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Vorbis: Open-Source-Audio als Konkurrenz zu MP3?

19.06.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auch wenn das MP3-Format (MPEG-1 Audio Layer 3) bezüglich der transportierten Musik keine Rücksicht auf Urheberrechte nimmt, so ist doch der Algorithmus als solcher geschützt. Die Rechte hält das Fraunhofer-Institut, das wiederum eine Lizenz an Thomson Multimedia gegeben hat. Die Franzosen sind gleichzeitig für das Eintreiben der Lizenzgebühren (MP3-Hardware: 50 Cent pro Gerät, Download-Sites: ein Prozent des Song-Preises; jeweils 15 000 Dollar pro Jahr Minimum) zuständig.

Dem wollen eine Reihe von Open-Source-Programmierern nicht länger tatenlos zusehen, die hauptberuflich bei der CMGI-Tochter iCast angestellt sind. Das Team arbeitet an einem neuen Audio-Format namens "Vorbis", mit dem sich Musikstücke digital in hoher Qualität (44,1 bis 48 Kilohertz, 16+ Bit, polyphon) bei festen und variablen Bitraten zwischen 16 und 128 Kbit/s pro Kanal komprimieren lässt. Eine erste Beta der Software wollen die Entwickler in dieser Woche auf der MP3-Konferenz in San Diego vorstellen.

Ob Vorbis erfolgreich sein kann, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die weltweite MP3-Anhängerschaft bereit ist, ihre bestehenden Bibiotheken auf das neue Format umzusetzen. Zumindest softwareseitig sind mit Plugins für populäre MP3-Player wie "Winamp", "Freeamp" oder "Sonique" die entscheidenden Voraussetzungen gegeben.