Warten auf den Durchbruch

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
.NET ist Microsofts Kürzel für eine neue Softwarearchitektur. Nach dem Willen der Gates-Company sollen bald alle Programme und Projekte in der Windows-Welt unter .NET laufen. Gute Chancen kann sich ausrechnen, wer in dem IT-Sektor rechtzeitig umdenkt.

Eines hat Microsofts Marketing-Maschinerie bereits erreicht: .NET ist eine bekannte Marke, auch wenn die meisten Anwender bislang damit noch nicht in Berührung gekommen sind. Im Entwicklerlager ist .NET omnipräsent. Auf Kongressen, in Workshops und auf Schulungen wird das .NET-Mantra verkündet, Fachzeitschriften und Bücher zum Thema gibt es massenweise.

 Sollten diejenigen, die im Microsoft-Umfeld arbeiten oder es künftig tun wollen, schon jetzt ihre Aus- und Fortbildung auf das neue Paradigma ausrichten? Auf jeden Fall, meint Clemens Vasters, Vorstand des Trainings- und Beratungsunternehmen Newtelligence AG in Korschenbroich: "Auch wenn derzeit vieles im .NET-Bereich noch Experimentiercharakter hat, verfolgt Microsoft doch auf breiter Ebene die zügige Umstellung auf .NET."

Noch beschränkt sich der Einsatz der .NET-Technik vorwiegend auf den Backend-Bereich. Viele Projekte setzen auf die Web-Plattform ASP.NET, die für datenbankbasierende, dynamische Internet-Anwendungen eingesetzt wird. .NET-Programme für PC-Anwendungen, der klassischen Domäne von Windows, sind noch dünn gesät. Das liegt auch daran, dass die neue Software eine Ablaufumgebung - die Common Language Runtime (CLR) - erfordert. Diese wird erst seit dem neuen Windows Server 2003 serienmäßig ausgeliefert und fehlt auf den meisten Windows-PCs.

Noch wenig Anwendungen

Clemens Vasters: "Wichtig ist, dass Studenten die Grundlagen der IT lernen, und Java ist als moderne Programmiersprache gut dafür geeignet."
Clemens Vasters: "Wichtig ist, dass Studenten die Grundlagen der IT lernen, und Java ist als moderne Programmiersprache gut dafür geeignet."

Entwickler, Berater und Architekten sollten bei der Umorientierung dennoch nicht zögerlich sein, warnt Vasters: "Die Benutzeroberfläche der nächsten Windows-Version wird vollständig auf .NET basieren. Wer am Ball bleiben will, muss sich mit den Grundlagen und den neuen Entwicklungswerkzeugen vertraut machen." Die Redmonder stellen nun Schritt für Schritt ihre Produkte wie "Biztalk" oder später "Office" auf die neue Technologie um. Zwar dürften allein aufgrund des großen Softwarebestands noch eine Weile auch Programmierer gefragt sein, die mit den alten Schnittstellen vertraut sind. Im Bereich neuer Projekte steigt das Interesse an .NET - allein wegen seiner Sicherheitskonzepte und der XML-Integration.

Tatsächlich ziehen immer mehr Unternehmen mit Microsoft-Technologie .NET in ihre Planung mit ein, weiß Dolores Daxer vom Systemhaus ppedv in Burghausen zu berichten. Das Unternehmen bietet seit der offiziellen Vorstellung von .NET Schulungen an. "In den letzten zwölf Monaten hat das Interesse an .NET stark zugenommen, weil viele Firmen offenbar den Umstieg von der alten Windows-Plattform planen", so Daxer. Auch die wachsende Zahl der Schulungsanbieter sei ein Indiz für das größer werdende Interesse an der neuen Microsoft-Architektur.

Gates will verstärkt an die Unis

Trainingsspezialisten wie ppedv oder Newtelligence spielen in Microsofts Plänen eine wichtige Rolle, um die .NET-Botschaft unter den IT-Fachleuten zu verbreiten. In den Lehrplänen der Hochschulen ist .NET derzeit noch dünn gesät, Java ist dort State of the Art. Die Dominanz von Java muss aber keineswegs ein Nachteil für .NET sein, meint Vasters: "Wichtig ist, dass Studenten die Grundlagen der IT lernen, und Java ist als moderne Programmiersprache gut dafür geeignet. Java hilft einem bei .NET und umgekehrt."

Mittlerweile stoße aber auch das Microsoft-Konzept bei Professoren auf steigendes Interesse. Die Redmonder versuchen verstärkt, die akademischen Aktivitäten auszuweiten - etwa mit der kostenlosen Shared-Source-Variante der .NET Common Language Infrastructure (CLI), die primär für die Forschung und Lehre gedacht ist.