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VW stellt Stücklistenverwaltung auf SAP um

04.12.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Seit kurzem lässt die Volkswagen AG einen Teil ihrer Konstrukteure mit neu strukturierierten Stücklisten arbeiten. Sie sind das Ergebnis einer Entwicklungspartnerschaft mit der SAP AG und bilden quasi den generalüberholten Nervenstrang bilden quasi den Nervenstrang der Produktion bei den betroffenen Fahrzeugmodellen.

Eigenen Angaben zufolge produziert die Volkswagen-Gruppe 60 Modelle an 45 Standorten, wozu sie insgesamt etwa 1,5 Millionen Einzelteile verwendet. Ihre aus den 70er Jahren stammende, auf mehr als zehn Teilsysteme verteilte Stücklistenstruktur konnte diese Variantenvielfalt und die damit einhergehende Komplexität kaum abbilden. Zum Zeitpunkt seiner Konzeption waren Entwicklungs- und Fertigungsmethoden, die auf der Wiederverwendung ganzer Baugruppen basieren, (Stichwort: "Modulstrategie") weitgehend unbekannt.

Das neue System organisiert die Teiledaten in einer Baumstruktur, sodass es nicht mehr notwendig ist, die Stückliste für jede Modellvariante komplett neu zu erstellen und getrennt zu verwalten. Die mit SAP entwickelte "Produktvariantenstruktur" (PVS) soll unter anderem die Wechselbeziehungen in den Fertigungsprozessen transparent machen und die Folgen von Produktänderungen aufzeigen (beispielsweise bedingt der Einbau einer Klimaanlage eine leistungsfähigere Batterie). Davon könnte auch die Entwicklung neuer Modellvarianten profitieren.

Generell lassen sich auf diese Weise Fehler vermeiden, Dateneingabe und -suche beschleunigen, Bearbeitungszeiten verringern sowie Verbesserungspotenziale aufspüren. Letztlich hofft der Volkswagen-Konzern also, Zeit und Geld zu sparen. Wie viel genau, wollte das Unternehmen allerdings genauso wenig verraten wie die Höhe der in das Projekt geflossenen Investitionen.

Die Anfänge des "TI Synchro" (kurz für Technical Information - Synchronized) genannten Projekts reichen bis in die Mitte der 90er Jahre zurück. Doch erst nach einer mehrjährigen Konzeptionsphase traf der Wolfsburger Automobilkonzern die Produktentscheidung zugunsten der SAP. Der in Walldorf beheimatete Softwareriese beabsichtigte, eine auf die Bedürfnisse der Automobilfertigung abgestimmte Branchensoftware ("SAP Automotive") zu entwickeln, und suchte dafür das fachliche Know-how seiner Kunden. Aus dieser Notwendigkeit wurde auch das "Secam"-Projekt mit Daimler-Chysler geboren. Die Entwicklungspartnerschaft mit VW, die sich auf den Aspekt des Product Lifecycle Management (PLM) konzentriert, ist mittlerweile knapp zweieinhalb Jahre alt. Ihre Ergebnisse werden in die Standardsoftware "SAP PLM" einfließen.

Auf die neue Stücklistenstruktur will VW sukzessive umsteigen. Zudem wurde die Einführung des Systems mit einem ganz bestimmten Entwicklungsprojekt verknüpft: Den Anfang machen die Konstrukteure eines brandneuen Modells, über das VW aus Marketing-Gründen noch Stillschweigen bewahrt. Gleichzeitig bildet die überarbeitete Stücklistenstruktur aber auch das Rückgrat für die künftige Ausführung des Audi-Flaggschiffs "A8".

In fünf bis acht Jahren hofft VW, die alte Stückliste endgültig abschalten zu können. Zudem will der Automobilkonzern das neue System mit seinen anderen SAP-Instanzen, namentlich für die Finanzen und die Logistik, vernetzen und es auf die frühen Phasen der Automobilentwicklung ausdehnen, also Schnittstellen zur CAD-Welt ("Catia" und "Pro-Engineer") schaffen. Außerdem liegt eine Entscheidung darüber an, auf welche Weise eigentlich die Zulieferer auf die überarbeiteten Daten zugreifen sollen. Bislang ist sie noch nicht gefallen. (qua)