Umstellung auf All IP

Warum das Fax im IP-Netz streikt

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Die Deutsche Telekom und andere Carrier stellen ihre Vermittlungstechnik derzeit auf IP-basierende Datenübermittlung (All IP) um. Dabei häufen sich nicht nur die Kundenbeschwerden beim Wechsel, sondern auch im späteren Betrieb. Ein Problemfall ist das klassische Fax.
Der Einsatz von Faxgeräten in IP-Umgebungen ist nicht ganz einfach. Mit der Abschaltung des klassischen Telefonnetzes kommen auf viele Unternehmen Probleme zu.
Der Einsatz von Faxgeräten in IP-Umgebungen ist nicht ganz einfach. Mit der Abschaltung des klassischen Telefonnetzes kommen auf viele Unternehmen Probleme zu.
Foto: Brother

Warum gerade Unternehmen nach der Umstellung auf Umstellung auf All-IP-Anschlüsse immer wieder mit Problemen bei der Faxkommunikation zu kämpfen haben, erklärt Bernhard Hecker, Director Product Management beim Messaging-Dienstleister Retarus. "Die Datenübertragung in IP-Netzen erfolgt technisch gesehen immer in einzelnen Paketen. Dabei kann es naturgemäß jederzeit zu unvorhersehbaren Paketverlusten kommen", skizziert Hecker den technischen Hintergrund der Probleme.

Größer als bei der Telefonie sei dabei die Fehlergefahr beim Empfang und Versand von Faxen. "Bei der VoIP-Telefonie haben diese Verluste meist nur geringe Auswirkungen. Das menschliche Gehirn gleicht bis zu fünf Prozent dieses Informationsverlustes problemlos aus", veranschaulicht der Manager. Bei der Fax-Übertragung ergibt sich jedoch ein anderes Szenario: Die Fax-Geräte reagieren auf solche Störungen äußert empfindlich.

Die Paketverluste führen mitunter zu massiven Informationsverlusten (unlesbare Faxe) und/oder Verbindungsabbrüchen. Damit wird die geschäftsrelevante Kommunikation, vor allem im Mittelstand, wo das Fax noch häufig zur Auftragsvergabe und -erteilung eingesetzt wird, empfindlich gestört. Letztlich stellen die neuen All-IP-Netze fast alle Unternehmen, die noch Faxe nutzen, vor große Probleme.

Fax over IP - keine Lösung?

In der Theorie gilt das Problem des Faxen in IP-Netzen eigentlich seit langem als gelöst: Speziell für die Fax-Kommunikation in VoIP-Umgebungen wurde das Protokoll T.38 entwickelt - auch Fax over IP (FoIP) genannt. Diese Empfehlung der ITU-T (Internationale Fernmeldeunion) gilt als recht robust, um die verzögerungsfreie Übertragung von Fax-Dokumenten über das Internet sicherzustellen. "Fax-Sendungen werden hier nicht mehr als digitale Sprachsignale übertragen, sondern in einem eigenständigen Protokoll mit eigenem Paketformat und eigenen Regeln", erklärt Hecker den Standard.

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Die Sache hat allerdings einen Haken. In vielen Fällen ist T.38 nämlich in der Praxis keine anwendbare Alternative. "Viele große Telefonanbieter unterstützen das Protokoll bei VoIP-Telefonanschlüssen nach wie vor nicht", kritisiert der Retarus-Manager, " deshalb ist das für Unternehmen, die täglich Fax-Nachrichten mit geschäfts- oder zeitkritische Informationen wie Rechnungen, Stornierungen oder Bestellungen versenden, keine brauchbare Lösung."

Fax-Services aus der Cloud

Einen Ausweg aus dieser Situation könnte ein Fax-Service aus der Cloud sein. "Anwender können die Dienste von jedem beliebigen Standort aus nutzen - sei es vom eigenen Arbeitsplatz, über vorhandene Multifunktionsgeräte oder direkt aus Business-Applikationen", ergänzt Hecker nicht ganz uneigennützig, denn sein Unternehmen offeriert selbst entsprechende Services.

