Enterprise Architecture Management

Warum die Software AG Alfabet übernehmen will

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Wer von Trends wie Cloud, Social, Mobile und Big Data, profitieren will, braucht IT-Bebauungspläne und anpassbare Strukturen. Das weiß auch die Software AG - und wirbt um den Berliner EAM-Spezialisten Alfabet.

Um neue Geschäftsmodelle auf der IT-Seite adaptieren zu können, verwenden die Unternehmensarchitekten häufig Werkzeuge für Enterprise Architecture Management (EAM) und IT-Portfolio-Management. Dazu gehören in erster Linie die "Mega"-Suite vom gleichnamigen Anbieter, "Rational System Architect" von IBM sowie "PlanningIT" von Alfabet. Die zweite Reihe bilden Anbieter wie Avolution (Australien), Opentext (Kanada), Casewise (London) und BizzDesign (Enschede). Darüber hinaus offerieren Herausforderer wie Troux mit Sitz in Austin, Texas, oder LeanIX aus Bonn auch EAM on Demand beziehungsweise as a Service.

Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich will das Produktportfolio in Sachen EAM abrunden.
Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich will das Produktportfolio in Sachen EAM abrunden.
Foto: Software AG

Die auf Infrastrukturen spezialisierte Software AG will ihr Produktportfolio offenbar in diese Richtung abrunden. Deshalb hat sie mehr als nur ein Auge auf die Alfabet AG mit Sitz in Berlin geworfen. Wie jetzt bekannt wurde, will sie die 1997 gegründete Softwareschmiede möglichst rasch übernehmen.

Ende 2010 hatten die Darmstädter bereits eines der führenden Prozessmodellierungs-Tools in ihren Besitz gebracht: "Aris" von IDS Scheer. Wenn es ihnen gelingt, Aris mit PlanningIT zu integrieren, haben sie eine weitgehend vollständige Werkzeugpalette für die Transformation von Geschäftsprozessen anzubieten - also von der Modellierung der Prozesse bis zur Planung und Optimierung der IT-Architektur. "Unsere Technologien ergänzen sich hervorragend", bestätigt Alfabet-CEO Erik Masing.

Weltweite Vermarktung im Blick

Die Frage, warum Alfabet seine Selbständigkeit aufgeben will, beantwortet Masing mit dem Verweise auf die "globale Präsenz" sowie die "starke Vertriebs- und Consulting-Organisation" der Software AG. Im Klartext bedeutet das etwa: Alfabet will seine Werkzeuge jetzt wirklich weltweit vermarkten - mitsamt der dafür notwendigen Beraterkapazität. Und da Spezialisten für Unternehmensarchitektur Managelware sind, geht das wohl am einfachsten, wenn man sich übernehmen lässt.

Was sich die Software AG diese Akquisition kosten lassen wird, hat sie nicht publik gemacht. Ebenso wenig steht bislang fest, ob alle 90 Alfabet-Mitarbeiter, die neben Berlin auch in Boston und Singapur ansässig sind, geschlossen zur Software AG wechseln werden. Die Übernahmeformalitäten sollen jedoch bereits zum Ende dieses Monats erledigt sein - sofern das Bundeskartellamt keine Einwände hat.