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Qualitätsjournalismus kostet

"Wall Street Journal" plant Micropayment-Modell

11.05.2009
Von pte pte
Das "Wall Street Journal" (WSJ) will noch in diesem Jahr damit beginnen, für Nichtabonnenten einzelne Online-Beiträge gegen Gebühr anzubieten.
'WSJ'-Mehrheitseigner Rupert Murdoch will weg von der Kostenlos-Mentalität im Internet.
'WSJ'-Mehrheitseigner Rupert Murdoch will weg von der Kostenlos-Mentalität im Internet.

Wie Robert Thomson, Managing Editor der US-Finanztageszeitung, gegenüber der "Financial Times" erklärt, soll im Herbst 2009 ein "ausgeklügeltes Micropayment-System" eingeführt werden, das den Nutzern gegen einen kleinen Geldbetrag Zugang zu einzelnen Artikeln verschaffen soll. "Es steht noch nicht genau fest, wie diese Preise für einzelne Beiträge aussehen werden", erklärt Thomson. Ihre Höhe werde aber "angemessen und gerecht" sein. Die aktuelle Ankündigung ist ein wichtiger Schritt für die angeschlagene US-Nachrichtenbranche. Setzt das "Wall Street Journal" seine Pläne in die Tat um, wäre es die erste größere Zeitung in den Vereinigten Staaten, die auf ein derartiges Bezahlmodell für Online-Inhalte setzt.

Hintergrund der aktuell bekannt gewordenen Pläne ist vor allem die dramatische wirtschaftliche Situation der US-amerikanischen Zeitungslandschaft. Nachdem die Kombination aus Finanzkrise und dem deutlich schwächelnden Werbegeschäft zahlreiche renommierte US-Nachrichtenmedien an den Rand des Ruins gebracht hat, hofft die Branche nun vor allem auf das zunehmend interessanter werdende Online-Geschäft, um das eigene Überleben zu sichern. Mit kostenpflichtigem Content will das "WSJ" dabei in erster Linie mehr Unabhängigkeit vom schwächelnden Werbegeschäft erlangen. "Für Zeitungen ist im Web bislang noch recht wenig Geld zu verdienen. Die Nutzer sind nicht bereit, Geld für Online-Inhalte zu bezahlen. Hinzu kommt das Problem, dass im Internet eingesetzte Werbeanzeigen den Unternehmen noch bei weitem nicht so viel Umsätze einbringen wie ihre Print-Pendants", gibt sich Anja Pasquay, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), gegenüber pressetext in dieser Hinsicht eher skeptisch. Der Anteil des Online-Bereichs in Deutschland habe 2007 gerade einmal 3,3 Prozent des gesamten Werbekuchens betragen.

Das "WSJ" gehört zu den wenigen Zeitungstiteln der USA, die ihre Inhalte im Internet schon heute fast ausschließlich kostenpflichtig verbreiten. Laut Thomson stelle das geplante Micropayment-Modell dabei eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Abonnement-System der Tageszeitung dar. "Die Micropayments sind vor allem für Gelegenheitsleser gedacht, die nicht bereit sind, mehr als 100 Dollar für ein Jahres-Abonnement auszugeben", erläutert der "WSJ"-Managing-Editor. Für Rupert Murdoch, Mehrheitseigentümer des Medienkonzerns News Corporation, der ddie "WSJ"-Mutter Dow Jones im August 2007 übernommen hat, ist Bezahl-Content der einzige Weg, um die Nachrichtenbranche aus der gegenwärtigen Misere zu lotsen. "Die Konsumenten werden Nachrichten in Zukunft nicht mehr kostenlos abrufen können", hatte Murdoch bereits Anfang April auf der diesjährigen Cable Show in Washington, D.C., erklärt. (pte)