeit mit der Outsourcing-Division erforderlich. Daher ist absehbar, dass langfristig entweder HPs Beratungseinheit der neuen EDS-Division zugeschlagen oder eine große Consulting- und Integrations-Einheit entstehen wird. Wie auch immer: Wichtig ist, dass die Mitarbeiter im Integrationsgeschäft nicht die Verbindung zu HPs Hard- und Software-Division verlieren.

Stellenstreichungen sind unausweichlich. Beide CEOs haben in der Vergangenheit die Verlagerung von Arbeitskräften in Niedriglohnländern vorangetrieben (siehe: EDS will 12.000 Mitarbeiter in Frührente schicken). Mit dem nun beginnenden Integrationsprozess steht eine neue Runde bevor. Auch die Konsolidierung von Datenzentren und Niederlassungen dürfte schon bald auf die Agenda rücken.

Für die Kunden ändert sich zunächst einmal wenig. Beide Dienstleister sind erfahren genug, die Servicequalität auch in Zeiten des Umbruchs zu halten. Langfristig können sich deutliche Auswirkungen bemerkbar machen, etwa dann, wenn organisatorische Änderungen wirksam werden und möglicherweise Leistungsträger und Ansprechpartner das Unternehmen verlassen oder die Position wechseln. Um den Merger zum Erfolg zu führen, muss es HP gelingen, wichtige Mitarbeiter zu halten. Interessant für Anwender dürfte zudem die Frage sein, welchen Nutzen sie von dem Zusammenschluss haben. Ohne Zweifel wird HP einiges zu tun haben, Ansprüche der CIOs auf Kundenseite nach angepassten Rahmenbedingungen im Vertrag angemessen zu entsprechen."