SAP-Anwender

Was die CIOs unter den SAP-Usern beschäftigt

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Vor mehr als zwei Jahren haben die IT-Entscheider in der Deutschsprachigen SAP-Anwender-Gruppe (DSAG) aus ihrem "CIO-Kreis" erstmals einen CIO-Beirat gewählt. Zeit für eine Bestandsaufnahme. Mit dem Beiratsmitglied Thorsten Steiling, Head of IT bei der Ejot Gruppe, sprach CW-Redakteurin Karin Quack.

CW: Die DSAG stand lange in dem Ruf, den Anbieter, für den das S im Kürzel steht, mit Samthandschuhen anzufassen. Wie wollen Sie das ändern?

Thorsten Steiling, Head of IT, Ejot Gruppe
Thorsten Steiling, Head of IT, Ejot Gruppe
Foto: Steiling/Ejot

STEILING: Tatsächlich spiegelte die damalige Position der DSAG nicht immer die Position der IT-Entscheider in den Anwenderunternehmen wider. Deshalb beschlossen vor etwa zwei Jahren einige CIOs, mehr Einfluss auf die Themen und Prioritäten zu nehmen. Anfang 2009 traten sie an die DSAG-Führung heran und stellten ihr das Konzept eines dedizierten CIO-Beirats vor, der die strategische Themen der rund 400 CIO-Kreis-Mitglieder ermittelt, diskutiert und gegenüber der SAP vertritt.

CW: Als Geburtshelfer des CIO-Beirats gilt die Auseinandersetzung zwischen der SAP und ihren Kunden um die Zwangseinführung des "Enterprise-Support"-Modells Ende 2008.

STEILING: Indirekt ist das richtig. Für die erste Runde dieser Auseinandersetzung hatten sich einige engagierte CIOs zusammengefunden - allerdings rein situationsbezogen, also ohne unterstützende Organisation. Die Initiatoren des CIO-Beirats hatten im Sinn, dass in ähnlichen Fällen nicht wieder ein neuer organisatorischer Rahmen geschaffen werden musste. Ende 2009, als SAP den Standard-Support für Bestandskunden so verteuern wollte, dass er kaum günstiger als der Enterprise Support zu werden drohte, hat sich die Organisation bereits bewährt.

CW: Dass die SAP den Kunden ein Wahlrecht zwischen Enterprise- und Standard-Support eingeräumt hat, ist also ein Verdienst des CIO-Beirats.

STEILING: So unmittelbar sicher nicht. Aber es ist das Verdienst einer funktionierenden Abstimmung des CIO-Beirats und des DSAG-Vorstands mit denjenigen, deren Interessen dadurch berührt werden. Als unser Verdienst rechne ich es uns an, dass wir die Diskussion gemeinsam mit dem DSAG Vorstand anschließend weg von den reinen Support-Kosten gelenkt haben - hin zu der Frage, welche Leistungen und welchen Mehrwert wir dafür überhaupt bekommen.

CW: Nach zwei Jahren wurde ein neuer Beirat gewählt. Fünf der sieben Mitglieder wurden ersetzt. Wie kommt das?

STEILING: Bei allen ausgeschiedenen Mitgliedern lagen unternehmensbedingte Gründe vor, die eine erneute Kandidatur nicht zuließen. Das ist einerseits bedauerlich, andererseits eine Chance. Wir wollen keine auf Lebenszeit gewählten Beiratsmitglieder, sondern die regelmäßige Legitimation unserer Kollegen aus dem CIO-Kreis für die Ausrichtung unserer Arbeit.

Deshalb diskutieren wir auch, die Neu- oder Wiederwahl von Beiräten während der üblichen Legislaturperiode von zwei Jahren zu ermöglichen. Allerdings ist es nicht sinnvoll, alle auf einmal auszutauschen, da sonst die Kontinuität verloren geht. Deshalb freue ich mich, dass Johannes Truttmann von der Krombacher Brauerei und ich die Aufgabe zusammen mit den neuen Beiratsmitgliedern fortführen können.