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Warum PCs auf einem USB-Stick eine wirklich schlechte Idee sind

John Brandon ist freier Kontributor bei CIO.com und lebt in Minneapolis. Sein thematischer Schwerpunkt ist die Automobilbranche. 
Man verliert sie zu einfach und zu schnell – genau wie alle Datensticks, die ich jemals besaß.

Computer werden immer kleiner, aber was ich wirklich von Ihnen will, ist dass sie ganz verschwinden. Mir wäre es durchaus Recht, wenn die einzige Verbindung dazu nur noch ein gesprochenes Wort wäre. Wenn er allgegenwärtig und nützlich wäre, ohne dass wir uns um Ladekabel, Prozessorengeschwindigkeit oder irgendwelche Updates kümmern müssten. Sie würden unauffällig arbeiten, hinter Touchscreens und im Auto. Ich will Rechner, die mehr wie der Strom in unseren Häusern und Büros einfach da ist und dafür sorgt, dass wir Licht haben. Im Prinzip will ich, dass Computer unsichtbar werden.

Warum PCs auf einem USB-Stick eine wirklich schlechte Idee sind.
Warum PCs auf einem USB-Stick eine wirklich schlechte Idee sind.
Foto: L.S., Fotolia.com

Als Lenovo vor wenigen Tagen den Ideacentre Stick 300 präsentierte, war mein erster Gedanke: Sehr gut, ein weiteres Minigerät, dass ich ganz schnell verlieren werde. Das Teil ist keine zwei Finger groß und ein deutliches Zeichen dafür, dass Mobile Computing den 'Point of no return' erreicht hat.

Glauben Sie mir, ich teste Hunderte von Gadgets im Jahr (und sorge für regen Betrieb bei FedEx), da sammelt sich jede Menge elektronischer Kram an, aber ich kann mit Sicherheit behaupten, USB-Sticks noch nie länger als ein oder zwei Monate besessen zu haben. Sie verschwinden in irgendwelchen Schubladen, ohne dass jemals die darauf gespeicherte Musik angehört wurde - vom Ansehen der wahnsinnig tollen Urlaubsfotos ganz zu schweigen.

Leider wird der Ideacentre Stick nicht als Wegwerfprodukt beworben. Mit seinen 129 Dollar ist er zwar deutlich billiger als jeder Laptop, aber immer noch zu teuer zum Schubladenverschwinden. Oberflächlich betrachtet wurden PC-Sticks wie der Intel Compute für Geschäftsreisende entwickelt, die sich jederzeit und überall an einem bestehenden PC mit Tastatur, Bildschirm und Maus einloggen können. Und zwar vergleichsweise sicher.

Aber wir werden sie verlieren. Und zwar schnell. Ein verlorener PC-Stick ist so ziemlich der schlimmste Alptraum einer jeden IT-Abteilung. Es ist eine Sache, am Flughafen gehackt zu werden, wenn Sie Ihren Lenovo-Laptop nutzen. Den schleppen Sie dann mit zurück in die Firma, wo er schlimmstenfalls geschrottet wird. Es ist eine andere Sache, einen kompletten PC am Flughafen in die Hände von Verbrechern zu geben, die damit jederzeit und überall in Ihr Firmennetz eindringen können - vorausgesetzt sie finden das Passwort heraus oder können die Verschlüsselung knacken.

Aber am wichtigsten ist wohl, dass sie gar keine Vorteile für Geschäftsreisende bieten! Die kleinen Rechner lassen Sie über das VPN auf die Firma zugreifen und diverse Dokumente vergleichsweise sicher lokal abspeichern, aber ihre Handlichkeit ist auch ihr größtes Manko: Sie gehen einfach zu schnell verloren. Und um sie nutzen zu können, müssen Sie erstmal einen Kiosk im Hotel oder am Flughafen finden, in den Sie Ihren Stick stecken dürfen. Ich finde, es handelt sich hier um ein perfektes Exempel für einen idiotischen Trend: Zunächst hört sich die Idee faszinierend an, nach kurzem Gebrauch wird aber klar, dass die Nachteile die Vorteile klar überragen.

Meine Entschuldigung an Roku und Konsorten, aber dasselbe denke ich über Streaming-Produkte, die Dienste wie Hulu und Netflix besser abrufbar machen sollen. Das ist alles überflüssig. Filme werden heutzutage problemlos auf die Xbox oder den smarten Fernseher gestreamt, da braucht es kein zusätzliches Gerät. Ein PC-Stick macht keinen Sinn, weil ich mit größter Wahrscheinlichkeit eh einen Laptop mit mir führen werde, mit Tastatur und Touchpad und allem Drum und Dran inklusive VPN-Tunnel. Unternehmen würden gerne die Ära der Laptops hinter sich lassen, aber sie sind am Flughafen immer noch allgegenwärtig. Dagegen sehe ich praktisch keinen Menschen, der einen PC-Kiosk nutzt.

Wie lange also wird sich der Trend halten? Ich vermute nur so lange wie es braucht, dass ein Stick in einer Tasche auf Nimmerwiedersehen verschwindet, am Flughafen Füße bekommt oder von einer Rolltreppe gefressen wurde.

 

Horst Ulrich Köther

Wie der Autor schön beschreibt, hat das "Ding" als transportabler Rechner keinen wirklichen Sinn. Einen Sinn sehe ich darin, daß ich mit einem Stick-PC drei andere Sticks ersetzen kann: Amazon-Firestick, Google Chromecast, Apple-TV. Jeder spricht nur einen Dialekt, aber mit einem PC-Stick kann ich, hoffentlich, alle diese "Dinger" ersetzen und am Fernseher wieder Ordnung haben. Gruß, HUK

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