IoT goes Business

Was bringt die Apple Watch im Unternehmen?

23.04.2015
Von 
Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der ZHAW (Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) und Solution Manager der Trivadis AG. Er ist Autor verschiedener Fachbücher.
Die Apple Watch ist zweifellos der Star einer neuen Generation von intelligenten tragbaren Geräten. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Internet der Dinge (IoT) und wird in Zukunft aus einem modernen Unternehmen nicht mehr wegzudenken sein. Anwendungen in Industrie und Handel sind bereits heute offensichtlich und werden sehr schnell auf den Markt kommen.
Die bereits heute verfügbaren Anwendungen für die Apple Watch sind erst der Anfang.
Die bereits heute verfügbaren Anwendungen für die Apple Watch sind erst der Anfang.
Foto: Apple

Vor etwas mehr als einem halben Jahr, am 9. September 2014, stellte Tim Cook, CEO von Apple, die Apple Watch vor. Das neueste Produkt aus Cupertino pries er in seiner Präsentation als: "unglaublich individuell konfigurierbare präzise Uhr, als direkt aus Handgelenk heraus gesteuerte neues, innovatives und intimes Kommunikationsinstrument, als umfassendes Gesundheits- und Fitness Gerät und als noch Vieles mehr".

Eines ist unstrittig: Allein Design und User Interface bestehend aus der "Digitalen Krone", der "Taptic Engine" und anderen Elementen machen eine Vielzahl neuer innovativer Anwendungen möglich. Am ersten Tag, dem 10. April 2015, als Vorbestellungen in den USA möglich waren, haben nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts slice intelligence knapp eine Million Menschen eine der drei verschiedenen Editionen bestellt.

Damit hat der spätestens seit der Consumer Electronics Show (CES) 2014 unter dem Begriff "Wrist Revolution" (Handgelenkrevolution) fallende Technologie-Trend endlich volle Fahrt aufgenommen. Uhren, Ringe, Armbänder und andere Schmuckstücke werden zu Geräten, die über minimale Elektronik verfügen und sich vernetzen lassen. Sie werden damit zu "Smart Things", intelligenten Geräten und befinden in guter Gesellschaft mit allen möglichen anderen "intelligenten Maschinen" - wie beispielsweise Fahrzeugen, Maschinen, Haushaltsgeräten, Kameras, Lampen und allen anderen technischen Alltagsgegenständen. Sie alle bilden mit der Apple Watch zusammen das Internet der Dinge (IoT) und sind für Unternehmen von höchster Bedeutung.

Apple Watch Apps für Unternehmen

"Ich sehe Wearables als integrierten und bedeutenden Teil der Unternehmensgeschichte. Ich denke, jedes Unternehmen wird über diese Technologie verfügen und es wird überall anzutreffen sein. So werden beispielsweise Google Brillen Servicetechniker in Echtzeit mit dem Servicezentrum verbinden, oder Entscheidungsträgern die wirklich wichtigen Mitteilungen auf ihrem tragbaren Gerät angezeigt bekommen. Wir sind am Beginn einer der größten technologischen Veränderungen überhaupt", sagte Marc Benioff, der CTO von Salesforce, in einem Interview an der TechCrunch Disrupt Konferenz im September 2014.

Der Vorteil des Einsatzes einer Apple Watch beispielsweise im Außendienst ist offensichtlich; Interaktion mit dem Kunden, kurzfristige Änderung von Terminen oder Treffpunkten, schnelle Information über relevante Verkaufsergebnisse und vieles anderes Mehr werden das Leben von Außendienstmitarbeitern sowie ihren Kollegen, Kunden und Vorgesetzten sehr viel einfacher machen. Am 9. März 2015 hat die Firma Evernote das Produkt "Evernote for Apple Watch" mit folgendem Text angekündigt: "Diktieren Sie Notizen, führen Sie eine Suche aus und schauen Sie die zuletzt genutzten Notizen an. Fangen Sie an, eine Notiz auf der Apple Watch zu lesen und öffnen Sie diese auf dem iPhone mit einem Wisch über den Bildschirm…". Weitere Anbieter von Standardsoftware für Unternehmen werden diesem Beispiel schon in Kürze folgen.

