Warum Open Source Investoren anzieht

Ludger Schmitz ist freiberuflicher IT-Journalist in Kelheim. Er ist spezialisiert auf Open Source und neue Open-Initiativen.
Risikokapital fließt wieder kräftig in Firmen, deren Geschäft auf quelloffener Software aufbaut.

Das Geld sucht eine profitable Zukunft - und entdeckt als eine Möglichkeit das Open-Source-Business. In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres haben Risikokapitalgeber allein in den USA 140 Millionen Dollar in Open-Source-Firmen investiert, siebenmal mehr als 2003 insgesamt.

Hier lesen Sie …

  • was Open-Source-Firmen für Investoren wieder attraktiv macht;

  • warum die Community um Produkte wichtig ist;

  • wie der Investitutionstrend aus den USA sich auch in Deutschland niederschlägt.

Alexander Brühl, Atlas Venture: ‚Die Aktivität ihrer Community macht den Wert einer Firma aus.’
Alexander Brühl, Atlas Venture: ‚Die Aktivität ihrer Community macht den Wert einer Firma aus.’

Das Geld floss in 18 Firmen, zwei Jahre zuvor waren es nur sieben. Dies ist eine sehr konservative und niedrige Schätzung von Pricewaterhouse Coopers. Laut einer Recherche der "New York Times" hatten schon 2004 Investoren 149 Millionen Dollar in 20 Open-Source-Firmen gepumpt.

Wachstum auf verbrannter Erde

Das ist alles in allem nicht viel im Vergleich zu dem, was einmal war: Nach Angaben des US-amerikanischen Unternehmens VentureOne sind 1999 und 2000 rund 714 Millionen Dollar Risikokapital in 71 Open-Source-Unternehmen geflossen. Doch dann platzte die Dotcom-Blase, in deren Sog auch Unternehmen aus dem Linux-Spektrum attraktiv geworden waren. Die meisten Investments gingen verloren; Open Source war für Investoren jahrelang verbrannte Erde.

Jetzt dreht sich das Szenario wieder. Etliche Millionen Dollar sind in Firmen wie Spikesource, Sourcelabs, Jboss, MySQL, Collax und Scali geflossen. "Es gibt mittlerweile den Nachweis, dass funktionierende Business-Modelle existieren", erklärt Christian Claussen, General Partner beim Münchner Investor TVM Capital. Er verweist dabei in erster Linie auf Red Hat.

"Weil die Anwender bereit sind, für Open Source Geld auszugeben", sind Firmen aus diesem Spektrum für Paul Jozefak, Investment Director bei SAP Ventures Europe, interessant. Etliche dieser Unternehmen können gute Geschäftszahlen vorweisen und haben damit "bewiesen, dass ihr Business-Modell funktioniert".

Die Grundlage der Entwicklung ist der Erfolg von Linux, merkt Richard Seibt an: "Linux hat kontinuierlich bewiesen, dass es die Erwartungen der Kunden erfüllen kann. Das ist das Entscheidende." Als Business Angel und Investor geht er an dieses IT-Segment pragmatisch heran: "Linux ist der am schnellsten wachsende Markt."