Flexibilität, Offenheit und Kommunikationsfähigkeit

Was ein CIO können muss

Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
IT-Verantwortlicher zu sein ist nicht einfach. Wie Leadership in der Zukunft aussehen kann, erzählt CIO Rainer Göttmann von Metafinanz im Interview.

Die Rolle des CIO verändert sich von allen Entscheiderpositionen wohl am stärksten: Ohne die IT ist Business nicht mehr möglich. Die ständige Anpassungsleistung setzt nicht nur eine hohe Flexibilität voraus. Auch das Führungsverhalten muss sich der neuen Rolle anpassen. Rainer Göttmann ist CEO und CIO der IT-Consulting-Firma Metafinanz, einer Allianz-Tochter. Er weiß, wie die Rolle des CIO in der Zukunft aussehen wird - und welche Eigenschaften ein IT-Führungsverantwortlicher mitbringen muss, um schon heute erfolgreich zu führen.

COMPUTERWOCHE.de: Herr Göttmann, welche Eigenschaften muss Ihrer Meinung nach eine IT-Führungskraft mitbringen?

Rainer Göttmann ist CEO und CIO der IT-Consulting-Firma metafinanz.
Rainer Göttmann ist CEO und CIO der IT-Consulting-Firma metafinanz.
Foto: metafinanz Informationssysteme GmbH

Rainer Göttmann : Ich halte vier Eigenschaften für entscheidend: Die Führungskraft muss Vorbild sein und sie muss zielgerichtet kommunizieren können. Dazu muss sie flexibel sein in ihrem Leadership-Verständnis und bereit sein, sich selbst auch immer wieder zu verändern. Das bedeutet auch, parallel mehrere Rollen wahrzunehmen. Und ich würde noch eine emotionale Komponente nennen, die für mich die wichtigste ist: die Leidenschaft! Leidenschaft und Begeisterung für den Job und die Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg.

COMPUTERWOCHE.de: Warum ist die Leidenschaft das wichtigste?

Rainer Göttmann : Nur, wenn ich für eine Sache brenne, kann ich auch maximalen Einsatz bringen, nur mit Begeisterung und Freude an meiner Arbeit, kann ich hundert Prozent geben. Das habe ich auch selbst erfahren: Als ich vor 17 Jahren bei Metafinanz anfing, wollte ich eigentlich nur zwei Jahre bleiben. Erst als bei mir die Leidenschaft geweckt wurde, hat mich das erfolgreich gemacht. Ich wusste, dieser Job, diese Firma passt zu mir, denn hier kann ich mich entfalten. Das lebe ich meinen Mitarbeitern jeden Tag vor.

COMPUTERWOCHE.de: Was bedeutet es für Sie, Vorbild zu sein?

Rainer Göttmann : Vorbild zu sein hat viele Aspekte. Ein Beispiel: Um geistig fit zu sein, muss man auch körperlich fit sein. Wir haben eine Gesundheitsoffensive und da mache ich natürlich auch gerne mit. Das geht von Pulsmessungen über die BMI-Bestimmung, bis zum 24-Stunden-Rennen mit dem Mountain Bike - da bin ich dabei. Meine Mitarbeiter wissen das zu schätzen. Gleichzeitig motiviere ich sie dazu, bei solchen Events oder Sportaktivitäten mitzumachen. Das hat auch für das Unternehmen Vorteile. Begeisterte und fitte Mitarbeiter können mehr und Besseres leisten. Natürlich gehören zum Vorbild sein noch viel mehr Aspekte, etwa Mitarbeitern Orientierung, Perspektive und Inspiration zu geben - um nur einige zu nennen.

COMPUTERWOCHE.de: Sie sprachen zielgerichtete Kommunikation an. Was meinen Sie damit?

Effizient und offen kommunizieren.
Effizient und offen kommunizieren.
Foto: Kzenon - Fotolia.com

Rainer Göttmann : Wichtig ist mir eine offene, ehrliche und aktive Kommunikation, ob mit Kunden, Lieferanten, Partnern oder Mitarbeitern. Mit zielgerichtet meine ich den Austausch mit den richtigen Personen, am richtigen Ort mit dem richtigen Thema. Wir bilden bei Metafinanz oft sogenannte Hubs. Diese Hubs bestehen bestenfalls aus drei Personen, und zwar genau den richtigen Personen. Eine offene Kommunikation ist mir sehr wichtig, deshalb steht meine Tür allen Mitarbeitern immer offen, es sei denn ich habe ein vertrauliches Gespräch.

COMPUTERWOCHE.de: Wie flexibel sind Sie in Ihrem Leadership-Verständnis?

Rainer Göttmann : Als Führungskraft brauche ich ein flexibles Rollenverständnis. Wir sind mehrdimensional unterwegs. Es kann vorkommen, dass ich als CIO in einem Meeting sitze, wo ich als Mitarbeiter agiere. Es ist sehr wichtig, diese Sichtweise der Dinge wahrzunehmen. Man sollte einfach ab und zu die Perspektive wechseln. Ich bleibe dabei ja der CIO im Meeting, Chaos bricht bei uns deswegen noch lange nicht aus. Meine Führungsaufgaben nehme ich weiterhin wahr.

