Gefährlicher Trugschluss

Warum Virtualisierung Hochverfügbarkeit verlangt

Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Anzeige  Immer mehr Unternehmen betreiben auch unternehmenskritische Applikationen auf virtualisierten Systemen. Stillschweigend wird dabei oft vorausgesetzt, dass die Virtualisierung auch die Verfügbarkeit garantiert. Doch das ist ein gefährlicher Trugschluss.

Virtualisierung hat die Unternehmens-IT in den letzten Jahren gewaltig verändert. Und das aus gutem Grund: Virtualisierte IT-Strukturen reduzieren die Hardware-Ressourcen und führen zu einer besseren Auslastung von Server- und Storage-Systemen. Gleichzeitig erhöht dies die Flexibilität, senkt den Platz- und Energiebedarf und verringert so ganz allgemein die IT-Kosten.

Downtimes haben zwischen 2005 und 2008 nach einer Gartner-Studie dramatisch zugenommen.
Downtimes haben zwischen 2005 und 2008 nach einer Gartner-Studie dramatisch zugenommen.
Foto: Gartner

Mit der zunehmenden Virtualisierung entstehen allerdings auch neue Gefahren. Viele Nutzer glauben, dass eine virtualisierte IT-Lösung automatisch Hochverfügbarkeit garantiert. In einer aktuellen Studie von Stratus zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen ITIC waren 79 Prozent der befragten IT-Experten überzeugt, dass Virtualisierungssoftware die für kritische Anwendungen nötige Verfügbarkeit bereitstellen kann. Doch das ist ein gefährlicher Trugschluss. Tatsächlich ist Virtualisierungssoftware nicht für die Herstellung von Hochverfügbarkeit konzipiert. Die Gefahr von Ausfällen kann sie keinesfalls reduzieren - im Gegenteil, sie nimmt sogar zu. Der größte Schwachpunkt der Virtualisierung ist die Abhängigkeit der virtuellen Instanzen von der Hardware, die damit zum Single Point of Failure wird. War in Vor-Virtualisierungszeiten der Ausfall eines Servers verkraftbar, kann dies nun, wenn mehrere Applikationen auf einem System laufen, kritisch werden. Dies umso mehr, wenn unternehmenskritische Anwendungen auf einer Hardware betrieben werden.