Compass warnt

Vorsicht vor gefährlichen Outsourcing-Angeboten

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Unseriöse Provider nutzen die Krise, um die unter Kostendruck stehenden CIOs mit Lockvogel-Angeboten zu übertölpeln.
Jörg Hild, Geschäftsführer der Compass GmbH
Jörg Hild, Geschäftsführer der Compass GmbH
Foto: Compass

In den vergangenen Wochen wurden viele deutsche Unternehmen mit Offerten zum schnellen und vollständigen Outsourcing diverser IT-Bereiche überschüttet, so hat die Unternehmensberatung Compass mit Sitz in Wiesbaden festgestellt. Diese Angebote werben häufig mit dem Versprechen gewaltiger Einsparungen und sofortigen Barzahlungen in Millionenhöhe - gegen Übereignung der Betriebsmittel. Der Haken: Die Kunden müssen sich über einen sehr langen Zeitraum an den Dienstleister binden.

Das aber erscheint den Compass-Experten nicht ratsam: Der CIO gerate auf diese Weise in eine Abhängigkeit, die das Unternehmen - über die gesamte Laufzeit des Vertrags - teuer zu stehen komme. Denn durch den kontinuierlichen Preisverfall im Markt - im Server-Outsourcing zum Beispiel hat Compass eine Erosion von 30 Prozent pro Jahr festgestellt - relativiere sich der vermeintliche Schnäppchen-Preis schon nach wenigen Jahren. Zudem könne der Kunde im Gegensatz zum Anbieter nicht mehr von technischen Innovationen wie der Virtualisierung profitieren. (Siehe auch: "Outsourcing - Best Practices".)

Der Gewinn schmilzt schnell dahin

Ganz zu schweigen davon, dass der IT-Verantwortliche durch langfristige Verträge seine Entscheidungsfreiheit in strategischen Fragen beträchtlich einengt. Die Folgen schildert Jörg Hild, Geschäftsführer der Compass Deutschland GmbH, folgendermaßen: "Heute ist das Unternehmen Herr seiner Investitionsentscheidungen, künftig liegen beispielsweise Technologie-Upgrades nicht mehr allein in seiner Hand." Anpassungen der Geschäftsprozesse oder IT-Architekturen seien in den Verträgen meist nicht vorgesehen. Sollten sie während der Laufzeit notwendig werden, so ziehe das weitere Kosten nach sich. (Siehe auch: "Sechs typische Fehler bei IT-Ausschreibungen".) Unter dem Strich schmelze der angepeilte Gewinn dann schnell dahin.

Hilds Fazit: "Über Outsourcing nur unter Kostenaspekten zu entscheiden war noch nie richtig, und das wird es auch in der gegenwärtigen Krise nicht." Selbstverständlich müssten die CIOs jetzt rasch ihre Kosten senken: "Aber schnell handeln heißt nicht: übereilt handeln."

Die Aussicht auf einen sofortigen Cash-Zufluss für den Betriebsmittel-Übergang sei sicher verlockend, weiß der Compass-Geschäftsführer, aber auch hier sollte der Kunde Vorsicht walten lassen. Die erste Einschätzung der Asset-Werte halte einer genaueren Prüfung nicht immer stand. Schließlich müsse der Diestleister seine Anfangsinvestition ja auch finanzieren. Eine faire Lösung bestehe nicht in schnellen, pauschalen Abkommen unter dem Druck der Finanznöte, sondern in durchdachten Verträgen mit Win-Win-Charakter.