Macht ausüben oder Einfluss nehmen?

Was gute Führungskräfte auszeichnet

20.01.2014 | von 
Renate Oettinger
Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT.

Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
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Echte Führungspersönlichkeiten sind Leader. Sie wechseln situationsabhängig bewusst zwischen diesen beiden Polen, sagt Tom Schmitt.
Gute Führungskräfte können ihren Führungsstil flexibel an die jeweilige Situation anpassen.
Gute Führungskräfte können ihren Führungsstil flexibel an die jeweilige Situation anpassen.
Foto: Günter Menzl, Fotolia.com

Für die meisten Führungskräfte gilt: Sie haben einen bevorzugten Führungsstil. Entweder neigen sie dazu, ihre Position mit Macht durchzusetzen oder durch ein gezieltes Beeinflussen ihrer Mitarbeiter ihre Ziele zu erreichen. Echte Leader hingegen wechseln situationsabhängig bewusst zwischen diesen beiden Polen. Das Status-Modell erklärt, wie dies geht.

Führungskräfte müssen ihren Kommunikationsstil stets den Erfordernissen der Situation anpassen. Dann erzielen sie die größte Wirkung. Das heißt, sie müssen in gewissen Situationen, die Durchsetzungsstärke und eine gewisse Distanz erfordern, ihren Status bewusst erhöhen, und in anderen Situationen, die Nähe und Glaubwürdigkeit erfordern, ihren Status bewusst senken. Das fällt vielen (unerfahrenen) Führungskräften schwer, weil sie das Status-Spiel nicht beherrschen. Entsprechend gering ist ihre Verhaltensflexibilität.

Das Status-Modell kennt zwei Achsen: Die Beziehungs-Achse mit den Ausprägungen Sympathie und Ablehnung und die Macht-Achse mit Durchsetzungsfähigkeit und Nachgiebigkeit. Quer durch das Modell verläuft die Trennlinie zwischen tieferem und höherem Status. Für beide Positionen gilt: Sie sind stets relativ zu einer anderen Person definiert. Man ist entweder hoch oder tief. Die Position des gleichen Status gibt es nicht. Auch bei der sogenannten Kommunikation auf Augenhöhe ist stets ein, wenn auch minimales, Statusgefälle vorhanden.

Im nächsten Schritt unterscheidet das Status-Modell zwischen innerem und äußerem Status: Wie fühle ich innen und wie stelle ich das nach außen dar? Daraus ergeben sich vier unterschiedliche Dispositionen:

  • Ich fühle innen hoch und spiele außen tief - der Charismatiker.

  • Ich fühle innen hoch und spiele außen hoch - der Macher.

  • Ich fühle innen tief und spiele außen hoch - der Arrogante.

  • Ich fühle innen tief und spiele außen tief - der Teamplayer.

Für (fast) alle Menschen gilt: Sie vereinen alle vier Statustypen in sich - das heißt, sie können in den verschiedenen Situation die entsprechenden Verhaltensmuster zeigen. In sozialen Stress-Situationen tendiert aber jeder zu einem bevorzugten Status. Diesen spielt er unbewusst und scheinbar unausweichlich immer wieder. So lange wir dieses Spiel nicht auf eine bewusste Ebene heben, sind wir schicksalhaft mit diesem Typus verbunden. Er funktioniert wie ein Autopilot, der in sozial schwierigen Situationen automatisch die Führung übernimmt.

Innen und außen = hoch

Jeder Statustyp ist unterschiedlich sympathisch und respektabel. Unter den vier Varianten gibt es

  • eine Haltung, mit der es gelingt, respektiert zu werden und gleichzeitig sympathisch zu sein,

  • eine weitere, die vor allem hohen Respekt garantiert,

  • eine dritte, mit der sich weder Respekt noch Sympathie erringen lassen, und schließlich

  • eine, die hohe Sympathiewerte erzeugt jedoch wenig Respekt einbringt.

Die erste Variante "innen hoch, außen tief" erfordert den größten Einsatz und stellt die höchsten Ansprüche an den "Statusspieler". Der Aufwand trägt jedoch reiche Früchte. Die Haltung innen hoch und außen tief bedeutet: "Ich weiß, was ich will und verfolge meine Ziele geschickt und diplomatisch. Ich übe Einfluss aus!".

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