Anwendungsszenarien

Für die Apple Watch ist eine Vielzahl von Anwendungsszenarien im Unternehmensumfeld denkbar, die weit über die Anwendungen von Salesforce und Evernote hinausgehen. So kann die Apple Watch beispielsweise jede Art von Werksausweis oder Schlüsselkarte ersetzen und damit in jedem Zutrittskontrollsystem eingesetzt werden. Kombiniert mit einer Zeiterfassung kann selbst die Einhaltung komplexer Zugriffsvorschriften garantiert und überwacht werden.

In stark reguliertem Branchen, wie beispielsweise in der Pharmaindustrie, lässt sich die Einhaltung von Standard Operating Procedures (SOP), also die garantierte Ausführung vorgegebener Arbeitsschritte, protokollieren und nachweisen. Weitere Anwendungen sind im Umfeld von gefährlichen Arbeiten denkbar. Beispielsweise kann mit Hilfe der "Health- & Fitness Sensoren" der Zustand von Mitarbeitern in Echtzeit überprüft und in kritischen Momenten rechtzeitig eingegriffen werden.

Auch in der industriellen Fertigung der Zukunft wird die Apple Watch eine wichtige Position einnehmen. Im Prinzip sind überall dort Anwendungen denkbar, wo Mitarbeiter keine Hand frei haben, wie beispielsweise bei der Wartung von Windkraftwerken in luftigen Höhen. Hier kann die Leiter zwar nicht losgelassen werden, aber ein schneller Blick auf die Uhr ist jederzeit möglich. Die Apple Watch kann ihrem Träger wichtige Informationen wie beispielsweise Montageanweisungen oder technische Parameter anzeigen. Darüber sind Warnungen dank der "Taptic Engine" in Form von Vibrationsimpulsen direkt am Handgelenk spürbar - beispielsweise wenn der umgebende Geräuschpegel zu hoch oder die Sicht zu gering ist. Die Anwendungsszenarien lassen sich beliebig erweitern.

Prognosen zu IoT in Unternehmen

Bereits Ende letztes Jahr hat Gartner in seinen Top-10-Voraussagen für die IT- Organisationen und deren Kunden prognostiziert, dass "bis zum Jahr 2018 die Betriebskosten von Unternehmen durch den Einsatz von intelligenten Maschinen um 30 Prozent reduziert werden können". Deshalb erstaunt es nicht, dass in der Anwenderbefragung "Internet of Things in Deutschland 2015" der IDC, die im vergangenen Jahr als Teil einer weltweiten IoT-Initiative durchgeführt wurde, knapp 50 Prozent aller Unternehmen angaben, dass das Internet der Dinge für sie ein sehr wichtiges Thema sei.

Die 2014 veröffentlichte Studie "Geschäftsmodelle im Internet der Dinge" des Institutes für Technologienmanagement der Hochschule St. Gallen (HSG) in Zusammenarbeit mit dem Bosch IoT & Services Lab ergab, dass das IoT nicht nur völlig neue Geschäftsmodelle ermöglicht, sondern 20 von 55 möglichen Geschäftsmodellmustern begünstigt. Das Internet der Dinge übt also positiven Einfluss auf einen signifikanten Teil der unternehmerischen Tätigkeit aus. Darüber hinaus wird die Integration von Kunden in die Wertschöpfungskette erhöht und auch die Geschäftsmodelle verändern sich mehr und mehr in Richtung Dienstleistungsorientierung. Auch die gezielte Sammlung und Analyse von Daten rund um Produkte und Dienstleistungen nimmt zu. Tragbare Geräte wie die Apple Watch werden in diesem Umfeld eine wichtige Rolle spielen.

Ausblick

Die Apple Watch ist eines der intelligentesten Wearables. Sie wird in Kombination mit einer Vielzahl anderer Geräte und Systeme schon in naher Zukunft produktiv in Unternehmen eingesetzt werden. Die bereits heute verfügbaren Anwendungen sind erst der Anfang. Die Vielzahl lohnender Anwendungsszenarien überwiegen die Nachteile der Apple Watch bei Weitem. Schwachstellen wie Akku-Ladezeit oder die Größe des Displays sind keine wirklichen Hindernisse und werden in kommenden Generationen auf ein Minimum reduziert. (bw)

Mehr zur Apple Watch: hier - multimedial