Thomas Tribius

Was der Springer-CIO zu Apple sagt

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Die Axel Springer AG wird alle 12.000 Arbeitsplätze auf Apple-Rechner umstellen. Außerdem sollen mindestens 70 Prozent aller eingesetzten Anwendungen des Medienkonzerns zukünftig auf Mac OS X laufen. Vom Blackberry wird Axel Springer auf das iPhone migrieren.

Diese Entscheidung erregt Aufsehen. Umso interessanter, dass Apple den prestigeträchtigen Deal nicht an die große Glocke hängen will. Auf Anfrage in der Deutschlandzentrale teilte Apples Sprecher Georg Albrecht mit: "Die Kommunikation zum Einsatz unserer Rechner bei Springer überlassen wir ganz Axel Springer selbst."

Bei so viel Understatement hatte sich bereits das US-Wirtschaftsmagazin "Business Week" erstaunt gefragt, wieso Apple trotz der wachsenden Beliebtheit seiner Erzeugnisse bei kommerziellen Benutzern nicht stärker in Geschäftsbeziehungen mit Konzernen eintritt. Apple begegne Firmenkunden "mit äußerster Indifferenz". Diese Einschätzung dürfte noch vorsichtig formuliert sein.

Thomas Tribius, CIO der Axel Springer AG, setzt hohe Erwartungen in den Umstieg in die Apple-Welt. Die wird nicht nur die Hardware, sondern insbesondere auch die Softwarelandschaft im Medienhaus verändern.
Thomas Tribius, CIO der Axel Springer AG, setzt hohe Erwartungen in den Umstieg in die Apple-Welt. Die wird nicht nur die Hardware, sondern insbesondere auch die Softwarelandschaft im Medienhaus verändern.

Im Interview mit dem obersten IT-Verantwortlichen des Medienhauses, CIO Thomas Tribius, wird deutlich, dass es bei dem Projekt um viel mehr geht als um eine bloße Hardwareumstellung. Das Vorhaben, das schrittweise innerhalb von fünf Jahren umgesetzt werden soll, berührt elementare Fragen der Unternehmenskultur. Und das ist gewollt, sagt Tribius im Gespräch mit CW-Redakteur Jan-Bernd Meyer.

CW: Wieso macht Axel Springer ohne Not etwas, was die wenigsten Unternehmen der Welt tun würden? Sind Sie so risikofreudig?

TRIBIUS: Sicher haben wir eine gewisse Vorreiterrolle und beschreiten, was die Dimension des Projekts und strategische Ausrichtung betrifft, einen neuen Weg. Aber mittelfristig werden wir sicher nicht die Einzigen sein, die ein solches Projekt verwirklichen. Die Überlegungen, die uns zu dieser Entscheidung führten, haben Hand und Fuß.

CW: Davon sind wir ausgegangen…

TRIBIUS: Grundlage der Entscheidung ist die Konzernstrategie. Ein Schwerpunkt ist die Digitalisierungsoffensive und damit verbunden eine Online-Strategie. Stichworte in diesem Zusammenhang sind unter anderem Medienkonvergenz und integriertes Publishing. Diese Strategie stellt an die IT-Plattform und insbesondere an die Arbeitsplätze etwa in Hinblick auf multimediales Arbeiten Anforderungen, die unserer Meinung nach von klassischen PCs nur zum Teil erfüllt werden. Die Digitalisierungsoffensive verlangt eine anspruchsvolle Arbeitsplatzausstattung.

Apple-Rechner sollen Kreativität fördern

Es kommt noch ein weiteres wesentliches Argument für den Umstieg auf Apple hinzu: Wir beschäftigen uns im gesamten Haus schon seit längerem mit der Frage, wie wir das kreative Potenzial und die Freude an der Arbeit bei den Mitarbeitern informationstechnisch unterstützen. Wir glauben, dass wir mit dem Übergang in die Apple-Welt diese Anforderungen besser erfüllen werden. Die IT wird damit einen entscheidenden Beitrag in der Entwicklung der Unternehmenskultur leisten.

CW: Was können Apple-Rechner, das PCs nicht mindestens genauso gut könnten?