Trotz MBA

Warum Frauen keine Karriere machen

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Ein Master of Business Administration (MBA)- Studium war bisher für die meisten ein gutes Vehikel, um die Karriere zu beschleunigen. Das scheint allerdings nur für Männer zu gelten, nicht für die Frauen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Auch heute kommen Frauen in Unternehmen auf der Karriereleiter häufig nicht so weit nach oben wie ihre männlichen Kollegen. Marianne Bertrand, Professorin für Wirtschaft an der Booth School of Business der Universität Chicago, untersuchte mit zwei Professoren der Harvard-Universität, den Einkommensunterschied zwischen männlichen und weiblichen Angestellten, die ihren Abschluss zwischen 1990 und 2006 an der Chicago Booth School of Business gemacht haben.

Demnach sind drei Faktoren dafür verantwortlich, dass Frauen trotz MBA weniger verdienen als Männer mit gleichem Abschluss: Die Ausbildung vor dem MBA-Studium, zeitliche Unterbrechungen der Karriere und unterschiedliche Wochenarbeitszeiten.

Einkommen sind nur beim Einsteig gleich

Zu Beginn ihrer Karriere haben männliche und weibliche MBA-Absolventen ein nahezu gleich hohes Einkommen. Schon fünf Jahre später ist das Jahreseinkommen der Männer um 30 Punkte und zehn bis sechzehn Jahren nach dem Abschluss um fast 60 Punkte gestiegen. Innerhalb des gleichen Zeitraums steigt der Anteil nicht berufstätiger MBA-Absolventinnen ebenso deutlich. 13 Prozent der Frauen arbeiten neun Jahre nach dem MBA-Abschluss gar nicht - im Vergleich zu einem Prozent der Männer.

Karriereknick durch Kinder

Betrachtet man nur formale Kriterien wie Noten, gibt es kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen weisen einen Notendurchschnitt von 3,25 im Vergleich zu 3,38 bei den Männern auf. Allerdings unterbrechen Frauen häufiger ihre Karriere und weisen eine niedrigere Wochenarbeitszeit auf. Etwa zehn Jahre nach dem MBA-Abschluss differiert die Berufserfahrung von Männern und Frauen um sechs Monate. Frauen arbeiten 52 Stunden pro Woche, Männer 58 Stunden.

Kinder sind der Hauptgrund für eine geringere Berufserfahrung, längere Unterbrechungen der Karriere und weniger Wochenarbeitsstunden MBAs. In den ersten 15 Jahren nach einem MBA weisen Frauen mit Kindern im Vergleich zu Männern ein Defizit von acht Monaten Berufserfahrung nach dem MBA-Abschluss auf. Dagegen haben kinderlose Frauen lediglich einen Rückstand von 1,5 Monaten.

Mütter scheinen sich aktiv für familienfreundliche Arbeitsplätze zu entscheiden und Jobs mit langen Arbeitszeiten und größeren Karrieremöglichkeiten zu meiden. Viele Mütter mit MBA, vor allem diejenigen mit gut verdienenden Männern, entscheiden sich innerhalb der ersten Jahre nach einer Geburt dazu, ihre Karriere zu verlangsamen. Frauen mit Kindern haben im Durchschnitt 24 Prozent weniger Wochenarbeitsstunden als Männer. Frauen ohne Kinder arbeiten dagegen nur 3,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.