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Mehr als nur ein laues Lüftchen

Was Cloud-Computing für BPM und ERP bedeutet

Prof. Dr. Komus – Leiter des BPM Labors – ist Professor für Organisation und Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Koblenz. Er ist außerdem wissenschaftlicher Leiter der Rechenzentren der Hochschule Koblenz und Mitbegründer der Modellfabrik Koblenz. Prof. Komus promovierte am Institut für Wirtschaftsinformatik, Prof. Dr. Dr. h.c.-mult. August-Wilhelm Scheer. Vor seiner Tätigkeit als Hochschullehrer war Prof. Komus 10 Jahre lang als Unternehmensberater mit Fragestellungen wie Organisationsgestaltung, IT-Strategien, SAP-Einführung und -optimierung betraut. Herr Komus ist Certified Scrum Master und ECM Master.
Aus IT-Management wird Informations- und Prozess-Management: Durch Cloud-Lösungen ergeben sich für IT-Abteilungen neue Anforderungen und Chancen im Hinblick auf BPM- und ERP-Lösungen.

Cloud ist die konsequente Fortsetzung des Software as a Service-Gedankens. Mit Cloud-Lösungen verschwinden zunehmend nicht nur Informationstechnologische Fragestellungen aus dem Managementfokus, sondern die physische Hardware selber in großen Teilen gleich mit. Aus IT-Management wird Informations- und Prozess-Management.

Cloud Computing: Anforderungen und Chancen für IT-Abteilungen
Cloud Computing: Anforderungen und Chancen für IT-Abteilungen

Damit setzen sich eine Entwicklungen fort, seit langer Zeit zu beobachten ist. Das Management der Informationsverarbeitung wandelt sich in Richtung betriebswirtschaftlichen Fokus, Integration und Prozessorientierung. Auch wenn bei den derzeitigen Cloud-Angeboten oft noch viel "Luft nach oben" zu konstatieren ist, lässt sich feststellen, dass technologische Restriktionen vor dem Hintergrund hoher Flexibilität und Skalierbarkeit eine zunehmend geringere Rolle spielen. Dies führt dazu, dass die Fähigkeit, Wettbewerbsvorteile mit Hilfe intelligenter Integration von Systemen, Organisationen und Prozessen zu generieren, immer wichtiger wird.

Diese schlägt sich auch in neuen Ansprüchen an das BPM nieder: Isolierte "Kästchenmaler", die die Möglichkeiten und Differenzierungspotenziale der Cloud-Systeme nicht nutzen, sind genauso wenig gefragt wie IT-orientierte BPM-System-Initiativen, die den Mehrwert für die Gesamtorganisation sowie die Integration in das Gesamt-Prozessmodell nicht im Fokus haben.

Verlagerung von Kompetenzen

Auch im verbleibenden IT-Management und in der IT-Planung wird die zunehmende Bedeutung von Cloud-Lösungen die Akzente verschieben. Waren gute Operations, die eine hohe Stabilität und schnelle Reaktionsfähigkeit beinhalteten, Schlüsselkompetenzen, so werden diese Fähigkeiten zunehmend für immer weniger Systeme bedeutsam sein; um den Rest kümmert sich der Cloud-Anbieter. In den Vordergrund treten Fähigkeiten, wie das Denken in Business-Nutzen und Abläufen sowie Auswahl, Integration und Management der Cloud-Anbieter. An die Stelle der IT-Planung in Form von Maschinen und IT-Applikationen tritt endgültig die Entwicklung von mehrwert- und wettbewerbsvorteil-getriebenen prozessorientierten Architekturen.

Zugleich bedeutet die Entwicklung in Richtung Cloud eine Aufwertung der prozessorientierten Denkweise und Fähigkeiten. Wenn die Technologie immer weniger der Bremsklotz auf dem Weg zum Business-Value ist, gewinnt die Fähigkeit Prozesse zu konzipieren, zu integrieren, auszurollen und vor allem kontinuierlich zu optimieren an Bedeutung. Wettbewerbsvorteile können in kürzester Zeit generiert oder eben auch verschlafen werden. Wer die Chancen der Cloud zu nutzen versteht, gewinnt; wer dies versäumt wird von Kunden und Kosten abgestraft.