Es gibt natürlich auch Alternativen: Um die zugrunde liegende verlässliche Übertragung von Modemsignalen zu garantieren, hat sich etwa auch Fax.de ISDN-Leitungen im Glasfasernetz gesichert. Die Kunden des norddeutschen Unternehmens verwalten den Faxdienst im Internet mit wenigen Klicks und können etwa digitale Dokumente (PDFs, Doc- oder JPG-Files) hochladen, die dann von Fax.de über analoge und ISDN-Leitungen gesendet werden. Optional können Nutzer ihre Faxnummer mitnehmen und Faxe ab (nicht gerade günstige) 4,9 Cent versenden.

Bei der Wahl eines geeigneten Fax-Anbieters empfiehlt Fax.de-Geschäftsführer Bernd Zschaler generell einen Blick ins Kleingedruckte: "Manche Dienste versenden nur Text, während wir das gesamte Layout inklusive Logos und Bilder transportieren. Wenn der Anbieter das Fax bei fehlgeschlagenem Zustellversuch ausdruckt und per Post ausliefert, sieht man sich unter Umständen mit Tempo und Preisen der Deutschen Post konfrontiert und die Vorteile des Faxes sind dahin."

 

Makler Pradel

Leider gibt es im deutschen Recht den kleinen aber feinen Unterschied zwischen dem Schriftform- und dem Textformerfordernis. Wir nutzen das Fax ausschließlich zum Versenden von Kündigungen für unsere Mandanten - weil die meisten Versorger und Versicherer auf dem Schriftformerfordernis bestehen. Bereits jetzt kosten uns die dauernden Abbrüche unserer Verbindung via VoIP viel Zeit. Aber würden wir alles ausdrucken und per Post schicken müssen, könnten wir als kleiner Makler den Service nicht mehr unentgeltlich anbieten können.

stealz

Wir empfangen Faxe über den PC, quasi kein Unterschied zur E-Mail. Wir haben sogar einen Stapelscanner für andere Zwecke, unser Multifunktionsgerät akzeptiert nur einzelne Seiten. Ich brauche aber jeweils noch einige Schritte bis aus dem Papier eine E-Mail wird.

Also Faxe versenden ist bei uns definitiv komfortabler mit dem Fax. Aber selbst wenn das nicht so wäre ist es völlig unerheblich wenn die Gegenstelle nur Faxe akzeptiert.

Da wir nur inländisch Faxen sind die Kosten ausgeglichen bei 0.

Franz Gleichmann

Umständlichkeit kann ich nicht bestätigen bei einem Scanner, in dem man einen Stapel einlegt, auf "Scannen" drückt und am Ende eine PDF hat, die man dann per Mail schickt. Oder bei einem Multifunktionsgerät, bei dem man einen Stapel einlegt, eine Mailadresse statt einer Faxnummer eingibt und auf senden drückt. Gleichwertige Lösungen gibt es seit über fünf Jahren, stehen in den meisten Firmen ungenutzt rum, sind wesentlich komfortabler als Uraltgeräte, die man umständlich für die Zukunft aufrüsten muss und sind nur deshalb weniger im Gebrauch, weil jeder Ewiggestrige meint, Fax ist noch in irgend einer Weise technisch relevant.

Und was die Kosten angeht: Einfach mal hochrechnen, was so ein Stapel Faxe übers Jahr kostet - besonders, wenn man Geschäftspartner im Ausland hat.

stealz

Das stimmt leider in der Geschäftswelt so nicht.

Wir würden gerne darauf verzichten, aber viele unserer Geschäftspartner versenden Dokumente, und diese erst zu scannen und dann zu mailen wollen/können sie oft nicht.

Das Versenden von mehrseitigen Dokumenten per E-Mail ist auch ziemlich umständlich im Vergleich zum Fax, wo man einen Stapel einlegt und eine Nummer eintippt und fertig. Gleichwertige technische Lösungen gibt es sicherlich, sind aber im Vergleich zum Fax sehr teuer, weniger kompfortabel und wenig verbreitet.

Franz Gleichmann

Man könnte auch ganz einfach dieses absolut antiquitierte Kommunikationsmedium, welches gegenüber der schon seit Ewigkeiten verbreiteten E-Mail absolut keinen Mehrwert bietet (außer für die Produzenten von Faxgeräten), endlich mal einstampfen.

Als das Internet noch nicht verbreitet war, mag es vielleicht anders gewesen sein, aber heute, im Jahr 2015, hat das Fax ganz einfach keine Daseinsberechtigung mehr.

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