IBM vs. Microsoft

Warum IBM (k)eine Social-Zukunft hat

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
IBM prägte das Marktsegment Groupware und hatte auch ein Jahrzehnt später bei Social Collaboration mit Connections die Nase vorne. Nun kommt mit Verse die nächste Iteration der Office-Produktivität. Doch wo steht Big Blue genau und wie grenzt man sich gegen den Konkurrenten Microsoft ab?

Wenn es um Tools für die Zusammenarbeit und Office-Produktivität im Unternehmen geht, kann IBM auf eine lange und facettenreiche Geschichte zurückblicken. Mit der Übernahme von Lotus und deren visionärer Plattform Notes und Domino vor 20 Jahren setzten sich die Amerikaner an die Spitze der noch jungen Kategorie "Groupware", und legten damit den Grundstein für eine lange anhaltende Marktführerschaft, die vor allem im deutschen Markt überall sichtbar war.

Doch der IT-Markt entwickelte sich rasant weiter, und auch das Innovationsgebiet Kommunikation und Zusammenarbeit bleibt von der Dynamik nicht verschont. Hauptrivale Microsoft, der als Nachzügler in diesen Markt einstieg, fokussierte lange Zeit das Modell der dokumentenzentrierten Zusammenarbeit. Für den Austausch der zu bearbeitenden Objekte und die Kommunikation im deren Kontext kamen erst Exchange/Outlook und später ergänzend der Messenger Lync (früher OCS, neuerdings Skype for Business) zum Einsatz. Konzepte einer Teamzusammenarbeit, wie sie IBM schon lange unterstützte, etablierten sich in diesen Umgebungen erst allmählich mit der wachsenden Präsenz von SharePoint.

Gamechanger Web 2.0

Mitte der 2000er Jahre ereignete sich eine erneute Zäsur, die unter dem Schlagwort Web 2.0 völlig neue Formen der computerbasierenden Interaktion etablierte. In der damals aufstrebenden Blog- und Wiki-Szene bildeten sich neue Möglichkeiten des Informationsaustauschs und der Kommunikation heraus, die alte Systemmauern und Silos überwanden. Dank offener Web-Standards wie RSS und AJAX war es nun möglich, Informationsstücke von verschiedensten Autoren zu aggregieren, zu verlinken, zu teilen und mit Bewertungssystemen zu priorisieren.

Aller Unkenrufe zum Trotz: Collaboration-Tools gewinnen im B2B-Umfeld immer mehr an Bedeutung.
Aller Unkenrufe zum Trotz: Collaboration-Tools gewinnen im B2B-Umfeld immer mehr an Bedeutung.
Foto: My Future, Shutterstock.com

Schon bald zeichnete sich ab, dass diese neue Kultur der unmittelbaren Kommunikation und des schnellen Austauschs auch im geschäftlichen Umfeld eine enorme Bedeutung gewinnen würde. Enterprise 2.0 hieß das neue Schlagwort, das der MIT-Wissenschaftler Andrew McAfee mit einem wegweisenden Artikel im dem Jahr 2006 über Nacht auf die Agenda hievte.

Pionier auch mit Connections

IBM erkannte frühzeitig den Nutzen der aufkommenden Social-Media-Revolution und präsentierte bereits im Jahr 2007 mit Connections das passende Produkt, das die entsprechenden Komponenten wie Profile, Communities, Blogs, Wikis und Dokumente verbindet. Wie sich der IBM-Server gegenüber dem rivalisierenden SharePoint von Microsoft profilieren konnte, beschreibt Axel Opermann vom Analystenhaus Avispador wie folgt: "Microsoft packte unterschiedliche Funktionsbereiche in einen Server, während IBM für unterschiedliche Szenarien eigenständige, aber integrierbare Server rund um das Kernprodukt Connections bot."

Etwas detaillierter schildert Siegfried Lautenbacher, Collaboration-Spezialist und Gründer des Beratungshauses Beck et al. Services, die Besonderheit von IBMs Social-Strategie: "Mit Connections hat IBM früh eine umfassende Lösung auf den Markt gebracht, die die drei zentralen Themen der Enterprise 2.0 zusammenbringt, nämlich Conversation, Content und Communities. Der Fokus lag dabei immer auf den Arbeitenden selbst." Mit der aktuellen Version 5 liege eine ausgereifte Plattform vor, die auch über eine gute mobile Client-Unterstützung verfüge. "Hier zeigt sich deutlich die lange IBM Geschichte auf dem Gebiet der Zusammenarbeit", so Lautenbacher weiter.

Grundsätzlich attestiert Oppermann beiden großen Anbietern ein komplettes Portfolio, das unabhängig von der Leistungsfähigkeit einzelner Features vergleichbar ist. So setzt Microsoft im klassischen Groupware-Bereich auf Exchange mit Outlook als Frontend. Der Server wird auch als Cloud-Service angeboten, Outlook existiert inzwischen in den Unterschiedlichsten Varianten für Clients und das Web. Bei IBM heißen die Protagonisten Domino, Notes, iNotes oder IBM Web Mail Cloud. Unternehmensorientierte Social Networks können auf Basis von IBM-Produkten mit Connections oder Connections Cloud realisiert werden.

Microsofts Doppelstrategie

Microsoft trimmte SharePoint seit der Version 2007 auf Social Networking und baute mit jeder Version die Funktionen aus. Doch der große Sprung mit der aktuellen Version 2013 markiert auch einen Endpunkt. Überraschend kam nämlich die Yammer-Übernahme dazwischen, und im Zuge der Integration des Cloud-Dienstes wechselte man auch die Strategie. Yammer wird Schritt für Schritt als Social-Layer in alle Microsoft-Produkte integriert, die Social-Funktionen von SharePoint werden nicht mehr weiterentwickelt. Für viele Kunden steht damit eine Grundsatzentscheidung an: Wer sich für Yammer entscheidet, müssen auch in die Cloud. Oder aber man bleibt beim SharePoint On-Premises, und setzt auf eine separate Social-Netzwerk-Erweiterung, wie sie Drittanbieter wie Beezy, Hoozin oder Sitrion/NewsGator liefern.

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IBM_Experts

Forrester hat für eine Studie eine Vielzahl von Kunden befragt, die IBM Connections seit Jahren entweder in der Cloud oder On Premise
im Einsatz haben:

http://ibmexperts.computerwoch...

Siegfried Lautenbacher

Auf der anderesn Seite ist es bei zunehmend vielen Unternehmen einfach Fakt. Von Wald und Wiesen Foundation SharePoints angefangen bis zur strategischen Entscheidung ist alles dabei.

Siegfried Lautenbacher

Na, da gibt es in der Zwischenzeit schon Verbesserungen, denke ich. Eine Testumgebung in der Cloud wäre zum Beispiel bei uns sehr schnell hochgezogen.

Karl Isar

Ich kann dem Einsatz von zwei konkurrierenden Unternehmen und Produkten nichts abgewinnen. Was für ein ROI soll sich da beim Kunden einstellen? Im Gegenteil, es wird alles viel teurer! Zudem nimmt die Komplexität dramatisch zu, an die Lizenzfallen möchte ich erst nicht nachdenken.

Jeder der mal ein IBM oder MS Audit mitgemacht hat, weiß wovon ich spreche. Alleine bei dem Konstrukt das Business auf so eine Hybrid-Platform zu lassen wird mir anders. Es würde doch auch niemand auf die Idee kommen in einen Audi BMW-Teile einzubauen, wozu? Es gibt dafür keinen echten Business-Case.

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