COMPUTERWOCHE.de: Wie übertragen Sie Ihr Verständnis von Führung auf die Mitarbeiter?

Rainer Göttmann : Zum einen, wie vorhin erwähnt, durch das aktive Vorleben. Zum anderen ist es auch wichtig, Bewusstsein zu schaffen. Gerne nehme ich mir die Zeit um meine Mitarbeiter zu coachen und versuche so, mein Verständnis von Leadership zu vermitteln.

Oder nehmen wir mal das Staffing eines Projekts, um ein weiteres Beispiel zu nennen. Da gibt es eine Rollenverteilung, die in der Theorie natürlich anders aussieht als in der Praxis. Theoretisch sollte man bestimmte Kenntnisse mitbringen, in der Praxis beherrscht ein Mitarbeiter meistens aber nicht alle Kenntnisse perfekt. Es kommt darauf an, dass ich meine Mitarbeiter als Chef darin unterstütze. Kann zum Beispiel ein Projektleiter gewisse Dinge nicht so gut, muss ich ihm unter die Arme greifen. So gebe ich ihm die Gelegenheit, an seinen Aufgaben zu wachsen. Und sind wir doch mal ehrlich, das ganz Leben besteht doch aus Lernen. Ich möchte meine Mitarbeiter begeistern und Neugier erzeugen - so entsteht Leidenschaft.

COMPUTERWOCHE.de: Wie sieht die Leadership der Zukunft aus?

Rainer Göttmann : Wir sind in einer nächsten industriellen Revolution und der große Treiber ist die IT. Sie verändert die Unternehmenskultur, sie wird globaler, internationaler und das Vernetzen wird eine immer größere Rolle spielen. Ich denke, dass die hierarchischen Ebenen zwischen Mitarbeiter und Führungskraft verblassen werden. Und ich glaube, dass ein Unternehmen künftig vielschichtiger aufgestellt sein wird - die Vernetzung und das Verhältnis zwischen Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Partnern werden "vertrauter" und fast grenzenlos sein. Denn das Arbeiten wird in Zukunft noch viel schneller, virtueller und vernetzter. Das hat auch für Führungskräfte immense Auswirkungen und mittels der IT wird dieser Führungsprozess in Zukunft auch noch unterstützt, da Technik zwar viel komplexer, für uns subjektiv aber einfacher und reibungsloser in unseren Arbeitsalltag integriert sein wird.

COMPUTERWOCHE.de: Und was heißt das für den CIO?

Rainer Göttmann : IT wird zukünftig immer mehr an Bedeutung für das Leben und Arbeiten gewinnen. Der CIO hat eine zunehmend wichtigere Rolle im Unternehmen, da die IT der zentrale Unternehmensfaktor sein wird und maßgeblich den Unternehmenserfolg beeinflusst. Somit werden fundierte IT-Kenntnisse auch im Vorstand immer wichtiger. Daher werden auch mehr CIOs als CEOs denkbar sein.

COMPUTERWOCHE.de: Sie haben an der CIO-Weiterbildung Leader Excellence Program (LEP) in Koblenz und Indien teilgenommen …

Rainer Göttmann : Nun, ich bin ja schon CEO, insofern bin ich da wohl in einer Sonderrolle. Aber uns als Team aus CIOs hat dieses mehrtägige Seminar gezeigt: "Achtung, Achtung! Ihr müsst strategisch denken." Als IT-Führungskraft muss man diese enge IT-Brille ablegen und sich einfach mehr mit den Strategien des Unternehmens auseinander setzen.

COMPUTERWOCHE.de: Was hat Ihnen das LEP persönlich gebracht?

Rainer Göttmann : Das war schon mal wieder etwas anderes, wie ein Student in den Reihen zu sitzen. Bei mir hat es im Kopf bei einigen Themen "Klick" gemacht, und das, obwohl ich schon viel erlebt habe. Zum Beispiel ging es in einem Planspiel darum, ein Handy auf den indischen Markt zu bringen. Ich habe sofort an ein Smartphone gedacht: Es muss Videos und Musik abspielen können, dazu ins Internet gehen. In Indien braucht das nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung. Das Handy muss wasserdicht sein, es braucht eine Taschenlampenfunktion und man muss damit telefonieren können. Klar, in Indien gibt es kaum Straßenbeleuchtung und während des Monsuns sollte das Telefon auch funktionieren. Das war eine tolle Erkenntnis! In Deutschland hätte ich darüber nicht nachgedacht. Man muss als Führungskraft einfach über den Markt Bescheid wissen. Und als CIO kommt es darauf an, das IT-Wissen in Operations einzubringen.

Herr Göttmann, vielen Dank für das Gespräch!

LEP - Fortbildung für IT-Manager

Seit 2012 bietet die CIO-Stiftung gemeinsam mit dem CIO-Magazin und der WHU - Otto Beisheim School of Management das Leadership Excellence Program an. Die Kursteilnehmer werden dabei in Führung und Strategieplanung unterrichtet. Sponsor ist HP. Interessenten wenden sich bitte an Frau Riem Sarsam (rsarsam@cio.de). Mehr Infos zum Leadership Excellence Program finden Sie hier.