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Warum Oracle Sun mit Sparc scheitern muss

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Trotz anderslautender Bekundungen des Managements wird die Prozessorplattform Sparc von Sun Microsystems unter dem Dach von Oracle nicht überleben, urteilt IDC-Analyst Rüdiger Spies.

Auf der Kundenkonferenz Open World in San Francisco hat Oracle-CEO Larry Ellison beteuert, künftig mehr in Sparc-Prozessoren, die Datenbank MySQL und das Betriebssystem Solaris von Sun zu investieren. Rüdiger Spies, Analyst und Independent Vice President Enterprise Applications bei IDC Central Europe, hält diese Ankündigung für wenig glaubwürdig: "Insbesondere bei den Sparc-Prozessoren steht gegen mehr Investitionen in diese, dass Sun in den letzten Jahren finanziell nicht besonders erfolgreich gewesen ist", kommentiert Spies im Nachgang der Konferenz. "Mit anderen Worten: die bisher getätigten Investitionen in Sparc haben nicht den Return gebracht, den Sun gebraucht hätte."

Aus seiner Sicht ist dies kaum verwunderlich: "Die Entwicklungsgeschwindigkeit für Prozessoren wird durch die Fortentwicklung von x86-Prozessoren - und bisher noch eingeschränkt durch die Entwicklungsgeschwindigkeit von Nvidia-Graphik-Prozessoren - bestimmt. Intel und ADM geben damit den Takt an. Der Massenmarkt, der durch diese Prozessorarchitektur bedient wird, erlaubt die größten Gewinne im Prozessorsegment. Nur solche Prozessoren, die einen Massenmarkt bedienen können, erwirtschaften die notwendigen Gelder, um wiederum genug in zukünftige Prozessorweiterentwicklungen zu investieren."

Im April hatte Oracle angekündigt, Sun Microsystems für rund 7,4 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Seitdem gibt es immer wieder Spekulationen über die Zukunft von Suns einst hochgelobter Hardwaresparte (siehe dazu auch die Analyse: Sun macht Oracle zum Komplettanbieter).

Sun hat laut eigenen Angaben in dieser Dekade bereits sieben Millionen Sparc-Prozessoren ausgeliefert. Spies relativiert diese Zahlen: "Nach IDC-Prognosen werden bis Ende 2010 zirka 177 Millionen Windows 7-Lizenzen verkauft werden. Das bedeutet etwa die gleiche Größenordnung an x86-Prozessoren. Folglich wird durch die schnellere Weiterentwicklung der x86-Prozessoren der Leistungsabstand zwischen Risc-Systemen wie Sparc und x86 immer geringer. Also wird die Motivation, einen höheren Preis für ein Risc-System wie einen Sparc-Prozessor auszugeben, immer geringer. Folglich stehen immer weniger Investitionsgelder für die Sparc-Architektur zur Verfügung."

Vor diesem Hintergrund prognostiziere IDC, dass der Anteil an Legacy-Risc-Prozessoren wie eben Sparc, PowerPC und anderen, gegenüber x86-Plattformen ständig kleiner werde. Um Sparc längerfristig überlebensfähig zu halten, hat Oracle laut den Marktforschern nur die Chance, die Investitionen in die Sparc-Technologie massiv zu erhöhen. Dabei müsse Oracle gleichzeitig einen Massenmarkt für die Chips erschließen. Spies: "Die erste Bedingung kann nur durch ein Subventionieren aus anderen Geschäftszweigen von Oracle erfolgen, was wiederum heißt, dass die Gesamtmarge sinkt. Auch die zweite Bedingung hat insgesamt wenig Aussicht auf Erfolg, weil der Preis pro Prozessor so enorm hoch kalkuliert werden müsste, damit sich eine Produktion überhaupt noch rechnet."

Unterm Strich bleibe Oracle strategisch damit praktisch kein Spielraum, resümiert Spies: "Oracle muss die Sparc-Technologie durch andere Bereiche zunehmend mehr subventionieren. Das allerdings passt nicht in das Investitionskonzept von Oracle, nur profitable Bereiche weiterhin zu unterstützen."

Weitere Hintergründe zur geplanten Übernahme von Sun durch Oracle, die derzeit durch die ausstehende Genehmigung von EU-Kartellbehörden verzögert wird, finden Sie hier:

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