Too little, too late?

Was hat das Nokia E7 zu bieten?

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Das gilt auch für Smartphones wie das Nokia E7 - vor ein oder zwei Jahren wäre es noch State of the Art gewesen.

Ein schlechteres Timing kann es wohl kaum für ein Produkt-Launch geben: Nachdem das Nokia E7 auf der Hausmesse Nokia World im September vergangenen Jahres erstmals vorgestellt wurde, verpasste das als Business-Flaggschiff und Nachfolger der Communicator-Serie angepriesene Gerät wegen angeblichen Fertigungsmängeln zunächst das Jahresendgeschäft 2010. Als das Symbian-Smartphone dann endlich lieferbar war, hatte es Nokia-CEO Steven Elop bereits mit seiner Ankündigung, künftig auf Windows Phone zu setzen, endgültig auf das Abstellgleis befördert.

Qualität made in Finland

Doch Moment - nachdem die Finnen zumindest bis auf weiteres Symbian weiterentwickeln und die ersten Windows Phones mit Nokia-Logo nicht vor Jahresende erwartet werden, gebietet es die Fairness, dem Smartphone einen zweiten Blick (und darüber hinaus) zu schenken. Viel Überwindung kostet dies nicht, wie bereits das Consumer-Flaggschiff N8 (Praxistest) ist auch das E7 mit seinem Gehäuse aus eloxiertem Aluminium eine wahre Augenweide und nicht zuletzt sehr hochwertig verarbeitet. Erkennbar ist dies unter anderem - wie bei Autos - an den geringen Spaltmaßen. Wäre das E7 mit 124 mal 62 mal 14 Millimetern Abmessungen nicht etwas größer und mit 176 Gramm auch deutlich schwerer als das N8 (135 Gramm), das Volltastatur-Handy würde glatt als Doppelgänger durchgehen. Damit nicht genug ist der Aufklappmechanismus exakt und scheinbar für die Ewigkeit konstruiert, allerdings muss man den komplizierten Mechanismus erst mal verstehen. Details wie die vierzeilige Tastatur dokumentieren, dass Nokia aus der Kritik am (nur dreizeiligen) N97 gelernt hat. Da mehr Zeichen direkt zugänglich sind, geht das Tippen vergleichsweise zügig von der Hand.

Möglich wurde die zusätzliche Zeile nicht zuletzt durch das größere Gehäuse, welches wiederum dem größeren 4-Zoll-Bildschirm geschuldet ist. Hier hat sich Nokia für einen AMOLED-Touchscreen entschieden, der dank ClearBlack-Technologie auch im Freien und selbst bei prallem Sonnenlicht sehr gut lesbar ist. Leider fiel die Auflösung mit 640 mal 360 Pixel aber relativ klein aus. Dies soll keine Pixelzählerei sein, vergleichbare Geräte mit 4-Zoll-Display haben aber bereits 800 mal 480 Pixel als Standard, wodurch sich Nokia unnötig Minuspunkte einhandelt. Was erschwerend hinzukommt: Auch bei anderen technischen Daten glaubt man nicht, dass sie zu einem über 600 Euro teuren Topmodell aus dem Erscheinungsjahr 2011 gehören. So verbaut Nokia einen mit 680 Megahertz getaktete ARM-11-Chipsatz mit nur 256 MB RAM, während die Konkurrenz bereits Dualcore-CPUs im Gigahertz-Bereich und 1GB Arbeitsspeicher einsetzt. Zugegeben: Die Modelle der Wettbewerber kommen indes aber auch nicht mit einem vergleichsweise mickrigen 1200 mAH-Akku aus - beim E7 reicht dieser trotz starker Beanspruchung mit Ach und Krach einen Arbeitstag.